Noch mehr Heatmap-Leserei

Die Strava Global Heatmap bleibt eine erquickende Quelle an Einblicken in tatsächliche Radwege. Vieles bleibt natürlich reine Spekulation, die Einschränkungen dürften offensichtlich sein. Und doch gab es noch nie die Möglichkeit, Bewegungen im Stadtgebiet in solchem Maße einzusehen. Das ist selbst bei allen Einschränkungen spannend.

Nord-Süd-Achse

Es kristallisieren sich in der Totalen einige Achsen heraus – und nicht mit allen hätte ich so gerechnet

Wenn man in Nord-Süd-Richtung einmal Wertach und Lech ausblendet, hätte ich zur Durchquerung der Stadt als erstes auf die Achse Konrad-Adenauer-Allee–Fuggerstr–Volkhartstr–Gesundbrunnenstr–Wertachbrücke–Donauwörther Str geschaut. Hier scheint sich aber der Verkehr schon auf der Volkhartstr auszudünnen, um sich in der Gesundbrunnenstr. nahezu völlig aufzulösen. Dagegen leuchtet die weiter östlich liegende Strecke von Riedinger Str über Unteren/Oberen Graben hinunter zum Roten Tor deutlich heraus. Wegen ihrer pittoresquen Ausblicke wird wohl kaum jemand diese stark befahrene Route wählen. Sie ist abwechselnd mit Radwegen auf dem Hochbord und Radspuren auf der Fahrbahn ausgestattet und bis zum Oberen Graben bleibt sie von Parkreihen am Fahrbahnrand verschont – dementsprechend braucht man sich hier praktisch nie mit Deppenparkern herumschlagen. Angesichts dieser Frequenz dürfte man aber gerne mal den maroden Fuß-/Radweg südwärts im Oberen Graben angehen.

Um das Rote Tor herum scheinen die Wege nicht ganz so klar zu sein

Interessant finde ich die Wege um das Rote Tor herum. Sicher stößt die Auflösung der Heatmap hier an Grenzen, doch während alle anschließenden Wege (Haunstetter Str, Forsterstr, Eserwall/Stettenstr/Konrad-Adenauer-Allee) maximal hell leuchten, scheint die Umfahrung des Roten Tores selbst weniger stark befahren. Schuld daran könnte sein, dass es zwischen Forsterstr und der Einmündung der Friedberger Str keinen sinnvollen Radweg gibt. Stattdessen wird man durch die Rote-Torwall-Anlagen geleitet, wo nur Fahrrad frei gilt. Von West nach Ost vergällt einem eine vierstufige Überquerung der Haunstetter Str ein wenig den Spaß am Weg. Vielleicht wählen hier einige den Weg über den Milchberg – der ist allerdings auch alles andere als ein Radfahrtraum. Recht viel befahren sieht er dennoch aus – auch das ein Wink mit dem Zaunpfahl an die Stadt, hier für bessere Bedingungen zu sorgen. Wenn man sich nur von den vermaledeiten Tramgleisen dort trennen könnte …

Ost-West-Achse

Die Ost-West-Achse offenbart ein (imho) äußerst überraschendes Benutzungsloch in der Prinzregentenstr

Äußerst interessant ist der Blick auf die Ost-West-Achse zwischen Jakobertor im Osten und Hauptbahnhof im Westen. Schon insgesamt scheint die Benutzung dieser Stadtquerung ein klein wenig hinter etwa der Nord-Süd-Achse Unterer/Oberer Graben zu liegen. Doch zwischen Theater und Hauptbahnhof in der Prinzregentenstraße wird die Achse ganz offenbar schlecht genutzt. Stattdessen spielt sich in der parallel verlaufenden Frölichstraße wesentlich mehr Verkehr ab. Im Gegensatz zur Prinzregentenstraße findet sich dort keinerlei gesonderte Radinfrastruktur – weder aufgemalt, noch separiert. Auch ist der Weg aus der viel befahrenen Pferseer Unterführung geradeaus in die Frölichstraße keineswegs der bequemere – man muss hier über zwei Radampeln, während man nach rechts Richtung Bahnhof ohne Ampel fahren könnte. Die Frölichstraße ist auch sonst kein Paradies: es wird beidseitig geparkt und sie ist gerade zu Stoßzeiten viel befahren.

Nachdem man seitens der Stadt im ersten Schritt im Rahmen der Fahrradstadt so erpicht auf „Lückenschlüsse“ ist – also gerne überall für Rad- oder Schutzstreifen sorgen möchte, wo noch keine sind –, ist das schon eine interessante Erkenntnis. Eine Radspur alleine reicht wohl doch noch lange nicht. In der Prinzregentenstraße führt die Radspur Richtung Hauptbahnhof ständig an Längsparkreihen entlang – ohne Sicherheitsabstand. In Gegenrichtung wird die Radspur zugunsten einer Lieferzone kurzzeitig unterbrochen und ist nicht selten auch darüber hinaus zugestellt. Im Winter ist die Radspur schon traditionell unbrauchbar. Die Güte des Radwegs wäre auch eine passende Erklärung für die recht mager erscheinende Nutzung der Halderstraße.

