Linksseitig Radfahren

Die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) hat Ende Oktober die Ergebnisse eine Studie veröffentlicht, welche die Gefährdung des legalen linksseitigen Fahrens auf Zweirichtungsradwegen beleuchtet. Während das illegale Geisterradeln bereits durch mehrere Untersuchungen gut belegt sei, existierten für Zweirichtungsradwege in Deutschland demnach noch überhaupt keine belastbaren Zahlen. Die Untersuchung stellte legales und illegales Linksfahren explizit gegenüber und stützt sich dabei auf Aussagen der beteiligten Städte sowie Verkehrsbeobachtungen an ausgewählten Stellen (aus mir unerfindlichen Gründen ausschließlich Einmündungen und Grundstückszufahrten, jedoch keinerlei Kreuzungen).

Die Hauptergebnisse:

  • Die mittlere Unfallrate ist bei illegalem Linksfahren doppelt so hoch wie bei legalem Linksfahren auf Zweirichtungsradwegen, welche wiederum doppelt so hoch ist wie beim Rechtsfahren auf denselben Wegen.
  • Die Freigabe des Linksfahrens verdoppelt die Zahl der RadlerInnen, die links fahren.
  • Autofahrer lassen zu einem erschreckend hohen Anteil die notwendige Sorgfalt vermissen, wobei schlechte Sichtverhältnisse nicht zu vorsichtigerem, sondern noch schlechterem Verhalten führen
  • RadfahrerInnen fehlt offenbar zu großen Teilen das Problembewusstsein für die vorhandene Gefährdung

Die Folgerungen sind daher:

  • Autofahrer sollen bereits in der Fahrschule besser auf den notwendigen Blick nach links und rechts geschult werden
  • Radfahrer sollen für die Gefahren sensibilisiert werden
  • Städte sollten Radwege weiterhin nur in Ausnahmefällen für beide Richtungen freigeben
  • Die Verwaltungsvorschriften müssen präzisiert werden, insbesondere hinsichtlich der Sichtverhältnisse und zusätzlichen Markierungen

Nach dem Durchkauen der gesamten Studie bin ich nicht sicher, ob ich das Zustandekommen der Ergebnisse und der Schlussfolgerungen gänzlich nachvollziehen kann. Sie klingen mir sehr weichgewaschen, als wolle man bestätigt sehen, was man sich auch vorher schon hat denken können: Autofahrer schauen nicht, Radfahrer aber auch nicht, Ausnahmeregelung ist prima. Als Radfahrer bin ich natürlich parteiisch voreingenommen, jedoch kann man meines Erachtens das angebliche „geringe Gefahrenbewusstsein“ des Verkehrsteilnehmers, der auf legale, regelkonforme Weise eine vorfahrtberechtigte Infrastruktur nutzt nicht gleich gewichten wie die fehlende, verpflichtende Sorgfalt des anderen Verkehrsteilnehmers. Andererseits könnte ich über diese letztlich wenig zielführende Streitigkeit leichter hinwegsehen, würden die Forderungen an die Städte schärfer formuliert. Die Beobachtungen im Rahmen der Studie scheinen mir ziemlich deutlich zu belegen, dass die Mindestsicherung von Zweirichtungsradwegen gemäß VwV-StVO völlig ungenügend ist und praktisch jedwede darüber hinausgehende Maßnahme mehr Sicherheit schafft. Zusätzliche Piktogramme auf der Straße, Rotmarkierung und am besten bauliche Lösungen wie aufgepflasterte Radüberwege (so etwas).

Linksfahrender Radverkehr scheint den vorliegenden Erkenntnissen nach unvermeidbar. Den Weg einer generellen Richtungsfreigabe möchte man (aus guten wie schlechten Gründen) nicht gehen. Also muss es bei einem prinzipiellen Verbot darauf ankommen, dass die Ausnahmen davon so sicher wie möglich gestaltet werden. Sind die Vorfahrtverhältnisse und Sichtbeziehungen an solchen Stellen offensichtlich, fällt die Notwendigkeit für schwer umsetzbare Erziehungsmaßnahmen entsprechend geringer aus.