Winter vs. Milchberg 3:0

Nach jedem Winter ist es dasselbe: überall blühen neue Schlaglöcher, vornehmlich um Kanaldeckel oder Stellen herum, die bereits geflickt wurden. Eine Reparatur aller Stellen ist wahrscheinlich weder zeitlich noch finanziell zu bewerkstelligen und ich mag mir gar nicht vorstellen, wie deprimierend das für die zuständigen Ämter sein muss. Nichtsdestotrotz nimmt der Fahrbahnzustand an einigen wenigen Stellen derart groteske Züge an, dass ich mich schon frage, ob nicht irgendwann die Grenze zur fahrlässigen Gefährdung überschritten wird. Hallo Milchberg.

Der Milchberg ist schon seit Ewigkeiten in einem miserablen Zustand. Gut, dass Fotos einem auf die Sprünge helfen, dass miserabel auch immer noch steigerbar ist. Hier das Bild vom 2. Dezember letzten Jahres:

20 cm müssen auch mal reichen

20 cm müssen auch mal reichen

 

Bergab blieb dort ein asphaltierter Bereich von etwa 20 cm, um nassem Kopfsteinpflaser zu entgehen. Das Problem ist, dass der gesamte Milchberg gepflastert ist/war und anscheinend nur eine minimale Asphaltschicht darüber liegt. Und die verabschiedete sich nun nach dem Winter – ob durch Räumfahrzeuge oder Frostaufsprengung. Ergebnis ist noch mehr offen liegendes Pflaster, mit Quer- und Längsschwellen zum restlichen Asphalt. Starker böiger Wind wie heute ist dann eine echte Herausforderung.

Wer auch immer hier zuständig ist – die Stadwerke (wegen der Gleise vielleicht?) oder die Stadt oder beide oder meinetwegen auch der Weihnachtsmann: Könnten wir das hier bitte einmal von Grund auf erneuert bekommen? Und nein, ich will nicht zu hören bekommen, man müsse abwarten, ob die Gleise noch gebraucht werden könnten, weil vielleicht irgendwann mal irgendwer aus irgendwelchen Gründen eine reguläre Straßenbahnlinie hier entlang führen möchte. Das ist nicht gegen das unterste Minimum an Verkehrssicherheit aufzuwiegen.

Ab heute wird zurückgezahlt!

Ich gebe zu, das erfreute mich heute Vormittag sehr viel mehr als es wahrscheinlich sollte: Die Polizei lässt der Ankündigung, Radwegparker verstärkt zu kontrollieren, offensichtlich Taten folgen. Zweimal sei der Lieferant hier schon belehrt worden. Heute kostet die Uneinsichtigkeit wohl.

Grün markiert habe ich übrigens die völlig legale Haltemöglichkeit ein paar Schritte weiter (Platz für ca. 3 PKW). Da ist ein eingeschränktes Halteverbot. Wenn die Plätze also belegt sein sollten, wenn der Lieferant ankommt, sollte er ja theoretisch nicht mehr als drei Minuten warten müssen und könnte sich dann dort hinstellen. Solange er seine Ladetätigkeit ohne Raucherpause vollbringt, darf er dazu dann so lange brauchen, wie er eben braucht. Und ob er die Getränkekisten nun 5 oder 25 Meter schiebt sollte doch auch egal sein? Aber anscheinend sind 15 (?) Euro zu bezahlen bequemer. Oder er glaubte bis heute nicht, dass er tatsächlich mal zur Kasse gebeten würde?

Danke, liebe Polizei.

Ach, REWE.

Komm, lass uns beide einmal scharf nachdenken, ob du hier nicht für deine mit dem Rad reisenden Kunden etwas optimieren könntest. Denn ja, was du hier siehst, ist der einzige Zugang in das Eck, in dem sagenhafte fünf Stellplätze eingekerkert sind (von denen zwei unbenutzbar sind). Nur falls in Zukunft mal die Frage aufkommt, warum du von steigenden Radfahrerzahlen in der Stadt nichts abbekommst.

„Von der Bedeutung des Autos in der Fahrradstadt“ – oh weia.

Es geht um diesen Artikel in der AZ, in Bezugnahme auf diesen Artikel zum Umzug eines Radhändlers aus der Innenstadt in ein weiter außerhalb liegendes Gewerbegebiet.

