Der Kreisverkehr und das Rad

Den Kreisverkehr in der Hagenmähderstraße hatte ich genau genommen schon einmal, aber heute sei er, oder genauer: seine Radverkehrsführung in ihrer vollständigen Sinnlosigkeit dargestellt. Denn der Kreisverkehr selbst ergibt sicherlich Sinn, nur bei der Radführung hat irgendwer … sagen wir einmal: zumindest nicht zu Ende gedacht.

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Wofür wollen wir öffentlichen Raum nutzen?

Ob früher alles besser war? Unwahrscheinlich, ich weiß es aber auch nicht. Aufgewachsen bin in in einem kleinerem Ort im Dunstkreis Augsburgs, in einer Spielstraße. Zugeparkte Straßen sind nichts, was Teil meiner (Kindheits-)Erinnerungen wäre. Viel mehr ungehinderte Ballspiele, aufgespannte Federballnetze (ja, quer über die Straße), kurzum: viel Platz. Mit der Erinnerung ist das natürlich so eine Sache, und in der Stadt mag es schon immer anders gewesen sein.

Fast forward ins Hier und Jetzt, in ein gewachsenes Wohngebiet in Haunstetten. Tempo 30 Zone. Jede verfügbare Baulücke wird hier derzeit gefüllt, mit einer absurden Anzahl an Wohneinheiten. Zu ebenso absurden Preisen. Gespart wird offensichtlich an Garagen. In direkter Nachbarschaft wurden auf ein Gelände, auf dem vorher nur ein Haus stand, fünf Reihenhäuser gepackt. Etwas daneben weitere sieben Einheiten. Ein paar Straßen weiter zwei Sechs(!)familienhäuser (mit ganz bestimmt weniger als 12 Garagen). Spätestens seit der Fertigstellung dieser Häuser sind freie Plätze entlang der Straße praktisch nicht mehr existent, was insbesondere abends, an Wochenenden oder um Feiertage herum spürbar wird.

Die direkten Auswirkungen davon sind, dass die ohnehin engen Straßen de facto zu Einbahnstraßen werden. Die aber leider nach wie vor in beide Richtungen befahren werden. Raum zum Ausweichen gibt es keinen mehr, es gilt eine reines „wer zuerst kommt, malt (fährt) zuerst“. Kreuzungsbereiche werden noch weniger als zuvor freigehalten, die Parkkolonne setzt sich in noch kleinere Nebenstraßen fort. Die Übersichtlichkeit bleibt zwischen Autokarossen und Thuja-Hecken auf der Strecke.

Was nun aus Sicht eines geübten Radfahrers nach einer gewissen „Lästigkeit“ klingt, erscheint in einem ganz anderen Licht, wenn man mit einem kleinen Kind unterwegs ist. Das ruhige Wohngebiet, in dem man Radfahren üben kann? In dem man es eher früher als später allein zum Bäcker, zur Schule, zur/m Freund/in fahren lassen kann? Ich durfte seinerzeit noch „bis zur großen Straße“ fahren. Die liegt heute, könnte man meinen, direkt hinterm Hoftor.

Doch selbst in Begleitung ist das Radfahren nicht einfach. Immer mehr, immer geschlossenere Parkreihen am Straßenrand bedeuten null Sicht auf das Kind auf dem Gehsteig. Ob es nun eine schlechte Idee ist, ob für Kinder überhaupt eine Gehsteigbenutzungspflicht gilt oder andersherum für Eltern das Verbot, ihre Kinder auf selbigem zu begleiten, sei nicht das Thema – es ist, wie es ist. Doch der Parkdruck macht ja auch vor Bürgersteigen nicht Halt. Kaum ergibt sich die Möglichkeit, z. B. weil der Bürgersteig etwas breiter wird, parken auch hier Autos. Und wo eines steht, reihen sich in kurzer Zeit mehrere dahinter. Und wo öfters Autos stehen, stehen nach kurzer Zeit immer welche – der Parkplatz ist etabliert. Nun gibt es aber nicht nur Autos als Hindernis, sondern wöchentlich auch noch Mülltonnen. Passanten soll es auch noch geben. Dass an jeder zweiten Kreuzung der Randstein nicht abgeflacht ist, sei gänzlich unbeachtet. Was tun? Wieder runter mit dem Kind auf die Straße? Die Straße, die so zugeparkt ist, dass jeder Gegenverkehr in ein kaum auflösbares Dilemma führt? Wo Verkehrsteilnehmer zunehmend vergessen zu haben scheinen, dass bei einem Hindernis auf ihrer Seite sie nicht Vorfahrt haben, nur weil sie das stärkere Gefährt unterm Arsch haben?

