Zur Innenstadtattraktivität

Der Augsburger Innenstadteinzelhandel beömmelt sich demnächst mit einer hippen Marketingkampagne im Bemühen um mehr Laufkundschaft, die ihm in letzter Zeit abhanden gekommen scheint. Dass man sich dabei in erster Linie auf die Kundschaft aus dem Umland stürzt (die immer seltener kommt) und als einzig greifbare Maßnahme nebst Spam Plakaten 85 neue Schilder aufstellt, die den Weg in die Innenstadt weisen, ist so vielsagend wie traurig. Schon hängt das Wohl und Wehe wieder davon ab, wie man aus Günzburg, Donauwörth, Landsberg und Aichach möglichst direkt zum Rathausplatz kommt. Dass das nur der Ort ist, an dem man die Insassen, keinesfalls aber das zugehörige Auto haben will, haben wir dabei schon wieder vergessen.

Und für die, die schon da sind? Was macht die Innenstadt für diese EinkäuferInnen? Sie möchte sie, sofern sie auf einem Fahrrad sitzen, ab neun Uhr nicht mehr in der Fußgängerzone haben. Nicht dass da schon mehr als die Bäckereien offen hätte. Aber mit Taxis und 12 Meter langen LKW hat man offensichtlich kein Problem – die dürfen noch bis 11 Uhr das Einkaufserlebnis unterstützen.

Ok, angeblich sind tatsächlich noch Abstellmöglichkeiten für Räder in der Fußgängerzone selbst geplant, so dass man das Rad direkt vor dem gewünschten Geschäft absperren kann (wenn man es dorthin geschoben hat). Eine gute Idee. Aber vielleicht könnten wir noch ein wenig weiter experimentieren. Ich wünschte, man könnte sich auf den gesunden Menschenverstand verlassen, der mit „Fahrrad frei“ verantwortungsvoll umgehen kann. Aber anscheinend hat man zuviel Angst vor „Rüpelradlern“, dass man es lieber erst gar nicht versucht. Wo man doch Menschen direkt aus 40 km entfernten Städten mit ein paar Plakaten und Verkehrsschildern anlocken kann.