Nun weiß ich ja nicht, ob die mangelnden Autoparkplätze tatsächlich der ausschlaggebende Grund für den Umzug des angesprochenen Radhändlers waren. Wenn es so war und die Klientel dieses Händlers eben überwiegend mit dem Auto anreist – dann ist es eine rationale Entscheidung. Nun hat der Mangel an Parkplätzen nur nicht explizit mit der Innenstadt zu tun (ich habe da schon Parkplätze entdeckt), noch muss (oder sollte) man an einem Einzelbeispiel gleich drohend mit „Die Bedeutung des Autos in der Fahrradstadt“ wedeln.

Ob dieser hanebüchene Zusammenhang von den IHK-Vertretern oder der AZ hergestellt wurde sei einmal dahingestellt. Es gehört wenig Interpretation dazu, hier Parkplätze und die Fahrradstadt gegeneinander positioniert zu sehen, was auf unzähligen Ebenen unsinnig ist. Jedoch kommen die Damen und Herren Wirtschaftsvertreter zu dem Schluss, „[…] Man dürfe Autofahrer nicht benachteiligen“. Und dann geht mir schon langsam der Hut hoch.

Erstens: Die Fahrradstadt, der böse Gegenpart, ist noch gar nicht da. Es ist noch nicht einmal besonders viel dafür getan worden und das, was getan wurde, hat „den Autofahrer“ sicher nicht benachteiligt (obwohl, es sei nicht verschwiegen, dass in der Jakoberstraße ein GANZER Parkplatz einer weniger lebensgefährlichen Radwegführung zum Opfer fiel – eine Schweigeminute bitte). Oder sollen wir einmal die diversen Radstreifenparker fragen, ob sie sich von den praktischen neu aufgemalten weißen Streifen benachteiligt fühlen, auf denen sie seit neuestem parken können? Oh, entschuldigung, das war polemisch. Etwa so polemisch, wie schon im Vorfeld der Anstrengung, welche das Projekt Fahrradstadt darstellt, die Schützengräben auszuheben und sich mit den immer gleichen Parolen in Stellung zu bringen, bevor überhaupt etwas passiert oder auch nur beschlossen ist.

Zweitens: Warum scheinen sich denn die Wirtschaftsvertreter stets als Autofahrerlobby zu verstehen? Die Wirtschaftsvertreter, insbesondere im Sinne der Innenstadthändler, sollten sich generell um das Wohl der Innenstadthändler sorgen, und das kann unmöglich in einem solch hohen Maße vom Auto und dem zugehörigen Parkplatz abhängen. Gefühlt beklagt sich „der Einzelhandel“ seit Jahrzehnten, dass alles schlecht ist/wird. Ist denn aber derselbe Zeitraum vornehmlich dadurch gekennzeichnet, dass massiv Parkplätze gestrichen und der Autoverkehr zurückgedrängt wurde? Wenn dies aber nicht der Fall ist, warum dann die immer gleiche Leier vom um Gottes Willen nicht „zu benachteiligenden“ Autofahrer? Warum auf einem Status Quo beharren, der so offensichtlich von Jahr zu Jahr (im Großen und Ganzen) weniger gut funktioniert? Wäre der naheliegende Schluss nicht, dass ganz andere Faktoren eine Rolle in der sinkenden Attraktivität der Innenstadt spielen? Und wäre es dann nicht Aufgabe eben jener Wirtschaftsvertreter, diese Faktoren zu identifizieren und Rahmenbedingungen für veränderte Modelle zu unterstützen statt immerfort breite Straßen, mehr Parkplätze und Semmeltasten (kostenfrei 30 Minuten parken) zu fordern, ungeachtet der Tatsache, dass der Platz nun einmal endlich ist und immer kürzeres Parken zu immer weniger Einkaufszeit und immer mehr (im Sinne des Einzelhandels ebenso wie im Sinne der allgemeinen Aufenthaltsqualität) sinnbefreitem An- und Abreiseverkehr führt?

