Neues in der Jakoberstraße

Da lässt man die Ost-West-Achse mal eine zeitlang links liegen, „schon“ waren die Maler da. Die Umsiedlung des Radverkehrs in der Jakoberstraße auf die Fahrbahn hat begonnen. Fertig ist das sicher noch nicht, da aus rein bürokratischer Sicht schon noch die Radpiktogramme im Schutzstreifen fehlen. Schwerwiegender ist jedoch, dass ursprünglich die Rede davon war, die Parkplätze einen halben Meter nach rechts zu verlegen – was (bislang) offensichtlich nicht passiert ist.

Ohne diese Maßnahme ist jedoch der Schutzstreifen völlig wertlos. Zwar fuhren die PKW, die ich heute morgen während der Fotos beobachtete, allesamt deutlich weiter links als früher (gut zu sehen an der Fahrbahnoberfläche), aber aus den viel zu schmalen Parkstreifen ragen die PKW natürlich weiterhin wahlweise in den ehemaligen Radstreifen auf dem Gehweg oder eben in den neuen Schutzstreifen. Warum man die Markierung noch vor der Verlagerung der Parkreihe vornimmt, erschließt sich mir nicht. Ich hoffe inständig, dass hier nicht nur die Begrenzung des Parkstreifens auf dem Gehweg einen halben Meter versetzt wird, sondern auch der Randstein. Dann wäre allerdings wohl kaum mit einer baldigen Fertigstellung zu rechnen und die vorzeitige Markierung einigermaßen hinfällig.

Aus der Pressemitteilung der Stadt Augsburg zum Schutzstreifen in der Jakoberstraße:

Mehr Platz für Fußgänger auf dem Gehweg: In der Jakoberstraße wurden Radfahrstreifen auf der Fahrbahn markiert. Stadteinwärts zwischen dem Jakober Tor und der Pilgerhausstraße ist der 1,25 Meter breite Schutzstreifen bereits fertiggestellt. Geschaffen wurde damit ein durchgängiges und sicher zu befahrendes Angebot für Radfahrende in Richtung Innenstadt.

1,25 Meter? Da muss man schon alles mit einrechnen, was die Straße hergibt. Und zwar nicht nur die Markierung (das ist korrekt, die linke Markierung gehört zum Schutzstreifen), sondern auch die Regenablaufrinne (ob das verordnungskonform ist oder nicht, ist mir ehrlich gesagt egal – das ist eine Frechheit). Lässt man aber den Regenablauf weg, bleiben selbst an der breitesten Stelle nur 1,14 Meter, an der schmalsten 1,06 Meter. Lässt man auch die Markierung weg, misst also die lichte Weite, bleiben aberwitzige 94 cm.

94 cm. Vierundneunzig. „Sicher zu befahrendes Angebot“.

Es folgen nasse Tage. Der unzureichend abgeflachte Randstein am Ende des Schutzstreifens ist bei dieser Witterung eine ernstzunehmende Gefahr. Warum eröffnet man einen Schutzstreifen, bevor man die Parkplätze versetzt – was ja wenigstens theoretisch für etwas mehr Luft zu den sich öffnenden Türen bietet – und bevor man den Randstein abgefräst hat? WARUM? Warum sollte das etwas anderes sein, als den Radverkehr wissentlich einem erhöhten Risiko auszusetzen? Wie kann man den Radverkehr auf eine solch enge Spur versetzen ohne das Tempolimit auf 30 zu setzen? Wen in aller Welt soll das vom Fahren auf der Fahrbahn überzeugen? Wer soll sich hier nun sicherer fühlen?

Ach, und zum Vergleich: Der bisherige Radstreifen auf dem Gehweg – der, den wir alle zu Recht als zu eng befunden haben – maß inkl. der Markierungen 1,32 Meter (1,12 Meter lichte Weite).