Quo vadis, Fahrradstadt 2020?

Quo vadis, Fahrradstadt 2020? Vor knapp einem Jahr habe ich das schon einmal gefragt. Und wenn ich es mir heute nochmals durchlese, bin ich versucht, einfach nur das Veröffentlichungsdatum zu aktualisieren. Was ist im letzten Jahr passiert? Wenn ich nun „Nichts“ sage, wäre das eine tiefgreifende Beleidigung der Arbeit vieler Personen in der Stadtverwaltung, was ganz und gar nicht meine Absicht ist. Aber wenn ich aus dem Stegreif antworten müsste, mir fiele nichts Bemerkenswertes ein. Auch hier spielt die Erinnerung sicher einen Streich und blendet einfach aus, was man doch schon lange als überfällige Maßnahme angesehen hat.

Aber es bleibt eben doch der überwältigende Eindruck: Nichts. Es ist nichts passiert. Nichts von einschneidender Bedeutung. Nichts, was am Status Quo rütteln könnte. Nichts, was in der Lage scheint, dem ausgegebenen Ziel der Fahrradstadt 2020 näher zu kommen. Nicht in der öffentlichen Wahrnehmung zumindest. Ich schrieb vor einem Jahr:

Eine Aussage wie „wir bauen wenn möglich 2m breite Radwege“ ergibt in meinen Augen nur Sinn, wenn das „wenn möglich“ ehrlich definiert wird. Denn 2m breite Radwege sind immer *möglich*, nur nicht immer *gewollt* (manchmal auch völlig zurecht). Mal ist man nicht bereit, bestehende bauliche Umstände zu ändern. Mal will man den PKW-Verkehr nicht einschränken. Beides kann aus verschiedenen Gründen völlig sinnvoll sein. Aber wo ist der Schwellenwert? Wann überwiegt der Wille zu einer idealen Radlösung die Bedürfnisse des MIV und/oder anderer Verkehrsarten – und wann nicht? Letzteres dürfte der Knackpunkt sein und die Ernsthaftigkeit der Bemühungen definieren.

Und gestern konnte man dieses in der DAZ lesen:

Auf der zurückliegenden Bauausschusssitzung am vergangen Donnerstag standen zwei Radweg-Projekte auf der Tagesordnung. Das erste Projekt betrifft die Verlängerung der Äußeren Neuburgerstraße in der Firnhaberau. Das zweite Projekt behandelt die Deutschenbauerstraße. Bei beiden Projekten sollten beidseitig Fahrradschutzstreifen eingezogen werden. Nach zäher Diskussion stimmte der Bauausschuss dem ersten Projekt zu. In Sachen Deutschenbauerstraße wurde der Verwaltungsvorschlag von der CSU und der SPD vertagt, indem er in den Umweltausschuss verwiesen wurde. […] Das Projekt wurde mit dem Hinweis vertagt, im Umweltausschuss eine Durchquerungsmöglichkeit des Westfriedhofs für Radler zu prüfen, um eine sichere Verbindung Pfersee/Sheridan/Reese/Kriegshaber schaffen zu können.

Wo liegt er also, der Schwellenwert? Wir reden hier vom Anlegen von Schutzstreifen, der jämmerlichsten aller radspezifischen Markierungen. Wir reden von zwei Straßenzügen, die im Gesamtbild irgendwo im unteren Wichtigkeitsdrittel angesiedelt sind. In der Neuburger Straße geht es, wenn ich nicht irre, um einen Abschnitt jenseits der Hans-Böckler/Mühlhauser Straße (in der Hammerschmiede, nicht wie im Artikel vermerkt der Firnhaberau). Dort ist die Neuburger noch nicht die große Einfallstraße. Ein Schutzstreifen kann dort den fließenden Verkehr kaum beeinträchtigen. Eher sind potenzielle Auswirkungen auf Parkplätze vorstellbar. „Zähe Diskussionen“ waren von Nöten. Aha. In der Deutschenbaurstr. ist die Verkehrsbelastung sicher ähnlich gering. Auch hier kann es höchstens um Parkplätze gehen. Da möchte man also Radler lieber durch einen Friedhof leiten – was man aus guten Gründen ablehnen kann und was just dieser Umweltausschuss sowieso schon ad acta gelegt hat – statt ihnen etwa 100 Meter weit einen Schutzstreifen zu gönnen? Denn wenn es um die Verbindung der Sheridan- und Reese-Kaserne geht, dann ist die Deutschenbaurstr nur bis zum Abzweig Ulrich-Schwarz-Str relevant. Dass man über ein solch kurzes Stück mit einem albernen Schutzstreifen überhaupt streiten muss, ist an Armutszeugnis nicht zu überbieten.

