In diesem Winter will es die Stadt besser machen

Es geht natürlich um den Winterdienst in Augsburg und es ist natürlich – Spoiler – wie mit allen guten Vorsätzen.

Die Bilder sind allesamt von Montag Vormittag (siehe Bildunterschriften für Details). Den ersten (weniger groß als angekündigt ausgefallenen) Schneefall von letzter Woche habe ich ausgelassen, was nun liegt, ist das Ergebnis des kontinuierlich mäßigen Schneefalls von Samstag Nacht bis Sonntag Nachmittag, was irgendwo zwischen 5 und 10 cm gewesen sein dürften. Seither wäre eine Menge Zeit gewesen, auch die Radwege in einen guten Zustand zu versetzen.

Was man bei der Bewertung des Winterdienst stets berücksichtigen muss, ist das Koordinatensystem, in dem man sich bewegt, sprich: was erwartet man denn überhaupt? Was ist schlecht, was ist gut und was ist zumindest gut genug? Seltsam, dass man darüber überhaupt sprechen muss, denn stellt sich diese beim PKW-Verkehr überhaupt? Klar, auch hier gibt es Einschränkungen. In vielen Wohngebieten etwa ist der Winterdienst schlicht überhaupt nie unterwegs. Vielleicht kommen die Maschinen dort in den zugeparkten engen Straßen gar nicht erst durch. Vor allem aber liegt der Fokus (natürlich) auf den Hauptstraßen. Das ganze Straßennetz ist schlicht nicht freizuschaufeln. Kleinere Straßen sind dann eben erst später dran.

So ähnlich stellt sich das der unbedarfte Mensch mit der Priorisierung vielleicht auch mit Radwegen vor. Ja, die soll man auch räumen, aber halt vielleicht ein bisschen später. Und natürlich auch nicht alle. Naja, und vielleicht auch nicht so oft. Snd ja so wenige Radfahrer unterwegs.

Diese Vorstellung geht jedoch in vielen Fällen nicht auf. Warum etwa sollen Radwege eigentlich weniger oft geräumt werden als Straßen? Weil Räder mit teilverschneiten Wegen besser zurecht kommen als Autos? Das ist doch ganz offensichtlich grober Unfug. Wie auch beim generellen Zustand der Straßen (Schlaglöcher) bräuchten Radfahrer sogar stets die besseren Bedingungen. Jedwede Schlechterbehandlung von Radwegen reduziert sich somit immer nur auf das Argument: Weil es weniger Radfahrer gibt, sind sie weniger wichtig, und weil man die Ressourcen sehr gezielt setzen muss, fallen die Unwichtigen hinten runter. Und wenn man dieses Argument noch mit sehr sehr viel Wohlwollen als pragmatisch notwendigen Kompromiss ansehen könnte, so ist er doch im Grundsatz diskriminierend.

Und die Argumentation steht sich selbst im Weg. Denn ohne bessere Zustände auf den Radwegen wird sich auch die Anzahl der Radfahrer nicht signifikant erhöhen. Sie ist Ausdruck der Kapitulation vor dem vermeintlich Unabänderlichen: im Winter kann man nicht Radfahren. Also muss man auch keine Wege räumen. Henne, Ei, immer hübsch im Kreis herum.

Aber wie gesagt: Eine Priorisierung ist nicht per se verkehrt, man kann die herrschenden Sachzwänge ja auch nicht vollständig ignorieren. Umso mehr muss man jedoch die Bedürfnisse des schlechter behandelten Radverkehrs kennen und verstehen, um die Nachteile in Grenzen zu halten. Und möglicherweise mangelt es genau daran.

Denn sollte es nicht offensichtlich sein, dass für den Radverkehr freie Auf- und Ableitungen essenziell sind? Radverkehrsführungen sind eben, wie sie sind: mal auf der Fahrbahn, mal auf dem Hochbord. Und große Räumfahrzeuge schieben diese zwangsläufig zu. Ein kleineres Fahrzeug müsste diese wieder freischaufeln. Doch die kleineren sind seltener unterwegs (und/oder nicht in ausreichender Zahl vorhanden), weshalb hier schon prinzipbedingt keine zufriedenstellende Lösung erreicht werden kann – zumindest wenn man blind nach Schema F vorgeht und wenigstens auf Hauptverkehrsachsen solche Stellen nicht ganz gezielt behandelt.