Vielleicht gibt es heute mehr Autos als früher. Vielleicht haben die Häuser zu wenige Garagen. Vielleicht sind auch einige ältere Garagen schlicht zu klein für heutige Autos. Vielleicht werden die Garagen bei den lächerlichen Grundrissen moderner Bauten auch vorrangig als Stauraum genutzt. Vielleicht ist es ein bisschen was von alledem. Aber für das Abstellen des Autos gibt es ja die Straße. Schließlich hat man ein Recht darauf, im Wohngebiet zu parken, richtig?

Freilich ist das nicht richtig, war nie richtig, wird auch nie richtig sein. Und wir müssen uns endlich die Frage stellen, ob wir unseren öffentlichen Raum für etwas so Unnützes wie ein parkendes Gefährt verschwenden wollen. Individuelle Mobilität ist eine große Errungenschaft, aber der Preis dafür wird zunehmend unbezahlbar. Das Auto, mit welchem wir uns vorrangig diese Mobilität ermöglichen, steht zu einem aberwitzigen Anteil nutzlos herum. Je mehr Menschen ein Auto besitzen, desto mehr Autos stehen herum. Auf demselben Raum. Man muss kein Mathegenie sein, um hier einen gewissen Konflikt zu erkennen.

Weder ist es normal, dass wir unsere Innenstädte nach Autos ausrichten, noch ist es normal, dass in Wohngebieten eben alles vollgeparkt ist. Wir richten unser Leben, unseren Alltag auf die Verfügbarkeit individueller Mobilität aus, bewerten deshalb alle Nebeneffekte als unumgänglich und stufen sie wichtiger ein als alles andere. Wir opfern immer mehr öffentlichen Raum und viele sind auch noch davon überzeugt, dass dies eine Unabdingbarkeit, gar ein willkommener Umstand sei. Dabei ist jede/r Einzelne von uns auch ein Anwohner, ein Fußgänger, die meisten auch Radfahrer, viele haben selbst Kinder. Wie kann man diese Bedürfnisse so nachhaltig ausklammern? Was nützt es, dass für fehlende Abstellplätze Ausgleichszahlungen in irgendeinen Topf gezahlt werden können, wenn vor der eigenen Haustür keine Straße übrig bleibt? Was nützt es, bei der Miete einer Wohnung die separate Tiefgaragenmiete einzusparen, wenn alle anderen diese schlaue Idee auch schon hatten? Was nützt es, dass praktisch alle Wohngebiete Tempo-30-Zonen sind, wenn dieses Tempo, selbst wenn es respektiert würde (Hint: wird es nicht), viel zu hoch ist? Ist der Preis des Autobesitzes also, dass der öffentliche Raum in Wohngebieten zu einem vollgestellten Parkplatz wird, in dessen Unübersichtlichkeit wir unseren Kindern Helme und Westen überstülpen, sie aber doch lieber gar nicht zu Fuß oder auf dem Rad hinaus lassen, sondern sie mit dem Auto ans Ziel bringen, wo wir dann auch noch mehr Parkplätze benötigen – und fordern?

Leider kann ich keine Lösung anbieten. Zumindest keine, die einfach umzusetzen wäre. Nur einen Anfang: Infragezustellen, wie weit es dem Auto möglich sein kann und darf, weite Teile unseres Alltags zu bestimmen.

Milchberg-Reparatur

Kein Grund, jemandem jubelnd um den Hals zu fallen, aber ein anerkennendes Kopfnicken sei hiermit überbracht. Die allerschlimmsten Stellen am Milchberg wurden vor ein paar Wochen frisch asphaltiert. Der große Wurf fehlt mir hier nach wie vor, aber vielleicht ist der auch erst möglich, wenn endlich die alberne Straßenbahntrasse durch die Maximilianstraße geklärt ist.

