Leistungsfähigkeit von Kreuzungen

Ok, die Kreuzung am Theodor-Heuss-Platz ist sicher ein kompliziertes Ding, mit fünf angrenzenden Straßen und einer Straßenbahntrasse von zentraler Bedeutung. Die heilige Kuh, die „Leistungsfähigkeit des Verkehrsknotens“ lässt da für Randsportarten wie Radfahren naturgemäß wenig Raum. Aber ob man – nicht nur angesichts des Vorhabens, den Radverkehrsanteil in sehr naher Zukunft nahezu verdoppelt haben zu wollen – doch erwarten könnte, dass die Kreuzung dennoch mit mehr als zwei (2) Radfahrern gleichzeitig zurecht kommt?

Wann immer Radwege im Spiel sind, können sich Radfahrer (und Fußgänger) an Kreuzungen prinzipbedingt im Weg stehen – wie sehr, hängt vom Platz rund um die Ampeln ab. Doch die verknoteten Wege an der IHK treiben das wirklich auf die Spitze.

Linksabbieger in die Bismarckstraße kommen mit so ziemlich allem in Konflikt, was sich an der Kreuzung tummeln könnte. Wer von der IHK geradehaus hinunter zum Roten Tor möchte, dürfte ebenfalls um wartende Radfahrer tanzen dürfen. Ohne, dass dabei irgendjemand etwas falsch macht.

Wer von der IHK (links) kommt und die Bismarckstraße zum Theodor-Heuss-Platz überquert, dem stehen womöglich Radfahrer im Weg, die aus der Bismarckstraße kommend an der roten Ampel (Richtung Konrad-Adenauer-Allee/Kö; oben) warten. Oder sie werden, wenn sie ebenfalls in diese Richtung nach links abbiegen wollen, für hinter sich fahrende Radfahrer selbst zum Hindernis. Das Konstrukt funktioniert also schon mit zwei Radfahrern nicht mehr optimal, ab vieren kann es schon völlig versagen.

Doch schon bei der Überquerung der Bismarckstraße kommen womöglich Radfahrer entgegen, weil das Linksabbiegen vom Eserwall (rote Spur im Bild) aus Platzgründen äußerst eigenwillig gestaltet ist. Laut Straßenmalerei ist man als Geradeausfahrer sogar Linksabbieger – der Pfeil auf dem Radweg legt das nahe. Wer hier Vorfahrt hat, will ich mir gar nicht erst überlegen müssen. „Glücklicherweise“ nimmt den angedachten Linksabbieger-Weg vom Eserwall wohl eh niemand – vielmehr geisterradeln sie den rechtsseitigen Radweg in die Bismarckstraße um an der nächsten Einmündung die Straße zu queren (oder einfach weiter auf dem Gehweg zu radeln, alles schon gesehen). Hurra.

Im Satellitenbild sieht man aus der Bismarckstraße (unten) kommend noch gut eine Haltelinie weit vor dem Bereich, in dem Radfahrer von der IHK queren würden. Just diese Haltelinie wurde aber (schon länger her) entfernt, womit nun nur noch die Haltelinie direkt an der Ampel vorhanden ist (von der aus man die Radampel wirklich schlecht sehen kann 🙄). Warum? Damit sich aber auch wirklich jeder im Weg steht, der sich im Weg stehen kann?

Was hier auf die Straße gemalt ist, spielt für den realen Alltag schon kaum eine Rolle, selbst bei geringstem Verkehrsaufkommen. Wie das werden soll, wenn der Radverkehr tatsächlich in dem Maße zunimmt, wie man sich das wünscht? Stehen Kreuzungen überhaupt schon irgendwie auf dem Fahrradstadt-Plan?