„Lückenlos auf eigenem Radweg befahrbar“ – remember?

Bitte nicht falsch verstehen: Dies soll keine Überdramatisierung sein – ganz im Gegenteil (sonst filme ich das bei mehr Verkehr nochmal). Es ist gerade der graue Alltag, die Nicht-Besonderheit dieser kurzen Szene – die sich in der Summe mit zahllosen solchen Begebenheiten zu einem Mosaik formt, das dokumentiert, wieviel ein 0815-Radweg bzw. ein Radstreifen an Parkplätzen und/oder Bushaltestellen vorbei zu leisten imstande ist: wenig. Noch weniger, wenn man sich davon einen Anreiz für Noch-Nicht-RadlerInnen erhofft.

Die einfache Formel „Ein Radstreifen ist immer noch besser als gar kein Radstreifen“ braucht nicht durch dramatische Einzelfälle widerlegt werden. Die Summe des Alltags erledigt das viel eindrücklicher. Der Bus steht im Weg, auch wenn vorher und nachher kein Streifen auf der Straße ist. Der PKW fährt in die Parklücke, egal ob da ein Radstreifen ist oder nicht. Die FußgängerInnen stehen im Weg, weil weiße Trennlinien zu wenig Platz nicht auf magische Weise vergrößern.

Und nein, die Antwort darauf lautet nicht „Ja aber das geht doch nicht anders“. Natürlich geht das anders. Über eine echte Umverteilung des Platzes. Solange man Fuß- und Radverkehr nur als etwas betrachtet, was man am Rand des motorisierten Verkehrs noch irgendwie organisieren muss, werden wir nicht mehr bekommen als sowas hier. Dass man für eine echte Verbesserung schnell die Komfortzone verlassen muss, in der man durch einfache Markierungen den Platz, der RadfahrerInnen auf der Fahrbahn ohnehin zusteht, sozusagen dauerhaft sichtbar macht, ist klar. Dass es zähe Diskussionen darüber geben wird, wo und wie man umverteilt, auch. Aber nicht, dass es anders nicht geht.

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This article has 3 comments

  1. Björn

    Das überbewertest du.
    1. Du hättest auf die Fahrbahn ausweichen müssen, wenn Fussgänger auf dem Radweg stehen, fährst aber selber auf dem Gehweg weiter
    2. Der Bus muss nun mal da halten, wenn das eine Haltestelle ist. Dann musst du eben links vorbei.
    3. Das Auto muss nun mal zum einparken über den Radweg, wenn dieser hier so aufgeführt ist. Nach STVO eindeutig erlaubt. Er hätte dich vorher gar nicht sehen können. Es ist zu vermuten dass am Anfang des Einparkvorgangs der Radweg frei war.
    Nicht vergessen: Es gibt kein Recht darauf, dass dein Radweg/Radfahrstreifen stets absolut frei ist und du nie bremsen musst. Gewisse Verkehrseinflüsse behindern nun mal manchmal den ungehinderten Verkehrsfluss. Das passiert einem als Autofahrer ja auch ständig in der Stadt.
    Kritisch sehe ich hier eher den Radfahrstreifen in der Dooringzone der parkenden KFZ anzulegen. Dann lieber gar kein Radweg bzw ist das überhaupt einer? Ich sehe kein VZ 237 oder steht das verdeckt hinter dem Bus?

    • flo

      Ich sage doch ziemlich exakt dasselbe wie du: Der Bus gehört da hin, das Auto muss auch machen, was es da macht. Die Fußgänger gehören da zwar nicht hin (und ja, genau genommen muss ich absteigen – auf die Fahrbahn ausweichen bedeutet: absteigen, runter vom Hochbord, einfädeln, weiterfahren), aber sie bleiben eine Alltagserscheinung, da wir uns hier immerhin im Stadtzentrum befinden. Ergo: Die zur Verfügung stehende Radinfrastruktur ist hier durch _alltägliche_ Situationen und per Design regelmäßig so unbrauchbar, dass die simple Formel „besser ein Radstreifen als gar keiner“ nicht zu halten ist. Selbstverständlich gibt es kein Recht darauf, allzeit freie Fahrt zu haben. Jedoch habe ich auf dieser Strecke praktisch nie freie Fahrt, weil immer entweder ein Bus (der unterbricht den Radweg, das Schild ist im Video vom Bus verdeckt), ein Falsch- oder Einparker oder diverse Fußgänger im Weg stehen. Gewisse Behinderungen muss man hinnehmen (ich fahre hier beispielsweise regelmäßig hinter langsameren RadfahrerInnen, die nicht überholt werden können), aber ab einem Schwellenwert wird aus Behinderungen ein systembedingtes Versagen, und dann muss man sich fragen, woran das liegt. Hier liegt es am fehlenden Mut, etwa Parkplätze zu streichen (dann fielen die illegalen Falschparker und die legalen Einparker weg) oder auf eine 4-Spurigkeit mitten im Stadtzentrum zu verzichten (was den nötigen Platz schaffen würde, um die Konflikte mit Fußverkehr und ÖPNV zu vermeiden). Im Stadtzentrum Fuß- und Radverkehr auf 2,5m Hochbord vereinen zu wollen ist einfach idiotisch und Minimalmaß-Streifen entlang 4-spuriger Straßen und Längsparkreihen werden nie besser funktionieren als hier zu sehen – und zwar schon dann nicht, wenn alle regelkonform handeln.

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