Einblicke durch Heatmaps

Die Strava Heatmap hat es ja letztens zu zweifelhaftem Ruhm gebracht. Für Premium-Mitglieder gab es schon länger die Möglichkeit, die eigenen Aktivitäten auf diese Weise darstellen zu lassen, und mit Strava Metro bietet Strava die durch die aufgezeichneten Aktivitäten gesammelten (anonymisierten) Daten seit geraumer Zeit interessierten Stadtplanern kostenpflichtig an.

Das liegt ja eigentlich auch nahe: Strava weiß, wo Menschen fahren und laufen (und wo nicht), wann sie das tun, wie schnell sie dabei sind, wie lange sie an Kreuzungen stehen – eine Menge interessanter Daten für Stadtverwaltungen, selbst wenn die Testgruppe auf Strava ein wenig auf der sportlichen Seite angesiedelt sein mag. Die frei verfügbare global heatmap zeigt freilich einfach nur alle zurückgelegten Wege der letzten Jahre an, doch selbst das erlaubt den ein oder anderen Einblick, wo in der eigenen Stadt gefahren und nicht gefahren wird.

Universitätsstraße

Ihr Anarchos! Setzt euch also schon immer über das Fahrbahnverbot hinweg!

Man kann zum Beispiel je nach Straßenzug durchaus die verschiedenen Fahrtrichtungen erkennen – wie hier in der Universitätsstraße. Die habe ich hier und da schon kritisiert, da hier nur auf einer Seite ein Radweg vorhanden ist, der bis vor kurzem in beide Richtungen benutzungspflichtig war – verordnetes Geisterradeln über eine Einmündung und an zahlreichen Parkplatzausfahrten vorbei also. Die Heatmap zeigt allerdings recht deutlich: ist euch scheinbar schon immer völlig egal gewesen 😉 Man beachte auch die – als Fußweg beschilderte – Messebrücke …

Am Klinkerberg rein, aber wo wieder raus?

Der Klinkerberg stadteinwärts ist viel befahren, doch das Pendant stadtauswärts eher nicht.

Man kann der Heatmap natürlich nicht entnehmen, ob es sich um Pendler- oder Ausflugsfahrten handelt. Aber der Klinkerberg scheint jetzt weniger ein Ausflugsziel als ein typischer Weg für Einkaufende und Pendler Richtung Innenstadt. Da läge es nahe, die Gegenrichtung genauso stark befahren zu sehen – doch das ist hier ganz und gar nicht der Fall. Der Klinkerberg ist nur stadteinwärts befahrbar. Der Weg stadtauswärts würde über die Gesundbrunnenstraße führen – und hier zeigt sich zweierlei. Zum einen nutzt wirklich überhaupt keiner die Fahrbahn der Gesundbrunnenstraße, obwohl die Furt an der Kreuzung oben am Klinkertor genau das impliziert. Stattdessen wird der Fuß-/Radweg durch die Grünanlage vorbei am Curt-Frenzel-Stadion genutzt. Doch insgesamt scheinen (sehr) viel mehr Menschen den Klinkerberg hochzufahren, als anschließend wieder hinunter. Stellt sich die interessante Frage, warum. Und wo sie stattdessen fahren.

Durch den Stadtwald

Strahlend heller Stadtwald

Die Strecke durch den Stadtwald ist eine meiner Lieblingsstrecken – und ich bin nicht alleine. Die Siebenbrunner Straße (von/nach Haunstetten), die Ilsungstraße (Sportanlage Süd), die Spickelstraße (von/zum Hochablass und von /nach Hochzoll) leuchten hell aus der Karte heraus. Und das auch noch etwas intensiver als zum Beispiel der naheliegenden Route entlang der Haunstetter Straße. Natürlich ist das auch eine der Freizeitrouten schlechthin, die Unterscheidung zwischen Freizeit- und Pendelstrecken wäre hier besonders interessant.

Hier sind natürlich alle abgestiegen und haben geschoben, oder? ODER?

Zoomen wir doch mal ein bisschen hinein und blicken auf den Hochablass, der leider als reiner Fußweg beschildert ist – Frequenz und Brüstungshöhe lassen eine Freigabe für Radfahrer angeblich nicht zu. Wenig überraschend leuchtet der Hochablass wie ein Höllenfeuer auf der Karte. Natürlich zeichnet strava auch geschobene Fahrräder als Radfahrt auf – aber irgendetwas sagt mir, dass der Hochablass noch leuchten würde, könnte man die geschobenen Räder ausblenden. Und dass irgendwer jemals auf der anschließenden Fußweg-Verbindung Richtung Eiskanal geschoben hätte, braucht man sich gar nicht erst einzureden.

Linie 3 – don’t mess around with my Kunstmühlweg

Wo künftig die Linie 3 nach Königsbrunn fahren wird, fahren heute schon Tonnen von Radfahrern

Apropos Freizeitradler: die dürften auch, aber nicht ausschließlich zur Intensität der Postillonstraße beitragen. Interessant ist diese Straße am Ortsrand von Haunstetten, weil hier die Verlängerung der Straßenbahnlinie 3 nach Königsbrunn verlaufen wird. Ob Freizeit- oder Alltagsradverkehr ist eigentlich egal, die Route ist auf alle Fälle stark genutzt und es bleibt zu hoffen, dass diesem Umstand mit einer entsprechenden Radverbindung Rechnung getragen wird.

Darüber hinaus wird auf dem gesamten Bereich westlich der Postillonstraße ein neuer Ortsteil entstehen. Der Kunstmühlweg würde mitten hindurch führen – er ist mein bevorzugtes Ausfalltor Richtung Westen. Über 680-mal bin ich laut strava diesen Weg schon gefahren (und das zählt nur in Richtung Westen). Alleine bin ich damit offensichtlich nicht. Die parallel verlaufende Inninger Straße zeigt auf der heatmap eine geringere Nutzung.

Radzählstation

Der Standort der dritten Radzählstation in Augsburg leuchtet mir weiterhin nicht ein

Es ließen sich sicher noch zahlreiche Stellen herauspicken, eine soll es hier noch sein – weil mich der Standort der dritten Radzählstation in Augsburg so sehr wunderte. Ich selbst nutze diesen kleinen Fuß-/Radweg um den Forsterpark herum einigermaßen häufig, da mein Büro in der Nähe liegt. Warum man gerade hier messen möchte, wieviele Radfahrer vorbei kommen, erschließt sich mir hingegen nicht. Ein Blick auf die heatmap zeigt, dass die Station nicht auf dem Abschnitt liegt, der am meisten befahren wird – hätte man das als Ziel gehabt, hätte man vorher einen Blick darauf werfen müssen 😉 Der Weg stellt auch keine eindeutig auszulegende Umfahrung irgendeines bestimmten Knotenpunktes dar. Aber irgendeine Kenngröße wird man sich schon davon versprechen.

Und nun viel Spaß beim Durchsuchen der heatmap 🙂