Tidbit am Rande: Dieser helle Stummel oberhalb der Grottenau? Führt direkt zur Regierung von Schwaben. Kudos an die offenbar zahlreichen (oder den einen sehr aktiven) RadfahrerInnen dort!

Vom Westen in die Stadt

Die Schießstättenstraße als Ein- und Ausfallstraße – wer hätte das denn gedacht?

Auf der Suche nach bevorzugten Routen in Ost-West-Richtung fällt auch die Schießstättenstraße auf. Von dort auf die Rosenaustraße, dann über die Gögginger Brücke und anschließend über die Hermanstraße oder die Stettenstraße weiter – und natürlich dasselbe auch in Gegenrichtung. Diese Achse setzt sich offenbar stark über die Stadionstraße fort. Doch auch von der Wertach kommend bietet sich dieser Weg an. Die dortige Wertachbrücke bietet auch einen direkten Weg für alle, die aus Westen kommend die Augsburger Straße in Pfersee umgangen haben.

Angesichts dieser starken Benutzung wären Verbesserungen für RadfahrerInnen mehr als gerechtfertigt:

  • Die Unterteilung der Wertach-Überquerung durch zwei (niedrige, aber störende) Randsteine in anscheinend links- und rechtsseitige Gehwege und einen Radweg in der Mitte ist völlig überflüssig. Eine ebene Fläche ließe eine bessere Nutzung der Gesamtbreite zu, Rad- und Fußverkehr könnten sich besser ausweichen
  • Die Schießstättenstraße hat schon bessere Zeiten gesehen. Das erlaubte Parken direkt bis zur Einmündung in die Rosenaustraße ist störend, man muss gefühlt in den Gegenverkehr ausweichen
  • Das Linksabbiegen von der Rosenaustraße in die Schießstättenstraße ist durch die lange Rotphase nervend. Ein Einordnen auf die Fahrbahn auf die dortige Linksabbiegerspur könnte durch eine zusätzliche Ableitung vom Radweg in der Nähe bequemer gestaltet werden.
  • Angesichts der starken Benutzung ist die schlechte Räumung der Kreuzung an der Gögginger Brücke in diesem Winter doppelt beleidigend
  • Radfahrer, die am Ende der Gögginger Brücke an der roten Ampel Richtung Hermanstraße warten, blockieren den Weg für alle Rechtsabbieger in die Stettenstraße.
  • Die Hermanstraße wird von vielen als gefährlich eingestuft. Der Platz dort ist wegen der Tramgleise und der Parkplätze am Straßenrand begrenzt. Die starke Radfahrerfrequenz legt dennoch die Notwendigkeit nahe, für Verbesserungen zu sorgen.

Die Deutschenbaur

Die ach so bedeutsame Deutschenbaurstraße – ist es nicht

Und zuletzt noch zur Deutschenbaurstraße, um die bzw. den Schutzstreifen darin ja ein derartiges Tamtam gemacht wurde: von wegen „bedeutende Nord-Süd-Verbindung“. Selbst der nicht asphaltierte (!) Fuß-/Radweg in West-Ost-Richtung entlang des Wohngebiets nördlich des Westfriedhofs wird stärker genutzt. Die unterschiedliche Einfärbung der Deutschenbaurstraße zu Beginn und in der Mitte deutet darauf hin, dass sie vorrangig nicht durchgängig benutzt wird. Von Norden (der Bgm-Ackermann-Str) wie Süden (der Stadtberger Str) kommend splittet sich der Verkehr offenbar jeweils auf. Von Süden kommend biegen einige bei Gelegenheit nach links ab, um Richtung Reese-Park zu fahren. Von Norden kommend fahren viele geradeaus über den Kreisel in die Spicherer Str, wohl um sich ihren Weg zur Augsburger Straße zu suchen. Die Parkplätze in der Deutschenbaurstraße zugunsten von Schutzstreifen zu streichen halte ich nach wie vor für eine begrüßenswerte Entscheidung, aber die Begründung mit einer Nord-Süd-Verbindung ist Quatsch. Man versteift sich hier meiner Meinung nach zu sehr auf einen (vermeintlichen) Lückenschluss um des Lückenschlusses Willen. Einen echten Umbau zu einer verkehrsberuhigten Wohnstraße hätte nach meinem Dafürhalten für mehr Verständnis bei den Anwohnern und zu gleichen Vorteilen für RadfahrerInnen gesorgt.