Keine 6 Meter für Tram, PKW, RadfahrerInnen und FußgängerInnen – irgendeiner ist immer der Depp.
Stadteinwärts – Na, lieber an den Fußgängern vorbei oder sich von einem Panzergefährt knapp überholen lassen?
Stadteinwärts – Make no mistake: Die Fußgänger dürfen das. Als Radfahrer hier bimmelnd Platz beanspruchen ist zumindest nicht die feine englische Art.
Die Tram will man als RadfahrerIn ganz sicher nicht im Kreuz haben.
Stadtauswärts – Der Ableitung auf die Straße steht der Ampelpfosten im Weg. Dadurch sticht ein Radfahrer von weit rechts "überraschend" in die enge Straße.
Stadtauswärts – Am Ausgang der Unterführung wartet eine aberwitzig enge Ableitung, welche direkt in den nach rechts ziehenden Verkehr zielt.
Stadtauswärts – Eine Tram ist hier sogar hilfreich, da sie keine PKW zulässt. Der verbleibende Abstand zur Tram ist nicht üppig, aber ok – was aber jeder anders empfinden mag.

Pest oder Cholera

Wer aus den westlichen Stadtteilen Augsburgs zum Bahnhof will, nutzt sehr wahrscheinlich die Pferseer Unterführung – ganz egal ob per PKW, Tram, zu Fuß oder mit dem Rad. Dass es jenseits der Unterführung, am Zugang zu den Gleisen Radabstellanlagen gebrauchen könnte, hat mittlerweile sogar die Stadt eingesehen und will deshalb lobenswerterweise genau dort ein neues Fahrradparkhaus einrichten. Was jedoch nichts daran ändert, wie man dorthin gelangt: durch die Pferseer Unterführung. Und die ist, gelinde gesagt, suboptimal.

Die „Angströhre“ hat man längst dadurch entschärft, indem man die Trennmauer zwischen Fahrbahn und Fußweg entfernte. Für die Menge an (unterschiedlichem) Verkehr bleibt sie dennoch völlig unzureichend. Der Fußweg misst 2,50 Meter, die Fahrspur 3,10 Meter. Ein hübsches Verhältnis eigentlich, aber hätte man je ein Fallbeispiel gebraucht, um zu demonstrieren, wie sehr das Fahrrad zwischen allen Stühlen sitzt – die Pferseer Unterführung ist dieses Beispiel.

Auch wenn stadteinwärts eine Aufleitung auf das Hochbord die Benutzung des Fußwegs suggeriert, RadfahrerInnen sind nicht verpflichtet, diesen zu nutzen. Es ist lediglich ein „Fahrrad frei“ Fußweg. Aufgrund der zentralen Lage mit dem Bahnhof am anderen Ende herrscht hier zu allen Zeiten einigermaßen reger Fußverkehr. Die 2,5 Meter sind keinesfalls überdimensioniert und entsprechen auch den EFA (Empfehlungen für Fußverkehrsanlagen; wenngleich inkl. Sicherheitsabstand zum fließenden Verkehr). Nebeneinander laufende Gruppen, Fußgänger in beide Richtungen, Kinderwagen, mit Einkäufen beladene Menschen – alles völlig normal. Die durch „Fahrrad frei“ auferlegten Beschränkungen für RadfahrerInnen sind hier nicht theoretischer Natur, sie bremsen – rücksichtsvolles Verhalten vorausgesetzt – RadfahrerInnen tagtäglich und zu beliebiger Uhrzeit regelmäßig aus. Dazu gesellen sich die ebenso regelmäßig anzutreffenden Geisterradler.

Also doch auf die Fahrbahn, wo das Rad sowieso vorrangig hingehört, wenn kein expliziter Radweg vorhanden ist? Eine Verkehrszählung würde wohl nicht nur aufgrund der baulichen Suggestion (stadteinwärts zumindest) ergeben, dass die deutliche Mehrheit die Fahrbahn meidet. 1,2 Meter bleiben zwischen Randstein und Tramgleis. Das ist immerhin sehr viel mehr als an den Haltestellen im Verlauf der Augsburger Straße, nützt aber spätestens dann nicht mehr viel, wenn ein PKW auf der nur 3,1 Meter breiten Fahrspur versucht, zu überholen, ohne auf die Gegenspur auszuweichen. Oder einem gar eine Straßenbahn im Nacken sitzt. Die allermeisten RadfahrerInnen weichen hier schon allein aufgrund der unangenehmen Vorstellung auf den Gehweg aus. Wer dennoch auf der Fahrbahn bleibt, sieht sich einer immensen Intoleranz gegen die Fahrbahnnutzung ausgesetzt. Wie an kaum einem anderen Ort wird man hier als RadfahrerIn auf der Fahrbahn angefeindet. Nicht von ungefähr kam es zu dieser wundervollen Aktion.

