Radfahrer und Fußgängerampeln

Es ist … zum Mäusemelken. Hat irgendjemand das Gefühl, dass seit dem Wegfall der Übergangsregel, was die Gültigkeit von Fußgängerampeln für Radfahrer (in bestimmten Ausnahmefällen) angeht, endlich alles besser ist?

Genau genommen ist die Ecke Pilgerhausstraße/Mittlerer Graben sowieso kein Fall, in dem die Übergangsregel je gegolten hätte. Sprich seit mindestens 2013 gilt hier für Radfahrer die Allgemeinampel und mitnichten die Fußgängerampel. Im Gegensatz zu manch anderen Kreuzungen sind die Ampeln meines Erachtens auch so positioniert, dass die jeweilige Gültigkeit recht intuitiv sein sollte.

Und doch – zu oft fahre ich hinter Radfahrern her, die sich an die Fußgängerampel halten. Erst gestern wieder: Ein Paar mittleren Alters bremst bei Allgemein-Grün/Fußgänger-Rot an die Kreuzung heran. Von hinten war es schwer auszumachen, ob sie bremsten, weil ein Taxi unmittelbar vor ihnen abbog oder das Taxi abbog, weil die Radfahrer offensichtlich abbremsten. Vielleicht achteten auch sowohl Radfahrer als auch Taxifahrer nur auf die Fußgängerampel? Auf alle Fälle zeigte die Allgemeinampel noch lange genug grün, dass ich gut und gerne 50 Meter aufholen und über die Kreuzung fahren konnte, an dem wartenden Paar vorbei. Ob sie mit meinem „Ihr habt noch grün, ihr habt noch grün!“ wohl etwas anfangen konnten? Oder die rote Fußgängerampel vor Augen eher glaubten, ich sei komplett irre?

Den Eindruck, den ich auf meinen Radfahrten gewinne, ist, dass sich viele Radfahrer nach dem Lichtzeichen richten, das für den jeweiligen Straßenteil gilt. Sprich: Sobald der Radweg auf dem Hochbord verläuft, schauen einige/viele auf die Fußgängerampel. Das ist manchmal richtig – wenn es eine Kombiampel ist – und manchmal verkehrt. Entweder, weil die Allgemeinampel gilt oder es eine separate Radampel gibt – wie im Falle der Ost-West-Achse nur eine Kreuzung später oben am Leonhardsberg. Oder sogar an derselben Kreuzung in der Gegenrichtung (da ist es eine Radampel auf der anderen Straßenseite).

Und hier liegt der Hund tatsächlich begraben. Noch immer herrscht ein derartiger Wildwuchs an Ampelanlagen, dass man Rad- wie Autofahrern eine gewisse Verwirrung tatsächlich zugestehen muss. Das Problem dadurch ist nicht, dass man mal 10 oder 30 Sekunden wertvoller Lebenszeit verschenkt. Es weicht leider die Verlässlichkeit von Ampelsignalen ganz grundlegend auf. Grün haben und geradeaus fahren – wenig dürfte im Autoverkehr so selbstverständlich wahrgenommen werden. Das heißt nicht, dass es nicht trotzdem zu Unfällen kommt, weil jenes selbstverständliche Recht verletzt wurde. Aber dennoch bleibt der Grundsatz unverrückbar: Grün haben, geradeaus fahren, da muss man nicht groß links und rechts schauen, die Verlässlichkeit, dass einem dieses Recht gewährt wird, ist riesengroß – ohne diese Verlässlichkeit würde Verkehr gar nicht funktionieren.

Aber genau das, diese Verlässlichkeit, gilt im Radverkehr nicht. Und sie gilt mitunter deswegen nicht, weil Radfahrer-Grün zu schwer erkennbar ist. Da kann man in die StVO schreiben, was man will. Solange an beinahe jeder Kreuzung eine andere Anordnung von Lichtzeichen en vogue ist, wie soll sich eine Routine ergeben, wie soll sich Verlässlichkeit einstellen?