Fußweg versus Fahrbahn

Die Pferseer Unterführung einmal auf dem „Fahrrad frei“ Fußweg, einmal auf der Fahrbahn. Meiner Meinung nach spricht der Vergleich selbst bei dem geringen Verkehrsaufkommen (ca. vormittags um 10, nur ein Fußgänger) ganz klar für die Benutzung der Fahrbahn. Der Fahrweg ist auf der Fahrbahn absolut eindeutig und geradlinig, während man vom Fußweg kommend nach der Kreuzung mit der Rosenaustraße zurück auf die Fahrbahn fädeln muss (im Video mit Bus im Rücken). Dass zudem die Chance recht hoch ist, dass man auf der Fahrbahn die Grünphase erwischt, während man auf dem Fußweg dann zwangsläufig rot hat und eine Ampelphase länger wartet, kommt dazu.

Ob der Umbau des Hochbords nun eine gute Sache ist wird sich zeigen. Meines Erachtens legt der Umbau nur umso deutlicher offen, dass die Fahrbahnnutzung vorzuziehen ist. Nicht, weil ich pauschal die Fahrbahnnutzung als Stein der Weisen betrachte und jeden auf die Fahrbahn scheuchen möchte, sondern weil sie mir in dieser Situation die sinnvollere Wahl hinsichtlich möglichst großer Konfliktfreiheit scheint. Wer dennoch das Hochbord nutzt, muss sich gefälligst an die StVO halten und – mindestens wenn es die Situation erfordert, was spätestens am Tunnelausgang zwingend immer der Fall ist – im Schritttempo fahren (im Video bin ich immer noch zu schnell, stand aber auf der Bremse – es sieht schneller aus als es ist, laut GPS ca. 15km/h) sowie den Fußgängern uneingeschränkt Vorrang gewähren. Meinen Erfahrungen nach wird der Fußweg jedoch wie ein gemischter Fuß-/Radweg genutzt, sprich es wird entsprechend schnell gefahren und Fußgänger werden aus dem Weg geklingelt.

Gegen die Freigabe an sich habe ich nichts. Sie hält besonders unsicheren RadfahrerInnen (oder vielleicht welchen, die mit schwerer Ladung langsam fahren wollen/müssen) die Möglichkeit offen, dort langsam zu fahren, ohne gleich schieben zu müssen (was mehr Platz verbraucht). Da wird aber nur ein Schuh daraus, wenn für die Masse an RadfahrerInnen gleichzeitig die Fahrbahnnutzung suggeriert (und gesichert, etwa durch Tempo 30, was momentan noch nicht angeordnet ist) wird. Das würde verbieten, den Fußweg schon ab der Frölichstraße unnötig freizugeben, damit RadfahrerInnen möglichst schon auf der Fahrbahn am Tunnel angelangen.

Das explizite Schild in Richtung Pfersee, dass Radfahren auf der Fahrbahn erlaubt ist, ist eine positive Veränderung – ich hätte das Schild noch gern in Gegenrichtung. Denn für die beiden Videoaufzeichnungen fuhr ich insgesamt dreimal stadteinwärts durch den Tunnel – und wurde prompt einmal von der Fahrbahn gehupt. Einsicht, dass das nicht nur erlaubt, sondern Regelfall ist? Null. Ein Stinkefinger war die Antwort. Nichtsdestotrotz ist das ein immenser Faktor für viele gegen die Fahrbahnnutzung, weil es schlicht Stress ist. So eine Hupe im Tunnel dröhnt ganz ordentlich, und manch Durchgeknallter lässt noch eine gefährdende Fahrweise folgen. Gut, das „Erlaubnis-Schild“ würden diese Experten dann wohl genauso übersehen, wie sie jetzt schon nicht in der Lage sind, einen Fußweg zu identifizieren, aber abgesehen von den Extremen würde es wohl schon eine ganze Reihe an Autofahrern eher ins Auge fallen und zu mehr Toleranz führen.

Kurzum: Wenn nicht etwas ganz arg gegen die Fahrbahnnutzung spricht, fahrt doch bitte auf der Fahrbahn. In beiden Richtungen. Und man muss da nicht mit 30+ fahren. Fahrt wie ihr fahrt. Es ist euer Recht und keine Behinderung. Aber auf dem Fußweggilt: Der Fußgänger hat immer recht. Und drei Fußgänger nebeneinander auch.

Und um Gottes Willen: hört auf, in der Unterführung in falscher Richtung auf dem Fußweg zu fahren.

Randnotiz: Den A****, der mich von der Fahrbahn haben wollte, hatte ich bis zur Kaiserhofkreuzung schon wieder überholt. Soviel zum Vorankommen mit dem PKW in der Innenstadt.