Auch kommt Schnee nicht nur von oben. Er wird auch, wenn er erst einmal liegt, von Parkbuchten und Einmündungen auf die Hauptstraßen getragen. Uns Radfahrer trifft das, weil unsere Wege eben am Fahrbahnrand verlaufen. Und so sind viele ansonsten freie Radwegen um Kreuzungen und Einmündungen herum mit Schnee(matsch) versaut. Ziehen die Temperaturen an – wie etwa für die kommende Nacht mit zweistelligen Minusgraden prognostiziert – dann wird aus dem Matsch knallhartes Eis. Einmal mehr ein Grund, Radwege und -spuren eher öfter zu räumen als weniger. Dass Autos in Straßen einbiegen und aus Parkbuchten heraus fahren lässt sich nunmal schwer verhindern, diesen Schneeeintrag wird es also immer geben. Doch stattdessen wird er komplett ignoriert.

Und es ist diese Achtlosigkeit, die so nervt. Dass Wege und Straßen im Wohngebiet kaum geräumt werden – Schwamm drüber. Dafür ist der Winter der Winter und Einschränkungen muss man hinnehmen. Aber was einem auf Hauptverkehrswegen heute so begegnet scheint nicht nur Ausdruck fehlender finanzieller Mittel zu sein. Es wirkt vielmehr an den Bedürfnissen des (schwächeren) Radverkehrs vorbei. Entweder unbewusst, weil man es nicht besser weiß, oder in Kauf genommen, weil man den Mehraufwand einfach nicht bezahlen möchte.

In einer „Fahrradstadt“ muss man schon fragen: Wann ist denn der Zeitpunkt gekommen, den Winterradverkehr ernst genug zu nehmen, dass man den notwendigen Aufwand für anständige Fahrbahnverhältnisse treibt? Wann wird ein ordentlich geräumtes Radwegenetz zu einer nicht zu diskutierenden Leistung? Oder ist Fahrradstadt ein jahreszeitlicher Begriff?

Waaaaah!

Back to normal

Augsburg hüllt sich wieder in Nebel, aber das hat doch auch was. Happy commuting everybody!

bike2work

Kalt? Und wie. Aber halt auch wahnsinnig schön.

Radampel am Vogeltor

Ah, wir haben an der Kreuzung Vogeltor/Am Schwall eine zweite Fahrradampel spendiert bekommen. Nach der vor dem Fußgängerüberweg hängt nun auch eine auf der anderen Straßenseite – und ehrlich gesagt hätte ich davon gerne mehr (im Gegensatz zu den Babyampeln, mit denen ich noch nicht warm werde). Sie hängt sauber in der Flucht der Radfurt und ist auch für rechts abbiegende PKW während des Abbiegens einsehbar. Die Grünphase für Radfahrer ist nun deutlich verlängert. Dass die Streuscheibe der bisherigen Kombiampel nicht getauscht wurde und derzeit somit gleichzeitig rot und grün für Radfahrer angezeigt wird (siehe Bild 2), halte ich übrigens für ein absichtliches Meisterstück der Selbstironie, das speziell zur Unterhaltung von uns Radfahrern hinterlassen wurde 🙂 (wurde am nächsten Morgen korrigiert, siehe Bild 3)

Ja da schau her

Vor langer, langer Zeit – vermutlich waren es die alten Römer – wurde stadteinwärts am Ende der Langenmantelstraße ein Radweg-Stummel auf das als reiner Fußweg beschilderte Hochbord markiert, auf den man zudem über den Randstein hätte hüpfen müssen, um ihn zu erreichen.