Ich für meinen Teil bin ein sehr schlechter Innenstadt-Kunde. Zum einen bin ich einer der „den Klick nicht in der Stadt lässt“ und lieber bei Amazon und Co. konsumiert, weil ich die Dinge, die ich vornehmlich konsumiere, dort besser bekomme. Zum anderen ist mir zwar das „Genuss-Shopping“ durchaus nicht fremd. Spätestens seit ich einen Radanhänger mein Eigen nenne, mache ich gerne einen ausladenden Wochenendeinkauf, für den ich gerne nicht einfach nur zum nächstgelegenen Supermarkt fahre. Aber in die Innenstadt? Nein. Dagegen spricht das holprige Pflaster, die unterirdischen Zustände der Fahrbahn etwa am Milchberg oder der Bäckergasse, das Vorhandensein von Autoverkehr in den engen Altstadtgassen, die nicht vorhandenen Abstellmöglichkeiten in weiten Teilen der Innen- und Altstadt, der überbordende Autoverkehr im direkten Umfeld der zentralsten Stadtpunkte. Die meisten dieser Punkte könnte man beheben – und wird man im Rahmen der Fahrradstadt 2020 hoffentlich auch beheben – ohne „den Autofahrer“ auch nur im Mindesten zu tangieren. Bei manchen Punkten, eben was die Verkehrsbelastung angeht, wird man den Autoverkehr aber tatsächlich beschneiden müssen. Ist das die befürchtete Benachteiligung? Kann man überhaupt etwas benachteiligen, das im Status Quo überproportional bevorteilt ist? Selbst wenn im Modalsplit das Auto den größten Anteil hat, so nimmt der Autoverkehr weit mehr Fläche ein, als ihm danach „zusteht“. Zugleich sitzt im Schnitt in jedem Auto kaum mehr als eine Person – wie auf jedem Fahrrad auch. Und von Bussen und Straßenbahnen will ich gar nicht reden. Und was ist jetzt für den Wirtschaftsvertreter so schlimm daran, wenn der eine mit dem Auto durch einen mit dem Fahrrad ersetzt wird? Oder durch 10 aus der Straßenbahn? Sollte ein Wirtschaftsvertreter, der für „den Innenstadthändler“ spricht, nicht in erster Linie daran interessiert sein, den Anreiz zu setzen, überhaupt in die Innenstadt zu kommen und sich erst nachrangig dafür interessieren, mit welchem Verkehrsmittel dies geschieht? Ist nicht der Umbau des Königsplatzes ein gelungenes Beispiel dafür, dass eine vermeintliche Benachteiligung des Autoverkehrs durch die gewonnenen Vorteile für Fußgänger und die damit verbundene erhöhte Aufenthaltsqualität mehr als wett gemacht wird (so die Benachteiligung überhaupt eine ist)? Nicht von ungefähr setzt die neue Innenstadtkampagne doch u.a. auf das Flair des neuen Kö.

Diese alberne Trennung in Autofahrer, die Kunden sind, und Radfahrer (und alle anderen), die dies anscheinend nicht sind, muss ein Ende haben. Weil es völliger Quatsch ist. Weil man das Wohl und Wehe einer Innenstadt nicht davon abhängig machen darf, mit welchem Verkehrsmittel Menschen derzeit in die Innenstadt gelangen. Sondern davon, warum und ob sie dorthin gehen. Und eine gewagte Vermutung: niemand fährt in die Stadt, um dort zu parken.

Wunder gibt es immer wieder *träller*

Nach etwa einem halben Jahr ist in der Halderstraße erstmals der Rad- und Fußweg provisorisch beschildert. Nichts mehr zu sehen von unentschlossen in der Gegend stehenden eingeschränkten Halteverboten, einfach nur eine Ausschilderung als Rad- und Fußweg.

What. Took. You. So fucking long? (Sollte etwa die Ankündigung der Polizei, verstärkt gegen Radwegparker vorzugehen, der Beschilderung den letzten nötigen Schubs gegeben haben?)

Theorie und Praxis

Die Halderstraße gibt RadfahrerInnen schon seit Monaten das ein oder andere Rätsel auf. Offensichtlich, ausgehend von schon vorhandenen Straßenmalereien, wurde hier ein Zweirichtungsradweg angelegt. Beschildert ist er bis heute nicht, wodurch er einfach nur nach Radweg aussieht, aber keiner ist (zumindest kein benutzungspflichtiger). De facto ist der Möchtegern-Radweg sowieso seit seiner Fertigstellung als Lieferzone in Gebrauch, kann man doch auf dem zusätzlichen Raum, der durch den Radweg geschaffen wurde, so viel besser und ungestörter vom Fahrbahnverkehr halten und parken. Gut, dass man auf Radwegen, ob beschildert oder nicht, grundsätzlich nicht parken/halten darf, das ist anscheinend nur für die unverbesserlichen Gutmenschen unter uns ein Grund. Vom Parken auf Fußwegen ganz zu schweigen.

