Knapp daneben ist auch vorbei

Ach je. Sie haben etwas getan. Vielleicht sogar (auch) aufgrund meiner RADar-Meldung. Ach je.

Die Regelung in der Universitätsstraße geht mir seit langem gegen den Strich. Hier ist nur einseitig ein Radweg vorhanden und dieser war bislang beidseitig benutzungspflichtig ausgeschildert. Linksseitig über die Hannah-Arendt-Straße und vorbei an den zahlreichen Uniparkplatzausfahrten ist genau die Art von unnötigen Konfliktsituationen, die linksseitige Benutzungspflichten so unbeliebt bei allen machen – und die auch der Grund sind, weshalb diese nur in absoluten Ausnahmefällen angeordnet werden sollen/dürfen. Wenn solche Konflikte eben NICHT auftreten.

Nun ist eine linksseitige Benutzungserlaubnis in der Universitätsstraße äußerst sinnvoll, da die Uni als Start- und Zielpunkt offensichtlich ist. Der Fuß-/Radweg ist auch ohne weiteres breit genug, um einen Zweirichtungsverkehr zu erlauben. Nur die Pflicht, diesen zu benutzen, war gerade für den Durchgangsverkehr überflüssig. Und genau das wurde nun aufgehoben.

Seit kurzem ist die Trennlinie entfernt und der gesamte Weg als Fußweg mit „Fahrrad frei“ beschildert – interessanterweise sogar in beide Richtungen. Es wäre durchaus möglich gewesen, die Benutzungspflicht in Richtung Messe (also in „richtiger“ Fahrtrichtung) aufrecht zu erhalten und die Radspur per alleinigem Zusatzschild „Fahrrad frei“ für die Zweirichtungsbenutzung freizugeben (die Holzbachstraße ist ein Beispiel dafür). Aber gut. Benutzungspflicht weg, alles gut?

Entschuldigung, aber nein. Worin liegt denn der Ursprung der ehemaligen Benutzungspflicht? In dem kurzen Stück zwischen Friedrich-Ebert- und Hannah-Arendt-Straße. Von der Messe kommend ist die Fahrbahn hier explizit mit „Fahrrad verboten“ beschildert. Rechtsseitig ist sowohl die Brücke als auch der Weg neben der Straße als Fußweg beschildert. Radfahrer dürfen hier ausschließlich den linken Radweg nutzen – und das ist nach wie vor so. Insofern ändert sich an den Verkehrsströmen überhaupt nichts. Ab der Hannah-Arendt-Straße ist man nunmehr einzig „freiwillig“ auf einem Fußweg unterwegs, statt vormals auf einem benutzungspflichtigen Radweg. Das ist für sich genommen rechtshalber sogar eine Verschlechterung. Dass das Fahrbahnverbot nun definitiv ab hier aufgehoben ist, ist zwar willkommen, aber eine wahrscheinlich eher theoretische Möglichkeit. Dass nun scharenweise Radfahrer nach der Überquerung der Hannah-Arendt-Straße auch noch die Universitätsstraße überqueren, um dann auf der Fahrbahn weiterzufahren, ist kaum zu erwarten.

Das kurze rote Stückchen am Anfang der Straße – DAS gilt es zu verändern. Dann hätte sich der Rest der Straße von selbst erledigt. So werden sich die Verkehrsströme mitsamt den neuralgischen Punkten – Einmündungen von den Parkplätzen und vor allem die Hannah-Arendt-Straße – nicht ändern.

Die sinnvolle Auflösung aller potenziellen Konfliktsituationen entlang der Universitätsstraße ist reichlich offensichtlich die durchgängige rechtsseitige Benutzung. Aber die Brücke will man nicht freigeben. Laut RADar-Rückmeldung sei das Gefälle zu stark *hüstel*, es stünden die mittigen Lichtmasten auf der Brücke im Weg (?!), es fehle eine Anbindung an Radwege (??!!) und die Häufigkeit an Veranstaltungen an der Messe ließe eine Freigabe sowieso nicht zu. Nun wäre noch interessant zu erfahren, weshalb denn der Fußweg an der Straße entlang ebenfalls für Radfahrer gesperrt ist. Immerhin ist dieser (nicht nachgemessen) gut und gerne 2, eher 2,5 Meter breit. Wahrscheinlich will man hier auch mit den „häufigen Veranstaltungen“ argumentieren? Welcher Fußgänger nutzt denn freiwillig den Weg mit der minutenlangen Rotphase, wenn er die Brücke nutzen kann? Ok, die Brücke kann eine Barriere sein, doch kann die Belastung sowohl der Brücke als auch des Fußwegs so hoch sein, dass man zu allen Zeiten Radverkehr verbieten muss?

Zudem ist noch Platz vorhanden. Man müsste einmal mehr nur wollen, dann könnte man diese lumpigen 50 Meter rechtsseitig für den Radverkehr erschließen. Wird gleichzeitig die linksseitige Benutzung erlaubt, wird der gemeine Radler schon schlau genug sein, bei hohem Veranstaltungsverkehr auf die linke Seite auszuweichen.

Aber nein. Einmal mehr wird die Ursache einer Konfliktstelle hartknäckig ignoriert und stattdessen an einem Symptom bürokratisch herumgedoktert. Wo jetzt theoretisch mehr Wahlfreiheit für Radfahrer herrscht, wird sich an den tatsächlichen Verkehrsströmen nichts ändern. Die Einmündung der Hannah-Arendt-Straße bleibt gefährlich wie eh und je, die Notwendigkeit eines Straßenseitenwechsels bleibt bestehen. Nicht die 1000 Meter entlang des Unigeländes gehörten verändert, die 50 Meter davor sind entscheidend. Warum will man das nicht verstehen?