Kunde == Autofahrer

Hand hoch, wer das Gefühl hat, mit entsprechend ausgetauschten Namen und Orten könnte man das hier als glaubhafte Auseinandersetzung in der eigenen Stadt verkaufen.

Wer in massiver Weise Pkw aus der City verdrängen wolle und weiteren Parkraum zugunsten von Radverkehr opfere, erschwere Kunden und allen anderen Interessierten den Zugang zur Innenstadt, klagt der Handelsverband. Eine einseitig ausgerichtete Verkehrspolitik gefährde den Standort Wiesbaden […]

Es ist rhetorisch immer dasselbe. Kunden scheinen nur Menschen zu sein, die mit dem Auto kommen. Und eine Verbesserung für den Radverkehr ist stets eine „einseitige“ Verkehrspolitik – was die Fokussierung auf das Auto in den letzten Jahrzehnten anscheinend nicht ist.

Der Regionalbereich Wiesbaden des Handelsverbands Hessen-Süd erklärt: Eine Verkehrswende ist unnötig.

Ja dann wäre das ja geklärt. Alles ist super ganz genau so, wie es ist. Außer, dass es das eigentlich nicht ist, wie eine repräsentative lokale Studie ergibt:

Wenn es um die Wünsche nach Verbesserungen geht, halten 61 Prozent aller Befragten Maßnahmen zur Entspannung der Parksituation in den Wohngebieten der Innenstadt für vordringlich. 57 Prozent wollen vor allem, dass Maßnahmen für Fahrradfahrer ergriffen werden. Interessant: Jüngere Befragte halten verkehrspolitische Maßnahmen tendenziell für dringlicher als ältere.

Schön auch diese Erkenntnis:

Um den Parkplatzdruck zu senken, will der Stadtrat prüfen, weitere Flächen zu bewirtschaften und zu versuchen, dafür auch private Grundstücke zu nutzen. „Wir wissen aber auch, dass es in der Beurteilung der Parkzufriedenheit immer eine Unzufriedenheit geben wird. Nicht nur in Wiesbaden. Das Stellplatzangebot ist zu gering oder zu teuer oder beides.“

Jetzt müssen wir noch lernen, dass, wenn wir es den parkplatzsuchenden Autofahrern eh nicht recht machen können, es auch ENDLICH NICHT MEHR VERSUCHEN. Die einzige Lösung der überfüllten Innenstädte sind weniger Autos, nicht noch mehr Aufbewahrungsplätze dafür. Aber ach …