Zarte Beschilderungsversuche gab es trotzdem seit Anfang des Jahres, nun steht zu Beginn des am meisten durch Zulieferer benutzten Abschnitt das abgebildete eingeschränkte Halteverbot. Dieses sagt uns:

Wer ein Fahrzeug führt, darf nicht länger als drei Minuten auf der Fahrbahn halten, ausgenommen zum Ein- oder Aussteigen oder zum Be- oder Entladen. Ladegeschäfte müssen ohne Verzögerung durchgeführt werden.

Auf der Fahrbahn. Das ist der Ort, an dem in der Halderstraße nun wirklich gar niemand parkt – das trauen sich aufgrund der Straßenbahntrasse nicht einmal UPS und Co. Warum man überhaupt auf der Fahrbahn halten und damit zwangsweise die Straßenbahn blockieren dürfen sollte, sei einmal dahingestellt. Das Schild steht aber meterweit von der Fahrbahn entfernt und zeigt dadurch vielmehr auf den Radweg. Da kann ein Zusatzschild, welches das Halteverbot auf den Seitenstreifen ausweitet (wobei man dann noch darüber streiten könnte, ob ein Hochboard ein Seitenstreifen ist; wahrscheinlich eher nicht, aber ach …) noch so sehr fehlen – sehr wahrscheinlich wird das Schild genau so interpretiert: Auf diesem Radweg darf man eingeschränkt halten. Ob die Stadt das vielleicht auch ganz genau so verstanden wissen wollte oder nicht, spielt da kaum noch eine Rolle. Mit diesem Schild wird der Radweg auf alle Fälle noch mehr zur legitimierten Lieferzone als ohne dieses Schild. Denn genau danach sieht es aus: nach einer Erlaubnis zum Be- und Entladen. Ob das Schild rechtlich etwas anderes sagt oder die Rechtslage generell dem Parken/Halten widerspricht, interessiert, mit Verlaub, keine Sau.

Dieser Radweg ist tot. Dass er nie hätte gebaut werden sollen, hilft dem Radverkehr leider nichts. Der fährt jetzt entweder Slalom, oder auf der Fahrbahn, die durch den versaubeutelten Radwegsversuch enger ist als vor dem Umbau. Well played.

Stolperschwellen für alle!

Auch wenn das möglicherweise eine Straße auf Privatgrund ist (die Straße hat zumindest keinen Namen), so könnte man vielleicht trotzdem nochmal überdenken, wen man hier ausbremsen will und muss.

Lieber Geisterradler züchten als Wege optimieren

Die Neuburger Straße ist ja für so manchen Beitrag gut, aber dieses Teilstück hier verdient einen Ehrenplatz in der Kategorie „Wo kommen nur all die Geisterradler her“. Für ein kurzes Stück ist der Radweg an der Neuburger Straße stadtauswärts auch in der Gegenrichtung freigegeben – ohne dass das dem „Richtig“radler freilich angezeigt würde, sieht man von einer Straßenmalerei ab, die für sich genommen schon eine Frechheit ist, da die Furt hier einfach breiter gemalt wurde als der anschließende Radweg tatsächlich ist. Als wäre zumindest dem Straßenmaler das klitzekleine Manko aufgefallen, dass der Radweg für eine beiderseitige Befahrung viel zu schmal ist.

Warum also wird der Radverkehr dann trotz offensichtlicher Gefährdung, Rechtswidrigkeit und dem Vorhandensein eines Radwegs auf der rechten Straßenseite so geführt? Wahrscheinlich, weil man doch nur das Beste für die RadlerInnen wollte, selbstverständlich! Denn wer aus der Neuburger (stadtauswärts) wieder die Hans-Böckler stadteinwärts fahren möchte, muss auf der rechten Seite einen sehr ausladenden Bogen fahren, samt Durchquerung einer dunklen Unterführung, was durch die Geisterfahrt auf der linken Seite erspart bleibt. Gut, dass man dann auch damit rechnen muss, dass die Linksfahrer einfach gleich links bleiben und auch die Hans-Böckler-Str. auf der falschen Seite hinunter fahren, wo es nicht mehr erlaubt ist (und der Radweg auch nicht besser und breiter wird) … Da müsste man ja doch für zwei Cent nachgedacht haben.