Wenn wir schon bei der lobenden Erwähnung überfälliger Ausbesserungsarbeiten sind: Auch in der Hochfeldstraße wurde stadtauswärts nach der Abzweigung in die Von-der-Tann-Straße das gröbste Geholper begradigt, wenngleich nur mit geringstmöglichem Aufwand. Ja, es fällt schon auf, aber entschuldigung, mehr Euphorie ist dafür nicht drin.

Vielleicht sind wir nicht reif für Abstellanlagen

Hatte ich etwa die Zeitgemäßheit der neuen Abstellmöglichkeiten am Plärrer infrage gestellt? Vielleicht überfordert uns das moderne Zeugs auch einfach. Bei „meinem“ Rewe sind seit geraumer Zeit neuere Radständer installiert, die mit einem weiter nach oben ragendem „Bügel“ den klassischen Radständer um eine brauchbare Möglichkeit, den Fahrradrahmen anzuketten, erweitern. Leider variiert die Höhe der Radhalter nicht, sodass nicht alle Plätze ohne weiteres genutzt werden können. Was verschmerzt werden könnte, wäre der Radständer nicht in erster Linie komplett falsch herum installiert! Abgesehen vom unbequemeren Einstellen des Rades zeigt der Absperrbügel nach hinten und wird dadurch vollständig nutzlos.

Noch wirrer: noch vor vier Wochen war die Anlage richtig herum aufgebaut (Bild 2). Die Ständer wurden also nachträglich umgedreht. Warum? Kundenbeschwerden, vollständiges Missverstehen des Konzepts? Wer weiß. Doch wenn man sieht, wie Kunden in dieser Abstellanlage parken (Bild 3), dann bleibt eh nur noch resigniertes Kopfschütteln.

Update: Heute stehen sie wieder richtig rum. Entweder hat mal jemand die Arbeit des Azubis überprüft oder es war noch ein Überbleibsel der Freinacht?

Neue Abstellplätze, ok, aber …

Wenn in der Stadt neue Radabstellplätze geschaffen werden, soll man nicht meckern. Wobei sich mir bei diesen Plätzen am Plärrer doch zwei Fragen aufdrängen:

1. Warum gerade hier? Wer soll hier sein Rad abstellen? Plärrer-Besucher? Ein fester Platz für ein nur zweimal jährlich stattfindendes Fest scheint etwas unwahrscheinlich, zudem wären es dann sehr wenig Stellplätze. Vielleicht für Eisstadion-Besucher? Das liegt aber 100 Meter weit auf der anderen Straßenseite, dafür hätte man die Anlage wohl anders platziert? Abgesehen davon wären es wohl auch eher etwas wenig Stellplätze. Sollen RadfahrerInnen hier vom Rad in die Tram umsteigen? Das klingt ob der kurzen Reststrecke ins Zentrum auch unwahrscheinlich. Sollen Autopendler hier ein Rad deponieren um vom Plärrer-Parkplatz aufs Rad umzusteigen? Dafür sind die Radständer zu banal, was mich zur schwerer wiegenden Frage 2 bringt:

2. Werden heute ernsthaft noch solche Radständer verbaut? Wenn man nicht gerade ein sehr langes Schloss sein Eigen nennt, bieten diese Ständer keine Möglichkeit, den Rahmen anzuketten. Da gäbe es reichlich Alternativen (vom ADFC empfohlene), die ähnlich/gleich vielen Rädern Platz und zugleich bessere Absperrmöglichkeiten bieten. Diesen spartanischen Ständern hingegen würde ich mein Rad höchstens für einen kurzen Einkauf direkt am Laden (den es hier nicht gibt) anvertrauen, nicht aber für einen stundenlangen Ausflug in die Stadt.

Jemand eine Idee/Ahnung/Info, wer diese Stellplätze für wen aufgebaut hat?

Update: Die Tram-Umsteige-Theorie wurde auf Facebook mit dem Argument untermauert, dass der Innenstadt nach dem Plärrer der Klinkerberg im Weg steht. Das ist zwar nicht wirklich ein Berg, könnte für den/die ein oder andere/n aber durchaus ein Hindernis darstellen. Ein Umstieg in die Tram würde mit den neuen Abstellplätzen natürlich leichter fallen. Auch wenn das Frage 2 weiterhin offen lässt.