Seit einigen Wochen ist dieser Radweg nun tatsächlich bis zur letzten Randsteinabsenkung verlängert – und, oh Gott oh Gott, nach einigen Monaten sogar mit einem abgesenkten Randstein an der Aufleitung gesegnet. Bleiben die parkenden Autos, die, wie man im Bild sieht, den Platz regelmäßig so verengen, dass die markierte Radspur von Fußgängern benutzt werden muss. Und bis zur Ampel, wo man bequem auf die Radfurt wechseln kann, sind es kaum 50 Meter, die Fahrspur zur Ampel hin wird noch ein Stück breiter. Immerhin kann man nun in einer Situation wie auf dem Bild ganz legal auf dem Hochbord an der wartenden Autoschlange vorbei bis zur Ampel rollen.

In der Langenmantelstraße darf man dennoch vielmehr gespannt sein, ob die Stadt den großen Wurf wagt und je Fahrtrichtung eine PKW-Spur streicht und so eine Menge (ungestörten) Platz für FußgängerInnen (auf dem Hochbord) und RadfahrerInnen (auf einem Radstreifen) schafft. Das würde dann wohl (hoffentlich) auch das Problem der vielen FußwegradlerInnen durch die Plärrer-Haltestelle beseitigen.

Be careful what you wish for

Ich wünschte mir, mehrfach sogar, einen Poller am Ende der Parkplatzfläche in der Rosenaustraße, damit das Zuparken des anschließenden Rad-/Fußweges endlich ein Ende finden möge. Nun, ich habe einen bekommen. Zwei sogar. Nur … glücklich macht mich das jetzt auch nicht.

Ja, tatsächlich, mit diesen beiden Pollern ist das Zuparken des Radwegs nun wohl Geschichte. Nur stehen jetzt eben Poller im Weg. Wer mal mit Anhänger unterwegs ist – da muss man schon gut zielen. Ich hatte bei meinem Wunsch eher eine Abtrennung quer zur Fahrbahn im Sinn. Zugegeben: Da hätte man sich dann einfach daneben stellen können. Wäre garantiert passiert, nicht nur einmal. Aber das hätte man mit einer entsprechenden Gestaltung sicher minimieren können – unterschiedliche Oberflächen, Steine statt Poller, oder eben mit einem auffälligen Symbol auf dem Weg. Und man hätte die Stelle natürlich für einige Wochen verstärkt kontrollieren müssen. Da parken schon immer dieselben Pappenheimer, die hätten es nach zwei Strafzetteln verstanden.

So ist es halt … ok. An Pollern kommt man etwas besser vorbei als an Deppenparkern. Ok. Es ist besser als vorher. Ganz richtig verstanden fühle ich mich jedoch nicht.

Schnittig

Geschnittenes Kopfsteinpflaster rund um den Herkulesbrunnen in der Maxstraße. Wenn sie das irgendwann nicht nur um einen Brunnen herum, sondern auf der gesamten Länge der Maximilianstraße hinbekommen haben werden, ist das für mich persönlich die bislang beste Einzelmaßnahme im Rahmen der Fahrradstadt 2020.

Mit Abstand.

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Video-Link: https://youtu.be/Y7KgRzpR8vA

Wo man neben parkenden Autos fahren sollte?

Lasst euch ja nie erzählen, ihr würdet „zu weit in der Mitte“ fahren.

1,4 Meter Platz – klingt doch gar nicht mal wenig? Bis eine Tür aufgeht.

Das Ausweichmanöver im gezeigten Fall war nicht weiter wild – die Tür ging langsam auf, es war vergleichsweise lange abzusehen, dass der Fahrer nicht schauen wird, die Straßenverhältnisse waren trocken. Doch es war jeder Zentimeter bis zu den Tramgleisen notwendig, um an der Tür vorbeizukommen. Nasse Straße, Wind? Gleich sieht es anders aus. 1,4 Meter sind in diesem konkreten Fall neben den Gleisen befahrbar – breiter als viele Schutzstreifen. Den zusätzlichen Abstand zur Parkreihe durch die Pflastersteinreihe gibt es auch nicht überall – sind wir schon bei 1,6 Meter Platz, was den Abstand zu parkenden Autos angeht.

Es darf nun jeder seine/ihre eigenen Schlüsse ziehen, wie viel „Schutz“ Schutzstreifen – zumindest entlang Längsparkreihen – bieten und wie sinnvoll der Vorwurf an Radfahrer ist, man sei „zu weit in der Mitte“ gefahren.