Ich bin es leid, der Stadt Kredit geben zu müssen für all die Arbeit, die intern verrichtet wird, um irgendwann bestimmt vielleicht einmal etwas zu Wege zu bringen. Um dann auf Nebenschauplätzen bereits „zähe Diskussionen“ und „Vertagungen zu xy“ ertragen zu müssen.

Es.

passiert.

nichts.

2011 wurde die Idee für das Projekt gefasst. 2020 wurde als Ziel gesetzt. Die Ziele sind vergleichsweise konkret (auch wenn es der Weg dorthin nicht ist). Wir schreiben das Jahr 2016. Mehr als die Hälfte der Zeit ist um.

ES.

PASSIERT.

NICHTS.

Ein paar Schutzstreifen hier, ein paar … Schutzstreifen dort. Absichtserklärungen en masse. Und dann doch wieder der alte Denk-Beton in den entscheidenden Gremien. Auf einem Niveau, auf dem wir noch gar nicht über einschneidende Veränderungen des Verkehrsgefüges reden. Sondern über größtenteils kosmetische Veränderungen als potenzielle Vorboten einer sich potenziell ändernden Auffassung von städtischem Verkehr.

Aber wo ist der Schwellenwert? Wann überwiegt der Wille zu einer idealen Radlösung die Bedürfnisse des MIV und/oder anderer Verkehrsarten – und wann nicht?

Ich sehe nicht, dass sich dieser Schwellenwert im letzten Jahr bewegt hätte.

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Video-Link: https://youtu.be/4I-6rmULVxU

Fußweg versus Fahrbahn

Die Pferseer Unterführung einmal auf dem „Fahrrad frei“ Fußweg, einmal auf der Fahrbahn. Meiner Meinung nach spricht der Vergleich selbst bei dem geringen Verkehrsaufkommen (ca. vormittags um 10, nur ein Fußgänger) ganz klar für die Benutzung der Fahrbahn. Der Fahrweg ist auf der Fahrbahn absolut eindeutig und geradlinig, während man vom Fußweg kommend nach der Kreuzung mit der Rosenaustraße zurück auf die Fahrbahn fädeln muss (im Video mit Bus im Rücken). Dass zudem die Chance recht hoch ist, dass man auf der Fahrbahn die Grünphase erwischt, während man auf dem Fußweg dann zwangsläufig rot hat und eine Ampelphase länger wartet, kommt dazu.

Ob der Umbau des Hochbords nun eine gute Sache ist wird sich zeigen. Meines Erachtens legt der Umbau nur umso deutlicher offen, dass die Fahrbahnnutzung vorzuziehen ist. Nicht, weil ich pauschal die Fahrbahnnutzung als Stein der Weisen betrachte und jeden auf die Fahrbahn scheuchen möchte, sondern weil sie mir in dieser Situation die sinnvollere Wahl hinsichtlich möglichst großer Konfliktfreiheit scheint. Wer dennoch das Hochbord nutzt, muss sich gefälligst an die StVO halten und – mindestens wenn es die Situation erfordert, was spätestens am Tunnelausgang zwingend immer der Fall ist – im Schritttempo fahren (im Video bin ich immer noch zu schnell, stand aber auf der Bremse – es sieht schneller aus als es ist, laut GPS ca. 15km/h) sowie den Fußgängern uneingeschränkt Vorrang gewähren. Meinen Erfahrungen nach wird der Fußweg jedoch wie ein gemischter Fuß-/Radweg genutzt, sprich es wird entsprechend schnell gefahren und Fußgänger werden aus dem Weg geklingelt.

Gegen die Freigabe an sich habe ich nichts. Sie hält besonders unsicheren RadfahrerInnen (oder vielleicht welchen, die mit schwerer Ladung langsam fahren wollen/müssen) die Möglichkeit offen, dort langsam zu fahren, ohne gleich schieben zu müssen (was mehr Platz verbraucht). Da wird aber nur ein Schuh daraus, wenn für die Masse an RadfahrerInnen gleichzeitig die Fahrbahnnutzung suggeriert (und gesichert, etwa durch Tempo 30, was momentan noch nicht angeordnet ist) wird. Das würde verbieten, den Fußweg schon ab der Frölichstraße unnötig freizugeben, damit RadfahrerInnen möglichst schon auf der Fahrbahn am Tunnel angelangen.

