Augsburgs Ergebnis im ADFC Fahrradklima-Test 2014

Mein subjektiver Eindruck des Augsburger ADFC-Fahrradklima-Test-Ergebnisses: meh. Die erreichte Durchschnittsnote von 3,9 klingt schlecht, im Vergleich zu den Klassenbesten, die auch nur 3,3 erreichen, aber auch nicht mehr so wild. Die Verbesserung seit 2012 von etwa 4,2 auf 3,9 wirkt nicht berauschend, andererseits wird der Sprung mit „++“ bewertet – nicht allzu viele Städte haben sich so gesteigert. Ich empfehle einen Blick auf die Einzelergebnisse der jeweiligen Fragen und insbesondere die Lektüre der „Hinweise zur Verwendung der Daten“ (PDF).

Sieht man sich die Mittelwerte aller Fragen im Vergleich mit anderen Städten an, sieht man, dass sich für Augsburg in fast allen Belangen eine Art Konsenssoße ergibt – das Gros der Fragen weicht ≤0,3 Schulnotenstufen vom Schnitt anderer Städte ab. Die wenigen Punkte, in denen sich große Abweichungen zeigen, sind demnach in positiver Hinsicht der Fahrraddiebstahl (wir scheinen auf einer Insel der Glückseligen zu leben), in negativer Hinsicht die Mitnahme im ÖPNV und Fahren in Einbahnstraßen. Dass es die „Fahrradförderung in letzter Zeit“ mit +0,4 in die Top 3 „Stärken“ geschafft hat, wird man sicherlich von Seiten der Lokalpolitik das gesamte nächste Jahr zu hören bekommen – aber seien wir nicht unfair: allein, das Projekt „Fahrradstadt2020“ anzugehen, verdient Beifall, und selbst, wenn es noch nicht in der Umsetzung ist, braucht man es nicht voreilig kaputt zu reden. Dass allerdings ausgerechnet der Winterdienst und die Falschparkerkontrolle im Schnitt besser abschneiden als in anderen Städten, wollen wir einmal einer statistischen (schlechten) Laune ankreiden und als Beispiel heranziehen, weshalb man Durchschnittswerte mit gesunder Skepsis begegnen sollte.

Noch mehr Zweifel an den Durchschnittswerten kommen auf, wenn man auf die Bewertungen der einzelnen Fragen schaut. Hier streuen sich die Bewertungen – nicht nur in Augsburg – doch sehr breit über das Spektrum. Nehmen wir zum Beispiel die in Augsburg im Schnitt bessere Bewertung der „Fahrradförderung in letzter Zeit“: 29 Befragte geben hier Note 1 oder 2, aber eben auch 21 die Note 5 oder 6. Noch ein Beispiel, wo der Durchschnittswert täuscht: Beim bayerischen Vorzeigekind Erlangen ermittelt sich ein Wert von 2,6 auf die Frage, ob Radfahren Spaß mache, in Augsburg 3,4. Ein für diese Umfrage recht hoher Unterschied, letztlich aber beides eine 3. Aber in den Einzelbewertungen zeigt sich ein deutlicheres Bild: 59 Erlanger geben eine 1 oder 2, nur 13 eine 5 oder 6. In Augsburg hingegen ein ausgeglichenes Bild: 30 sind begeistert, 27 gestresst. Durchschnittswert my ass.

Und übrigens: um die Güte des Winterdienstes wieder einzunorden: 13 Befragte fanden den (sehr) gut, aber 46 (!) mangelhaft oder ungenügend. Dass es in anderen Städten also noch mieser auszusehen scheint, sollte kein Grund zu ausgelassener Freude sein.

Ebensowenig, dass auch in Augsburg einige Fragen eine weniger breite Streuung in den Bewertungen aufweisen und damit eindeutige Schwachpunkte offenbaren: Klammert man die Fahrraddiebstähle aus, werden alle (!) Fragen zur „Sicherheit beim Radfahren“ um den Faktor 2 bis 4 öfter mit mangelhaft/ungenügend bewertet als mit sehr gut/gut. Dass man damit im Durchschnittswert nicht weiter auffällt ist einzig den vielen 3/4-Bewertungen zu verdanken – aber was bedeuten die denn? „Wie sicher fühlen Sie sich? – Mh, geht so“? Das darf nicht der Anspruch sein. Und um auch hier nochmals die Durchschnittswerte zu relativieren: Auch in Erlangen ist der Abschnitt „Sicherheit im Straßenverkehr“ kein unbeflecktes Ruhmesblatt. Zwar sind die Durchschnittswerte deutlich besser als in Augsburg, aber die 5/6-Bewertungen halten sich mit den 1/2-Noten in etwa die Waage. Natürlich ist das besser als in Augsburg, aber bei wem noch die Hälfte der Radler offenbar in Angst und Schrecken unterwegs sind, der hat auch noch eine Menge zu tun.