Rechts abbiegen bei rot – geht doch!

Der Grünpfeil für Radfahrer ist sicherlich eine gute Idee. Das Rechtsabbiegen an roten Ampeln ist im Pariser Plan „eine der bedeutendsten Fahrradstädte der Welt zu werden“ explizit aufgeführt. Und das kann ja so einfach sein, wie die ausnahmsweise einmal sinnvolle Straßenmalerei hier zeigt. Das recht großzügige Hochboard im Kreuzungsbereich wird für eine extra Radspur verwendet, die neben der Einordnung als Linksabbieger auch das unterbrechungsfreie Rechtsabbiegen ermöglicht – sogar selbst dann noch, wenn geradeaus schon RadfahrerInnen an der roten Ampel warten.

Das mag keine große Sache sein, freut aber trotzdem. Vielleicht sogar umso mehr, weil die Maßnahme so einfach scheint, aber dennoch so selten anzutreffen ist. Bitte mehr davon!

Innenstadt, was willst du eigentlich?

Dieses abgebildete Schild ist eines von vielen, die seit Kurzem Augsburgs Einfallstraßen „schmücken“ und damit Teil der Innenstadtkampagne. Es weist den Weg ins Stadtzentrum. Ins neue Stadtzentrum. Nicht, dass dieses Zentrum jetzt woanders läge oder es bislang keine Beschilderung gegeben hätte. Aber man kann es beileibe nicht übersehen. Es ist riesig, es ist bunt, und es verspricht auch noch den „bequemen“ Weg in die Innenstadt. Da die Kampagne ja gerade jene aus dem Umland anlocken soll, die lange nicht mehr da waren, darf man annehmen, dass die so angesprochenen – Ortsunkundige – den Schildern bereitwillig folgen.

Mein Problem mit diesen Schildern – und diesem hier im Speziellen – ist: sie leiten wirklich wortwörtlich ins Zentrum. Dort stehen dann Schilder, auf denen steht: „Da bist du ja“. Schön, das Schild hat seine Schuldigkeit getan, legt die Füße hoch, macht sich ein Bier auf und schaut dem Treiben zu. Diejenigen, die den Schildern gefolgt sind – und wahrscheinlich alle anderen ignoriert haben, schließlich fahren sie dem „bequemen“ Weg nach, den die knalligen Schilder weisen – sind nun samt ihrer 12 Kubikmeter-Blechschüssel mitten im Zentrum und sollen sich nun eine andere Beschilderung suchen, die ihnen endlich einen Parkplatz weist. In der Tat finden sich Augsburgs Parkhäuser leider überwiegend sehr nah am oder eher schon im Zentrum (hier eine Übersicht). Womit ich auf das abgebildete Schild zurückkomme. Es steht auf der Amagasaki Allee, einer Ein- und Ausfallstraße aus dem/in den Augsburger Osten. Etwa einen Kilometer vor dem östlichsten Parkhaus der Stadt. Leitet das Schild dorthin? Nein. Es leitet davon weg (auf seinem Weg in die Innenstadt sogar wiederholt). Wo liegt da der Sinn?

Was sollen diese Schilder? Wie lautet die Definition von bequem? Was diese Schilder tun, ist PKW-Ströme in das Zentrum zu führen. Das ist aber nicht das Ziel der Reisenden, solange sie noch im Auto sitzen (und zudem kein Problem, das sich stellt und gelöst werden müsste). Das Ziel dieser Menschen ist ein Parkplatz. Alles andere als Wegweiser, die einem einen möglichst bequemen – lies: nahe liegenden – Parkplatz aufzeigen, sind überflüssig und kontraproduktiv. In der Tat benötigt Augsburg ein besseres Parkleitsystem, aber jenes, das es besitzt, wird von diesen sinnentleerten Schildern auch noch überstrahlt. Da nutzt auch der Hinweis nicht, man möge das Parkleitsystem beachten. Da ist ein verdammter Pfeil auf dem Schild, da steht „bequem“, es ist das größte Schild von allen – NATÜRLICH fährt man diesem Schild hinterher! Aber es führt nicht zu einem Parkplatz, sondern nur zu einem weiteren Schild, auf dem steht, man solle nach anderen Schildern Ausschau halten – denen man schon lange hätte folgen können.