Das explizite Schild in Richtung Pfersee, dass Radfahren auf der Fahrbahn erlaubt ist, ist eine positive Veränderung – ich hätte das Schild noch gern in Gegenrichtung. Denn für die beiden Videoaufzeichnungen fuhr ich insgesamt dreimal stadteinwärts durch den Tunnel – und wurde prompt einmal von der Fahrbahn gehupt. Einsicht, dass das nicht nur erlaubt, sondern Regelfall ist? Null. Ein Stinkefinger war die Antwort. Nichtsdestotrotz ist das ein immenser Faktor für viele gegen die Fahrbahnnutzung, weil es schlicht Stress ist. So eine Hupe im Tunnel dröhnt ganz ordentlich, und manch Durchgeknallter lässt noch eine gefährdende Fahrweise folgen. Gut, das „Erlaubnis-Schild“ würden diese Experten dann wohl genauso übersehen, wie sie jetzt schon nicht in der Lage sind, einen Fußweg zu identifizieren, aber abgesehen von den Extremen würde es wohl schon eine ganze Reihe an Autofahrern eher ins Auge fallen und zu mehr Toleranz führen.

Kurzum: Wenn nicht etwas ganz arg gegen die Fahrbahnnutzung spricht, fahrt doch bitte auf der Fahrbahn. In beiden Richtungen. Und man muss da nicht mit 30+ fahren. Fahrt wie ihr fahrt. Es ist euer Recht und keine Behinderung. Aber auf dem Fußweggilt: Der Fußgänger hat immer recht. Und drei Fußgänger nebeneinander auch.

Und um Gottes Willen: hört auf, in der Unterführung in falscher Richtung auf dem Fußweg zu fahren.

Randnotiz: Den A****, der mich von der Fahrbahn haben wollte, hatte ich bis zur Kaiserhofkreuzung schon wieder überholt. Soviel zum Vorankommen mit dem PKW in der Innenstadt.

Schwellen vs. Löcher

Drüberjagen will ich sie, die Bande, den ganzen Tag lang, über diese Buckelpiste, die sich Kreuzung Wellenburger Straße/Waldmeisterweg nennt! Und dem ersten, der sagt, dass 2 oder 3 cm Höhenunterschied ok sind, dem schraub ich den Sattel ab.

*angry old man shakes his fist*

Tatsächlich macht es einen Unterschied, ob man über eine Schwelle oder in ein Loch fährt. Und die Abflussrinne wirkt hier wie ein Loch, es passt genau ein Fahrradreifen hinein. Die Schwelle von Fahrbahnbelag zu Abflussrinne würde nur einen Ruckler verursachen, man fällt aber sozusagen direkt auf die nächste Schwelle drauf, was diese zweite Schwelle wesentlich betont. Daher fühlt sich die Abflussrinne an wie ein Schlagloch und nicht einfach eine etwas grenzwertig hohe Schwelle.

Straße neu, der Rest … welcher Rest?

Die Leitershofer Straße ist schon weitgehend fertig, in Leitershofen wird bereits markiert. Nach Stadtbergen hinein gab es bislang nur auf einem kurzen Stück (und nur auf einer Seite) einen Radstreifen – dem allgemeinen Trend nach würde ich nun eher auf beiden Seiten einen Schutzstreifen erwarten (für beidseitige Radstreifen wird wohl kein Platz sein), während der Mittelstreifen entfällt. Theoretisch verengt das optisch die Straße und sorgt für geringere Geschwindigkeiten. Theoretisch.

Theoretisch hätte man natürlich auch die Chance nutzen können und nicht nur die Straße sondern auch das Hochbord sanieren können – was man natürlich nicht getan hat. So holpert man in Richtung Leitershofen immer noch auf einem Flickwerk dahin. Man hätte auch das Hochbord auf einen reinen Fußweg verengen können (2 Meter), um Platz auf der Fahrbahn zu schaffen, aber das war sicher auch zu anstrengend.

Umleitung statt Ampel

Immer noch keine Radampel für Linksabbieger in die Rosenaustraße, dafür eine Umleitungsbeschilderung: Über die Brücke, an der Kreuzung mit der Stettenstraße queren und zurück über die Brücke. Ist ja erst 2 Wochen her …