Der Fahrradführerschein /o\

Sollte sich je jemand gefragt haben, weshalb ich schreibe was ich schreibe — Malte Hübner hat es besser aufgeschrieben als ich es je könnte.

Lang, aber lest es. Und lasst es vor allem jene lesen, die uns Radfahrer immer nicht verstehen können/wollen. Jene, die zwar verständig nicken, aber dennoch jedes Mal wieder überrascht sind, dass doch noch nicht alles gut ist, nachdem irgendwo irgendein Radstreifen gemalt wurde. Und natürlich auch jenen, die ernsthaft meinen, Radfahrer müssten nur endlich mal die Regeln lernen und sich daran halten.

Das Problem ist, dass Menschen, die maximal gelegentlich Rad fahren, das Problem nicht erkennen, nicht wahrnehmen, nicht begreifen können. Es ist das alte Problem des Privilegs: Wer ein Privileg genießt, erkennt nicht mehr, dass er ein Privileg genießt und kann den Standpunkt von außerhalb des Privilegs nicht ansatzweise erfassen. Das Privileg des Autofahrers ist (unter anderem) eine praktisch durchgehende Einheitlichkeit der Verkehrsführung. Alle möglichen Verkehrssituationen sind de facto überall und immer gleich aufgelöst. Alles andere wäre ja auch Blödsinn.

Und genau das ist es eben nur allzu oft für Radfahrer nicht, nur sieht man das aus dem Auto heraus nicht. Und wenn man einem Autofahrer erzählt, dass es hier oder da etwas schräg geregelt ist, dann kennt dieser Autofahrer genau hier und da – und denkt sich, man solle sich nicht so anstellen, „da wird man doch mal…“. Er kann es nicht begreifen. Er kann sowas nur als Ausnahme begreifen, sich jedoch nicht vorstellen, dass die Ausnahme die Regel ist.

Leider können viele auch nicht begreifen, dass eine Ansammlung von Problemstellen der Dokumentation der Gesamtsituation dient. Stattdessen begreifen sie jede Situation als einzelne Ausnahme, was viele dazu verleitet, jedes Mal mit „also das ist ja wohl nicht so schlimm, da kann man doch mal/da muss man halt“ zu reagieren.

Und dann kommt es zu dem Paradoxon, dass einige von Radfahrern stets verlangen, sich „erstmal an die Regeln zu halten“, gleichzeitig aber bei jedem geschilderten Regelkonflikt meinen, „man solle sich nicht so haben, das machen doch alle so, da muss man halt mal“. Im Grunde genommen meinen sie, Radfahrer sollen ihnen gefälligst nicht in die Quere kommen, und die Probleme der Radfahrer halten sie für übertrieben oder illegitim, oder beides gemeinsam, weil ihnen ganz grundlegend die Fähigkeit fehlt, das Problem überhaupt zu erfassen.

Mit solchen Fahrradführerschein-Menschen würde ich gerne Mal eine Runde Rad fahren. Und ihnen hernach erzählen, wieviele Regeln sie missachtet haben.