Parkgebühren versus ÖPNV-Preise

Ausgehend hiervon und hiervon hat mich ja schon lange interessiert, wie die Entwicklung der Parkgebühren im Vergleich zu Steigerung der ÖPNV-Preise in Augsburg aussieht – und was wohl los wäre, wenn man die Parkgebühren an die Preisentwicklung des ÖPNV koppelt. Praktischerweise haben die Grünen Augsburg just Anfang des Jahres eine passende Anfrage gestellt. Die Antwort liegt seit Mitte März vor. 

Entwicklung im ÖPNV

Blickt man auf die Entwicklung seit 2002 (Einführung Euro), so wurden die Preise mit Ausnahme von drei Jahren (2008, 2011, 2015) jedes Jahr angepasst und wuchsen seither insgesamt um 56,8%. Natürlich sind unterschiedliche Tickets unterschiedlich stark betroffen: so stieg der Preis für ein Einzelticket von 1,80€ auf 2,90€ (61%), ein Streifen wurde 67% teurer (1,44€ -> 2,40€), die Familientageskarte verteuerte sich um ganze 77% (4,75€ -> 8,40€), das „Mobil-Abo“ dagegen „nur“ um 50%. Dass die Stadtwerke das Abo präferieren zeigt sich auch bei einem Blick auf die Jahre seit 2014, in denen sich der Abopreis um nur 1% nach oben bewegte, die Einzelfahrkarte aber gleich um 11%. Dass mit der Tarifreform 2018 durch die Zusammenlegung der beiden Innenraumzonen (für Einzelfahrscheine) Einzelne mit einem Schlag das Doppelte bezahlen müssen, ist nochmals eine separate Geschichte – eine, die im Streit um eventuelle Nachbesserungen recht hohe Wellen schlägt.

Entwicklung bei den Parkgebühren

Zunächst die beiden langweiligen Fakten: Der Anwohnerparkausweis kostet seit 2006 30 Euro. Für das Parken im Parkhaus wurden Zahlen seit 2014 genannt: In diesem Zeitraum erhöhten lediglich 5 von 20 Parkhäusern ihre Gebühren (zwischen 10 und 25%), über alle Parkhäuser gemittelt ergibt sich eine Preissteigerung von 4%.

Tatsächlich gab es seit 2002 auch eine Erhöhung der Parkgebühren im öffentlichen Raum. Und zwar wirklich genau eine: 2012 verteuerte sich 1 Stunde Parken in der Innenstadt von 1,50€ auf 2€ – was ja immerhin 33% sind. Vier Jahre zuvor, 2008, gab es jedoch auch eine faktische Preissenkung in Form der „Semmeltaste“: Damit sind 30 Minuten Parken gänzlich kostenfrei. Interessant ist dabei ein Blick auf die tatsächlichen Einnahmen der Stadt aus der Parkraumbewirtschaftung. Nimmt man das Jahr der Semmeltasteneinführung einmal heraus und vergleicht die Jahre 2007 und 2009, so sanken die Einnahmen um ein Viertel (!). Insgesamt zeigt sich ein herber Einbruch zwischen den Jahren 2003 und 2011 um beinahe die Hälfte.

2012 wurden daraufhin nicht nur die Preise erhöht, die freie „Semmeltastenzeit“ wurde auch auf 20 Minuten verkürzt sowie die gebührenpflichtige Zeit ziemlich drastisch von voher 10-18 Uhr auf 8-20:30 Uhr ausgedehnt. Vergleicht man nun aber wieder die tatsächlichen Einnahmen von 2011 und 2013, so zogen die Einnahmen nur um knappe 30% an – also nicht einmal um den Betrag der Preissteigerung. 2015 wurde die „Semmeltaste“ wieder auf 30 Minuten verlängert und die gebührenpflichtige Zeit auf 9:30-20:30 Uhr verkürzt. Als Resultat standen 2016 rund 15% weniger (!) Einnahmen aus Parkgebühren als 2003 zu Buche.

Die Moral von der Geschicht’

Was der Anfrage fehlt ist eine Auskunft über die Zahl der zugelassenen PKW. Auf die Schnelle findet sich jedoch hier eine Zahl: Demnach stieg die Zahl der zugelassenen PKW in den letzten 9 Jahren um etwa 18%, bezogen auf die Einwohnerzahl immer noch um 8%. Wenn die Nachfrage das Angebot bestimmt, sollte diese Steigerung auf alle Fälle berücksichtigt werden. Wenn man die geänderten Umstände beim Parken (erweiterte gebührenpflichtige Zeit, Semmeltaste) außen vor lässt und die Preissteigerung für eine Stunde Parken als Referenz nimmt, sind die Tickets im ÖPNV im gleichen Zeitraum zwischen 20 und 33% stärker gestiegen. Bei allem Verständnis um die Aufregung über die Tarifreform und die Preisverdopplung im Grenzfall sollte dieses Ungleichgewicht noch sehr viel deutlicher ins Rampenlicht gestellt werden – gerade in einer so engen Stadt wie Augsburg, in der man sich ständig anhören darf, dass hier und dort und da „für einen ‚echten‘ Radweg halt kein Platz sei“. Parken benötigt Platz und Platz ist eine sehr beschränkte Ressource im Stadtgebiet.

In diesem Sinne ist die Forderung der Grünen, die Parkgebühren in der Innenstadt deutlich anheben zu wollen, völlig folgerichtig. Weshalb die AZ diese Forderung allerdings in den Zusammenhang mit der ÖPNV-Tarifreform stellt und den Artikel polemisch aufmacht:

Die Tarifreform im Nahverkehr beschäftigt die Augsburger und die Parteien. Sie fordern Nachbesserungen. Sollen die Autofahrer für mehr Nahverkehr bezahlen?

bleibt ein Geheimnis. In der beschlossenen Resolution zu diesem Thema bleibt die Parkgebührerhöhung nämlich völlig unerwähnt. Ganz abgesehen davon, dass die Einnahmen aus der Parkraumbewirtschaftung – gemäß der oben verlinkten Antwort der Stadt – dem allgemeinen Haushalt zugeschlagen wird, eine Zweckbindung also gar nicht stattfindet. Was nicht heißen soll, dass eine Änderung nicht angestrebt wird (ob sie möglich ist, steht auf einem anderen Blatt). Aber dass man die Diskussion mit solch einer Einleitung direkt aufs falsche Gleis befördert, sollte jemandem, der mit dem Schreiben von Texten sein Geld verdient, bewusst sein.