Zwar bin ich nicht per se gegen Zweirichtungsradwege, aber sie sollten nicht nur die absolute Ausnahme bleiben sondern auch baulich entsprechend hohen Anforderungen genügen. Dieses Stück hier erfüllt gar nichts, gehört besser heute als morgen abgeschafft und auf der rechten Seite mit einem ordentlichen Angebot ersetzt werden.

Quer durch Pfersee ohne Ampeln?

Welchen Weg ich morgens ins Büro nehme, hängt von allerlei Überlegungen ab: lang oder kurz (wieviel Zeit habe ich), links- oder rechtsrum (Wertach oder Lech), welches Rad nehme ich (weil, ihr wisst, n+1 …) und wie ist denn eigentlich das Wetter. Und mal bestimmt das Wetter das Rad, die Zeit den Weg oder auch das Rad die Strecke. Einer meiner Lieblingswege führt beispielsweise an der Wertach entlang. Aber wie das mit nicht asphaltierten Strecken so ist, je schlechter das Wetter, desto bäh. Nicht dass man bäh manchmal sogar sucht, aber für den Arbeitsweg muss es bei Regen und Matsch doch besser asphaltiert sein. Was mich ein weiteres Mal zum AZ-Artikel zum neuen Radwegenetzplan bringt:

Ein anderes Projekt aus dem Bereich Freizeitverbindungen will die Stadt schon in diesem Jahr bauen. Gemeinsam mit dem Umweltreferat soll die Lücke zwischen dem Sheridan- und dem Reese-Areal (4) geschlossen werden.

Von der Bebauung im Sheridan- und Reese-Park mag man halten, was man mag, aber die Areale eröffnen die großartige Möglichkeit, in Nord-Süd-Richtung durch Pfersee zu pflügen, unbehelligt von Ampeln und Verkehr. Im Sheridan-Park geht das bereits, das Reese-Gelände ist derzeit noch eine riesige Baustelle. Aber wenn das mal fertig ist und zudem das Stück zwischen den ehemaligen Kasernen sinnvoll geschlossen wird, kann man vom Gögginger Stadtrand (Wellenburger Straße/Wasenmeisterweg) bis hoch zur Ulmer Straße asphaltiert und praktisch ohne Verkehr gelangen. Wie großartig ist das denn bitte?

Bliebe die Frage, wieso das eigentlich als Freizeitverbindung deklariert wird. Freizeit hört sich für mich nach Schönwetterradeln an, und bei schönem Wetter würde ich sicherlich den Weg direkt an der Wertach wählen. Andererseits kann es mir auch egal sein, welches Label der Weg bekommt, solange er nur existiert. Dann wäre allerdings immer noch interessant, ob die Auszeichnung als Fußweg mit lediglich „Fahrrad frei“ bestehen bleibt – bei dem geschätzt vier Meter breiten Weg durch den Sheridan-Park eh eine seltsam anmutende Wahl. Wenn man hier bewusst dem Fußgänger Vorrang geben wollte, scheint es mir doppelt seltsam, wenn man dann eine Freizeitradelstrecke hindurch führt (wobei, Hochablass …) – treffen bei schönem Wetter am Wochenende RadfahrerInnen und FußgängerInnen nicht erst recht aufeinander?

Im Westen Augsburgs eine Nord-Süd-Achse (fast) par excellence

Und der interessanteste Part könnte die angesprochene Verbindung der beiden Areale werden. Hier muss irgendwie um den Westfriedhof herum gefunden werden (ich für meinen Teil fahre derzeit im Westen vorbei) und dann vor allem die Ackermannstraße überquert werden (die im Zuge der Linie 5 irgendwann in den nächsten Jahren noch komplett umgekrempelt werden muss). In meinen kühnsten Träumen schwebt mir da ja eine Art Grünbrücke vor, etwa wie bei der Roten-Tor-Umfahrung oder der B17-Ausfahrt Leitershofer Straße – keine Ampel, kein Kreuzungsverkehr, stattdessen ein grüngesäumter Weg. Die Anwohner der jeweiligen Viertel hätten wohl nichts dagegen, die ansässigen Geschäfte erst recht nicht, da die Ackermann als „gefühlte“ Barriere für Fuß- und Radverkehr entfällt und den Einzugsbereich vergrößert. Eine banale Brücke und selbst eine Unterführung würde ich aber auch nehmen. Mal sehen, ob die Realität mehr als ein paar Wegweiser hergibt.