Also was, liebe Innenstadt, willst du? Du willst Menschen in deinem Zentrum. Keine Autos. Autofahrer sind nicht deine Zielgruppe. Menschen sind es. Die wiederum, und da gehe ich jede Wette mit, weniger Autos im Zentrum sehr bequem finden würden.

RadfahrerInnen kann man alles zumuten

Wir können gerne über Zweirichtungsradwege diskutieren. Gerade im Innenstadtbereich, wo Radrouten viele Start- und Zielpunkte haben können und weniger über weite Entfernungen von A nach B führen, sondern von Geschäft zu Geschäft, birgt die Freiheit, Wege auch linksseitig oder Kreuzungen nach Gutdünken zu umrunden, ein enormes Komfortpotential. Das Fahrrad in seiner Zwitterrolle zwischen Fußgänger und Fahrzeug bietet einerseits die Wendigkeit und Kompaktheit, dies so zu praktizieren, andererseits aber auch die Geschwindigkeit, die gegenüber allen anderen Verkehrsteilnehmern zum Problem werden kann. Dass sowohl StVO als auch – vor allem – die praktizierte Regelauslegung und Radwegeführung in den Städten diesen Zwittercharakter eher unterstreicht als auflöst, ist auch nicht hilfreich. Fakt ist, dass die Verwaltungsvorschriften zur Straßenverkehrsordnung der linksseitigen Radwegeführung sehr hohe Hürden in den Weg stellen. Nicht nur deshalb sollte für Zweirichtungsradwege gelten: Der Weg muss baulich geeignet und deutlich markiert sein.

Im abgebildeten Beispiel, entlang der Eserwallstraße hinunter zum Roten Tor, trifft nichts davon zu. Der Weg, der auch noch für Fußgänger herhalten muss, ist zu eng, gleich an beiden Seiten mit Hindernissen versehen*, führt im 90-Grad-Winkel um eine vollständig uneinsehbare Kurve und gibt, als wäre das alles nicht genug, in keinster Weise auch nur irgendeinen Hinweis, dass einem hier ganz legal Gegenverkehr droht. (*die Absperrung links dürfte der notwendige, wenn auch kümmerliche Versuch der Einhaltung eines Sicherheitsabstandes zur Fahrbahn sein)

Wer nun einwendet, dass man „eben so vorsichtig fahren müsse, damit nichts passiert“ hat selbstverständlich recht. Nur a) gilt das für jede beliebige Verkehrssituation, b) könnte man dann die StVO nach § 1 abschließen, c) würde es dann nie mehr Unfälle geben, d) funktioniert c ganz offensichtlich ja nicht und e) schließt das noch lange nicht aus, dass man trotzdem verlangen darf, von derartiger Infrastruktur verschont zu werden. Von den mindestens vorgeschriebenen 2,50 Metern Breite (für einen kombinierten Rad-/Fußweg) darf man hier höchstens träumen, die Beschilderung mit Zusatzzeichen 1000–31, welche den Gegenverkehr anzeigt, ist zumindest laut ERA empfohlen, wenn schon nicht per StVO vorgeschrieben. Und dass die ERA bei Zweirichtungsradwegen einen Sicherheitstrennstreifen zur Fahrbahn nahelegt, sodass den Radlern in Gegenrichtung ein halber Meter Luft bleibt, das wagt man gar nicht in Betracht zu ziehen.

Die Eserwallstraße wurde vor nicht allzu langer Zeit vollständig umgekrempelt. Und dabei war es nicht möglich, diese elendige Kurve zu entschärfen? Es war nicht möglich, für geschätzte 5 Euro wenigstens ein Zusatzschild an eine vermaledeite Stange zu schrauben, damit der mögliche Gegenverkehr kenntlich gemacht wird? Denn es soll ja auch Menschen geben, die fremd in der Stadt sind, die diese Stelle nicht kennen. Es soll auch Kinder auf Rädern geben, die selbst wenn sie sich recken und strecken nicht über die Mauer hinweg sehen können. Es soll auch Räder mit Anhängern geben, die den Gegenverkehr, selbst wenn sie ihn sehen, nicht vorbei lassen könnten, weil der beknackte Weg nicht breit genug ist.