So sehr ich applaudiere, so sehr glaube ich auch, dass Fahrbahnradeln gerade hier die Wahl einer absoluten Minderheit bleibt. Dass auch dieser der nötige Respekt entgegengebracht werden muss versteht sich völlig von selbst und alles, was den teils komplett durchgebrannten Verkehrsteilnehmern diesen eintrichtert, soll mir mehr als recht sein. Aber letztlich bleibt die Wahl zwischen Pest und Cholera. Entweder im Schritttempo auf dem Gehweg oder als gehasstes Hindernis auf der Fahrbahn.

So what, shit happens? Es gibt kein Recht auf immerwährend freie Fahrt und wenn man mal hundert Meter langsam tun muss bringt einen das schon nicht um? Das ist eine billige Flucht vor einer möglicherweise unbequemen Lösung und eine Argumentationslinie, mit der sich jede Veränderung stets als unnötig abtun ließe. Die A8 ist dauerbestaut? Dann fahrt halt früher los. Am Kö können nicht so viele Straßenbahnen fahren wie wir wollen? Na dann fahren wir halt nicht im 5-Minuten-Takt. Die Ampeln auf der B17 stör(t)en den Verkehrsfluss? Ach komm, waren doch nur zwei. Die Pferseer Unterführung ist zu eng und müsste breiter werden? Ach was, die Radler können ruhig mal schieben.

Augsburg hat zugunsten des ÖPNV und mehr Aufenthaltsqualität am Kö eine viel befahrene Verkehrsader umgeleitet. Man kam auf die ernstlich verrückte Idee, eine Straßenbahnlinie unter dem Bahnhof hindurchzugraben, um ÖPNV und Regionalverkehr besser zu verbinden. Warum wäre es verrückt, eine Verbreiterung der Pferseer Unterführung zu fordern, und zwar ausschließlich um den Komfort für Fußgänger und Radfahrer zu erhöhen? Weil es eben „nur“ Fußgänger und Radfahrer sind?

Augsburgs Mobilität wird in Zukunft noch vielfältiger. Die Anforderungen an die Mobilität der Zukunft steigen rasant. Wir halten mit ihnen Schritt. Augsburg bereitet sich aktuell auf den zunehmenden Bedarf der Menschen nach Mobilität vor: intelligent und vernetzt, umweltfreundlich und barrierefrei.

Ist die Welt nicht schön, wenn sie erst einmal durch die PR-Abteilung durch ist? Vielfältige Mobilität, bessere Vernetzung, zusätzlicher Zugang für Fußgänger – und ja sogar ein Fahrradparkhaus. Tatsächlich könnte der Bahnhofsumbau zu einer Verbesserung für Fußgänger führen, da vom „Portal West“ aus ein direkter, großzügiger Zugang zum Bahnhof geplant ist. Warum man da nicht auch an eine Trasse für Radfahrer gedacht hat (sie wird zumindest nirgends erwähnt) ist mir schleierhaft. Vielleicht verlagert sich dadurch aber wenigstens der Fußverkehr aus der Pferseer Unterführung heraus? Aus Radfahrersicht wäre damit schon viel gewonnen. Blieben die stadtauswärts mehr als schlecht gestalteten Ableitungen auf die Fahrbahn. Vor dem Tunnel steht einer für Autofahrer vorhersehbaren Fahrtlinie ein Ampelpfosten im Weg, in der Tunnelausfahrt führt die viel zu enge Ableitung direkt in den nach rechts drängenden PKW-Verkehr. Und all das bei leicht abfallendem Gelände und entsprechend höheren Geschwindigkeiten. Aber auch hier ließe sich vielleicht durch eine Verlegung der Straßenbahnhaltestelle auf die andere Seite der Kreuzung (Richtung stadtauswärts, wo die Hatestelle in Gegenrichtung eh schon liegt) der nötige Platz gewinnen? Nachdem man das aber schon seit Ewigkeiten hätte tun können, spricht sicher wieder irgendwas dagegen. Vielleicht kostet es einen Parkplatz. Da tut der Radfahrer doch lieber ein bisschen langsam.

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This article has 2 comments

  1. Peter Viehrig

    Es mag an der neuen WP-Version liegen oder woran auch immer – jedenfalls bette ich bei mir händisch ein, damit es auf jeden Fall gelingt:

    http://viehrig.net/wp-content/uploads/SonstigeBilder/pest-oder-cholera.png

    Auf ruf mit Firefox unter Windows, mit dem Internet Explorer dann verifiziert. Nochmal drübergehen bitte. 🙂

    • flo

      Ja, hab ich auch gesehen, dass der Umfluss nicht korrekt ist. Ich arbeite dran 😉

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