Halderstraße, go home, you’re drunk.

Ob beim ein oder anderen Verantwortlichen – fehlendes Gesamtbild dank Bahnhofsbaustelle hin oder her – wohl auch der Zweifel keimt, ob ein Hochboard-Radweg in der Halderstraße wirklich eine gute Idee war/ist? Allein dass er beidseitig befahrbar ausgelegt ist, hätte bei dessen Vorstellung ja schon alle geheimen Falltüren auslösen und die jeweiligen Planer im Höllenschlund verschwinden lassen sollen. Dabei ist das in der Praxis – soweit ich es bislang erlebt habe – noch der irrelevanteste Aspekt, da in die „falsche“ Richtung schlicht kein Radverkehr stattfindet. Dass der Weg hingegen seit seiner baulichen Fertigstellung im September/Oktober höchstens provisorisch, wöchentlich unterschiedlich, jedoch seither nie (!) als Radweg beschildert wurde, spielt schon eher eine Rolle. Es machte die Etablierung als Kurzpark- und Lieferzone umso einfacher. Ob sich das nun noch durch eine Beschilderung, wie sie provisorisch schon angedeutet wurde, ändern lässt – oder ob sie es überhaupt je hätte verhindern können – sei bezweifelt.

Denn mit Verlaub, was hat man denn erwartet? Man stückelt an einen breiten Gehweg einen PKW-breiten Radweg an, entlang einer Reihe von Hotels/Banken, die offensichtlich seit Jahren Kurzzeitparker anziehen und selbst keine Parkplätze oder Lieferzonen bieten. Was erwartete man? Dass sich die diversen Lieferdienste auf die Straße stellen? Wo sie, nachdem die Fahrbahn nun schmaler und die Trassenführung geändert wurde, die Straßenbahn blockieren würden? Oder dass keine Lieferungen mehr kommen würden? Keine Bankkunden? Aber nein, für die hat man ja noch einen kleinen Streifen gelassen. Denn wie man weiß, parken nur immer so viele auf einem Streifen, wie auch darauf passen, und niemals noch einer vorne und zwei hinten darüber hinaus. Nein, nie.

Dieser unselige Radweg ist dazu verdammt, auf immer und ewig ein Parkstreifen für Hotelgäste und Bankkunden, für DHL und Konsorten, für Handwerker aller Art zu sein. Keine verdammte Sau kümmert es, dass das ein Radweg ist (oder mal einer werden soll, wenn sich die Stadt einmal dazu bequemt, ein paar lausige Schilder aufzustellen – dass das Parken auf einem Fußweg genauso illegal ist, ist wahrscheinlich erst recht jedem egal). Weil es zu praktisch ist, dort zu parken. Weil da ja schon ein, zwei parken, also kann ja auch noch ein Dritter dort parken. Weil es ja nicht anders geht, *buhuuu*, wie sollte man denn auch sonst zur Bank kommen.

Wenn also ein Hochboard-Radweg absehbar nur als Parkstreifen dient, wozu dann einen anlegen? Warum nicht, wenn es denn so notwendig scheint, den Platz für einen Kurzparkstreifen bzw. eine Lieferzone nutzen, den Radverkehr auf die Fahrbahn verfrachten und das Tempo auf 30 reduzieren? Bei Tempo 30 und ausreichender Fahrbahnbreite müsste man wahrscheinlich noch nicht einmal Schutzstreifen auf die Fahrbahn pinseln. Der Verkehr aus den Ausfahrten heraus müsste nicht quer über den Radweg stehen, um Sicht auf die Fahrbahn zu erlangen. Ja, möglicherweise erfüllt eine Führung auf der Fahrbahn noch (!) nicht das gefühlte Sicherheitsbedürfnis vieler RadfahrerInnen. Aber tut dies ein vollgeparkter, in beide Richtungen befahrener Radweg?