Könnte man bis drei zählen, gäbe es irgendwo im Stadtgebiet eine PKW-Straße mit einer derartigen Anhäufung an baulichen Regelverstößen und Empfehlungsmissachtungen, bis die Stelle geändert würde?

Geradeaus. Sehr schwierig, das.

Vom Kobelweg kommend findet sich an der Kreuzung mit der Ulmer Straße etwas seltenes: Eine (full-size) Radampel mit Gelb-Licht, die *trommelwirbel* signifikant länger grün ist als ihr PKW-Pendant. Beim Linksabbiegen (Richtung Bahnhof), das wie üblich in zwei Zügen stattfindet, hilft das tatsächlich in manchen Fällen, die Wartezeit an der zweiten Ampelquerung zu reduzieren.

Leider hilft es überhaupt nicht jenen, die geradeaus in die Reinöhlstraße weiter wollen. Dieses Geradeaus nimmt nicht nur den schon üblichen Knick, sondern mündet auch noch ohne Umschweife in einem reinen Fußweg. Um weiter geradeaus zu fahren muss also auf die Fahrbahn gewechselt werden. Das wiederum geht nur direkt an der Fußgänger-/Radampel, über die man als Linksabbieger auch fahren würde – die zwangsläufig rot ist. Ob ich bei Rot vom Hochboard auf die Fahrbahn darf, wenn ich sie nicht überqueren sondern nur befahren will? Ganz ehrlich, keine Ahnung. Da aber bei rot in der Regel PKW-Verkehr herrscht (siehe Bild 2) verbietet sich das Einbiegen auf die Fahrbahn so oder so. Also hat man zwar gerade noch geradeaus eine grüne Ampel überquert, nur um an der anderen Straßenseite an einer Ampel zu stehen, die gar nicht für einen gelten sollte. Well played.

Irrwitzig daran ist vor allen Dingen, dass die Radfahrerin und der Radfahrer den Kobelweg vorher und die Reinöhlstraße nachher auf der Fahrbahn geführt werden. Erst 20 Meter vor der Kreuzung werden sie im Kobelweg überhaupt erst benutzungspflichtig auf das Hochboard gelenkt, wovon sie unmittelbar nach der Kreuzung durch die Deklaration als Fußweg wieder verjagt werden. Die Konsequenz daraus ist, dass die Geradeausfahrt völlig unnötig unterbrochen wird. Wieso, weshalb, warum? Warum denkt jemand bei der verlängerten Grünphase mit, wirft GeradeausfahrerInnen aber einen derartigen Stock zwischen die Beine?

Die Reinöhlstraße ist breit genug, um zumindest eine ordentliche Ableitung auf die Fahrbahn zu installieren, die ein unterbrechungsfreies Geradeausfahren ermöglichen würde. Man könnte auch die Radspur gleich “geradeauser” auf die Fahrbahn malen und das Hochboard auf der Gegenseite vollständig umgehen (auch wenn sich in diesem Fall die verlängerte Rad-Grünphase mit linksabbiegenden PKW in die Reinöhlstraße beißt – ein lösbarer Konflikt). Wenn man schon nicht über die Denksperre hinweg kommt, Radverkehr auch und gerade im Kreuzungsbereich auf der Fahrbahn zu führen und möglicherweise mit eigenen Grünphasen zu versehen.

Am Vogeltor

Das Vogeltor in Nord-Süd-Richtung hatte ich schon einmal hier und hier erwähnt. Aber auch in der Gegenrichtung ist es leider einen Beitrag wert. Direkt nach der Kreuzung mit der Jakoberwallstraße wird die Radspur benutzungspflichtig auf das Hochboard geleitet. Anstatt der im Bild subtil versteckten Baustellenschilder darf man sich zu vielen Zeiten gerne Fußgänger vorstellen, da der Strom von Passanten zwischen City Galerie (und dem zugehörigen Parkhaus) und der Alt-/Innenstadt zu einem großen Teil genau hier fließt und die Teilung in Rad- und Fußweg oft nur graue Theorie bleibt. Noch enger wird es nach dem Überqueren der Rechtsabbiegerspur in die Vogelmauer, da der Bereich mit abgesenktem Randstein begrenzt ist. Dass die Radwegmarkierungen im Boden widersprüchlich sind (Bild 2: halbe Spur, Bild 3: ganze Spur) passt ins vermurkste Bild. Die Sicht um das Vogeltor herum ist baulich bedingt schlecht, wegen des hohen Fußgängeraufkommens ist hier stets mit (Gegen-)Verkehr auf der Radspur zu rechnen. Kurz nach dem Tor beginnt zwar erneut ein Radstreifen auf der Fahrbahn (Oberer Graben, zufällig die Nummer 1 im Straßenranking von Things on Augsburgs Lanes), doch die Straßenquerung für Fußgänger von/zur Altstadt ist noch ein letztes Hindernis auf dem Weg.

