Dream a little dream with me

Wenn hierzulande ein Radweg eine Straße kreuzt, dann sieht das gerne so aus: In der Mitte eine „Überquerungshilfe“ (die mit Gespann oder langem Rad gerne eine Falle ist, da zu schmal) und eine ganze Reihe von zu überquerenden und je nach Tagesform des Straßenbaus mehr oder minder abgeflachte Randsteine. Nicht nur, dass ganz selbstverständlich die Straße Vorfahrt genießt, die gesamte Gestaltung ruft laut und deutlich: der Radweg ist nachrangig.

Und zwar: immer. Klar, eine Straße ist ja auch immer wichtiger als ein Radweg – könnte man meinen, wenn man so durch die Gegend fährt. Erst kürzlich bin ich im Umkreis des Brombachsees auf zwei ganz hervorragenden, Radschnellweg-ähnlichen Radstrecken gefahren, die aber, kaum dass sie eine Ortschaft erreichen und dort eine dahergelaufene Nebennebennebenstraße queren, die Vorfahrt genommen bekommen. Bei einer Münchendurchfahrt stolperte ich über ähnlich groteske Kreuzungen, an denen ganze Trauben an Radfahrern links und rechts einer Kleinststraße an einer Ampel eine geschlagene Minute warten, während auf der Straße rein gar nichts los war.

Dass ein kreuzender Radweg Vorfahrt bekommt, scheint im deutschen Straßenwesen kein Fall zu sein, der vorgesehen ist. Malt man sich die dazu nötige Beschilderung aus, sähe das auch höchst kompliziert aus. Dabei gibt es ganz ohne Zweifel Fälle, in denen ein Vorrang des Radwegs Sinn ergäbe und im Sinne einer Verkehrsberuhigung sogar erwünscht sein müsste. Wahrscheinlich nicht einmal das klarste Beispiel, aber eines, das nun einmal auf einer meiner häufigen Routen liegt: der General-Cramer-Weg im Sheridan-Park. Er durchschneidet das Gewerbegebiet und verbindet so Leitershofen/Stadtbergen über die Panzerstraße und unter der B17 hindurch mit dem Wohngebiet im Sheridan-Park. Ein ganz wunderbarer Weg, um jenseits des Verkehrs nach/durch Pfersee zu gelangen. Zweimal kreuzt der Radweg dabei Straßen, zweimal hat man natürlich die Vorfahrt zu achten. Ist nun der Verkehr in einem Gewerbegebiet so viel wichtiger als der Radverkehr auf einer Aus-/Einfallachse – was dieser kleine Weg nun mal ist? Muss der motorisierte Verkehr in einem Gewerbegebiet so dringend „fließen“? Zu allem Überfluss hat man in der Pröllstraße auch noch eine Bushaltestelle just an der Schnittstelle zum Radweg platziert, sodass einem ein Bus tatsächlich den kompletten Weg versperren kann. Viel weniger Achtung kann man dem Radverkehr gar nicht entgegenbringen.

Wie genau eine vorrangige Radwegquerung nun genau aussehen könnte, sei dahingestellt. Möglich ist sie auf jeden Fall. Eine niveaugleiche Führung ist wünschenswert, sodass zur Abwechslung einmal der (dann nachrangige) motorisierte Verkehr über Schwellen oder Höhenunterschiede fahren muss (die man sicher so ausführen kann, dass sie schwerlastverkehrverträglich sind). Die Oberfläche sollte durch Farbe oder Material die Fahrbahn des motorisierten Verkehrs deutlich unterbrechen. Die Inselchen können gerne bleiben, verschmälern sie doch die Straße und führen tendenziell zu niedrigeren Geschwindigkeiten.

Selbst, wenn solche Lösungen im Straßenbau nicht vorgesehen zu sein scheinen – steht denn irgendwo vorgeschrieben, dass man es nicht trotzdem so machen könnte, wenn man wollte?