Deppen samma scho.

Es ist anscheinend Sommer(loch), die Radartikel häufen sich. Diesmal schreibt Matthias Breitinger über seinen Arbeitsweg in der Zeit

Verursacher der Beinahe-Kollisionen sind dabei oft weniger Autos als andere Radfahrer. Manche von ihnen missachten alle Verkehrsregeln, während sie ihrem Ziel entgegenrasen.

Leider kann ich dem Autor großteils zustimmen. Nicht unbedingt dahingehend, dass ich mit RadlerInnen größere Probleme hätte als mit KfZlern und glücklicherweise auch nicht, dass ich reihenweise Beinahe-Unfälle mit ihnen habe. Mit dem motorisierten Verkehr habe ich schon noch das größere Konfliktpotenzial. Aber dass die Verkehrsregeln doch sehr stark gebeugt werden, um es einmal so zu nennen, das schon.

In den allermeisten Fällen, die ich beobachte, würde ich das Resultat dann allerdings nicht unbedingt „Radrowdy“ nennen. Da sind schon viele Gehweg-, LinksradlerInnen und Kreuzungsabkürzer dabei, die dabei aber zumeist so langsam unterwegs sind, dass sie höchstens Hindernis statt Gefährdung sind. Es sind jene, die sich eher wie Fußgänger verhalten und scheinbar glauben, dass andere sie auch als solche sehen. Dieser Trugschluss kann jedoch schnell zur Gefährdung werden (wenn man Radfahrerreaktionen erwartet bzw. die Zögerlichkeit keine klare Absicht erkennen lässt).

Ein anderer Teil der Verstöße passiert eher aus der „Bequemlichkeit“ heraus – oder umgekehrt formuliert aus der Umgehung der Unbequemlichkeit, welche einem durch die angedachte Radverkehrsführung gerne auferlegt wird. Wie der Autor schreibt:

Vor einiger Zeit sagten mir zwei Kampfradler in einem Interview, die einseitig auf Autos ausgerichtete Verkehrspolitik zwinge sie immer wieder dazu, Verkehrsregeln zu missachten. Denn in bestimmten Situationen sei es unmöglich, sich an diese zu halten. Rechtmäßig ist das nicht, aber zumindest nachvollziehbar.

Das „Zwangs“argument ist stets dünnes Eis, aber eben nachvollziehbar (jedoch nicht auf Radfahrer beschränkt). Die Unterscheidung, wann man haufenweises Missachten von Regeln als Symptom werten muss, dass mit den Regeln etwas nicht stimmt, und wann es nur Zeichen einer zunehmenden Regelmissachtung ist (etwa weil keine Durchsetzung der Regeln existiert *hust*Parkverbote*husthust*), ist ein spannendes Feld.

Und dann gesellen sich jedoch auch – und da kann ich dem Autor wieder voll zustimmen – jene dazu, die zu wenig schauen, was hinter ihnen passiert. Aber auch das sind – nach meinen Beobachtungen – beileibe nicht nur jene, denen man das „Radrowdy“-Etikett an die Stirn pappen würde. Oft sind das auch ältere Menschen, die in einer Seelenruhe ohne Umzusehen vom Gehweg auf die Fahrbahn wechseln und diese überqueren, als seien sie alleine auf dem Planeten. Rowdys in disguise sozusagen.