Nun kann man gerne einwerfen, dass das Vogeltor, ähnlich wie das Jakobertor, eben ein unveränderliches bauliches Denkmal ist und man „sich doch mal arrangieren kann“. Kann man, ja, tut man auch, aber könnte man nicht auch nach besseren Lösungen suchen? Die liegen, wie ich finde, gerade hier einigermaßen offensichtlich auf der Hand.

Die vermeintlich einfachste Lösung wäre, den Radverkehr einfach gemeinsam mit den PKW auf der Fahrbahn durch das Vogeltor zu leiten. Da auch der Autoverkehr direkt nach dem Vogeltor auf die querenden Fußgänger achten muss, wäre Tempo 30 an dieser Stelle sowieso nicht verkehrt. Da das Tor zudem direkt hinter einer Kreuzung liegt, in vielen Fällen der Verkehr also gerade erst anrollt, wäre dies nicht einmal eine besondere Einschränkung. Da der Radverkehr sowohl vor als auch nach dem Vogeltor bereits auf der Fahrbahn geführt wird, wäre die Durchquerung auf der Fahrbahn nur eine konsequente Fortführung und auch für die Fußgänger auf dem Hochboard wohl angenehmer. Man könnte den Fußweg auch als „Fahrrad frei“ deklarieren, um weniger sicheren RadfahrerInnen eine Alternative zum Weg auf der Fahrbahn zu bieten.

Wenn diese Variante nicht gewollt oder aus welchen rechtlichen Gründen auch immer mal wieder vermeintlich unmöglich ist, so bliebe noch die Möglichkeit, dem Rad- und Fußverkehr um das Tor herum sehr viel mehr Platz zu geben. Wie man auf Bild 2 sieht, wurde dem kurzen Stück am Vogeltor entlang schon ein kleines bisschen (nutzloser, weil nicht mit abgesenktem Randstein versehener) Weg angestückelt. Warum nur ein bisschen? Warum nicht viel mehr? Man kann an dieser Stelle nur in die Vogelmauer einfahren, aber nicht aus ihr heraus – in diese Richtung ist es eine Sackgasse. Kann man da nicht noch weitere 5 Meter abzwacken? Das Gelände rechts des kombinierten Rad-/Fußwegs ist (imho) ein Stadtwerke-Gelände, also in städtischem Besitz. Warum Rad- und Fußweg (Bild 1) hier nicht deutlich verbreitern? Oder warum direkt an der Straße (immer noch Bild 1) den Gehweg nicht komplett streichen und zu einem reinen Radweg umdeklarieren – wenige Meter weiter parallel hierzu ist ein weiterer Fußweg (über eine Brücke) vorhanden, der sowieso schon von der Mehrheit genutzt wird.

Obwohl hier ausnahmsweise also sogar Platz im Überfluss vorhanden ist, werden FußgängerInnen und RadfahrerInnen auf weniger Raum um das Vogeltor herum geführt, als für den PKW-Verkehr im Tor zur Verfügung steht. Es ist – unnötigerweise! – die alte Leier der ungerechten Platzverteilung zugunsten des MIV.

Schilder selber basteln.

Offensichtlich leidet Augsburg unter Schilderknappheit, oder jede Baustelle muss mit verbundenen Augen aus einer großen Kisten Schilder ziehen und mit dem leben, was dabei herauskommt. Klebeband, Filzstift oder ein Laserausdruck sind auch erlaubt.

Bei der ganzen Bastelei kann man dann schon mal den Durchblick verlieren, was man wirklich aussagen wollte.