Tempo 30 aus heiterem Himmel

Was (offenbar) nicht alles geht, wenn man es (offenbar) nur will. Während Stadtbergen in der Leitershofer Straße an einer Stelle mit „Vorsicht Kinder“-Gefahrenzeichen keine rechtliche Grundlage mehr für ein Tempo-30 Schild sah und es abmontierte und Augsburg weder in der Pferseer Unterführung noch am Jakobertor die Notwendigkeit sieht, ein reduziertes Tempo anzuordnen, ist die Bergheimer Straße in Inningen seit gestern auf eben jenes Tempo 30 beschränkt.

Kein Kindergarten, keine Kita, keine Schule, kein Krankenhaus, kein Altenheim. Etwas mehr Wohnstraße als die Bobinger Straße, die Inningen in Nord-Süd-Richtung durchschneidet, aber letztlich doch eher Ortsdurchfahrt Richtung Bergheim. Die Brücke über die Wertach war schon immer auf 30 beschränkt, nun ist es die komplette Straße. Warum? Keine Ahnung. Wohl, weil die Anwohner es wünschten? Die waren es zumindest in Haunstetten im Falle der Martinistraße. Es geht also schon, wenn man nur will.

Warum freilich weiterhin ein – auch vorher schon – reichlich unsinniger Fuß-/Radweg ausgeschildert ist, bleibt ein Geheimnis. Spätestens nach Tempo 30 sollte die Gefährdung zu gering sein, um eine Benutzungspflicht anzuordnen. Insbesondere, da sie keine 100 Meter andauert und nach der nächsten Einmündung ein Fahrrad-frei-Fußweg beschildert ist.

Aber hey – immerhin ein Straßenzug mehr, der auf Tempo 30 beschränkt wird. Leider ist das dank des „Oh Gott nein wir müssen dringend überall 50 als Regelgeschwindigkeit aufrecht erhalten“ Grundsatzes nur möglich, wenn man auch Hindernisse in die Straße baut. Ob man dadurch nicht einfach zu schnellen Verkehr gegen (noch) stockenderen Verkehr austauscht? Da in der Straße sowieso am Straßenrand geparkt wird hätte man meines Erachtens Einbauten, Park- und Parkverbotszonen sinnvoller kombinieren können. Aus Radfahrersicht sind die Inselchen immerhin so platziert, dass (ein „typisches“ Rad vorausgesetzt) genügend Platz zwischen Randstein und Hindernis bleibt, um hindurchzufahren. Was allerdings nichts hilft, wenn der Gegenverkehr das Hindernis auf seiner Seite hat und mitnichten abwartet, sondern sich einfach auf das Recht des Stärkeren beruft.