Fahrbahnradeln – oder doch nicht?

Was die Radverkehrsführung angeht haben wir den großen Streit zwischen auf der Fahrbahn und auf separierten Radwegen. Während das eine wichtige Diskussion ist, blüht draußen auf den Straßen munter die Realität vor sich hin, die sich nicht durch entweder-oder auszeichnet, sondern durch weder-noch. Weder separieren wir sinnvoll, noch integrieren wir konsequent.

Die Friedberger Straße stadtauswärts ist ein Beispiel für letzteres. Entlang der Linie 6 wurde im Zuge des nötigen Umbaus eine Radspur auf die Straße gelegt. Ignorieren wir einmal kurz, dass sie heutigen Vorgaben nicht entspricht und zu schmal ist – sie wird just vor der Kreuzung mit der Münchener Straße aufgegeben, um einen Bogen um eine Bushaltestelle zu machen und direkt an der Kreuzung wieder an die Straße zu führen. Womit für den rechtsabbiegenden KfZ-Verkehr die gesamte Phase des Erkennens und Entscheidens vernichtet wird. Der Radverkehr, der zuvor ständig direkt auf der Fahrbahn geführt wurde, wird auf einmal aus dem Blickfeld geleitet, nur um direkt in der Kreuzung wieder aufzutauchen? Wie soll der Blickkontakt aufgebaut werden? Wie soll abgeschätzt werden, ob man noch vor dem Radfahrer abbiegen kann oder man besser wartet? All dies würde geschehen, wenn 30-50 Meter vor der Kreuzung eine ununterbrochene Sichtbeziehung bestünde. Aber nein, man pflanzt die Bushaltestelle so eng vor die Kreuzung, dass für all diese Entscheidungen noch exakt ein halber Meter Raum bleibt.

Ich kann mir schon denken, was man vermeiden wollte: Dass ein- und ausfahrende (Schul-)Busse die Radspur queren müssen. An sich vielleicht auch gar nicht mal dumm. Zwar ist die Radspur wahrscheinlich früh morgens und mittags kurzzeitig von Fahrgästen bevölkert, doch das wären nur begrenzte Behinderungen im Gegensatz zum potenziellen Konflikt Bus versus Radfahrer. Doch warum setzt man dann die Haltestelle nicht weiter von der Kreuzung entfernt, sodass die Radspur nicht ausgerechnet direkt und in einem von keinem Rückspiegel zu erfassenden Winkel in die Kreuzung mündet? Da müssen doch in der Planung irgendwelche Warnsignale angehen? Es macht mich schier irre, wie man so zielsicher den potenziellen Vorteil einer Fahrbahnführung torpedieren kann.