Wofür wollen wir öffentlichen Raum nutzen?

Ob früher alles besser war? Unwahrscheinlich, ich weiß es aber auch nicht. Aufgewachsen bin in in einem kleinerem Ort im Dunstkreis Augsburgs, in einer Spielstraße. Zugeparkte Straßen sind nichts, was Teil meiner (Kindheits-)Erinnerungen wäre. Viel mehr ungehinderte Ballspiele, aufgespannte Federballnetze (ja, quer über die Straße), kurzum: viel Platz. Mit der Erinnerung ist das natürlich so eine Sache, und in der Stadt mag es schon immer anders gewesen sein.

Fast forward ins Hier und Jetzt, in ein gewachsenes Wohngebiet in Haunstetten. Tempo 30 Zone. Jede verfügbare Baulücke wird hier derzeit gefüllt, mit einer absurden Anzahl an Wohneinheiten. Zu ebenso absurden Preisen. Gespart wird offensichtlich an Garagen. In direkter Nachbarschaft wurden auf ein Gelände, auf dem vorher nur ein Haus stand, fünf Reihenhäuser gepackt. Etwas daneben weitere sieben Einheiten. Ein paar Straßen weiter zwei Sechs(!)familienhäuser (mit ganz bestimmt weniger als 12 Garagen). Spätestens seit der Fertigstellung dieser Häuser sind freie Plätze entlang der Straße praktisch nicht mehr existent, was insbesondere abends, an Wochenenden oder um Feiertage herum spürbar wird.

Die direkten Auswirkungen davon sind, dass die ohnehin engen Straßen de facto zu Einbahnstraßen werden. Die aber leider nach wie vor in beide Richtungen befahren werden. Raum zum Ausweichen gibt es keinen mehr, es gilt eine reines „wer zuerst kommt, malt (fährt) zuerst“. Kreuzungsbereiche werden noch weniger als zuvor freigehalten, die Parkkolonne setzt sich in noch kleinere Nebenstraßen fort. Die Übersichtlichkeit bleibt zwischen Autokarossen und Thuja-Hecken auf der Strecke.

Was nun aus Sicht eines geübten Radfahrers nach einer gewissen „Lästigkeit“ klingt, erscheint in einem ganz anderen Licht, wenn man mit einem kleinen Kind unterwegs ist. Das ruhige Wohngebiet, in dem man Radfahren üben kann? In dem man es eher früher als später allein zum Bäcker, zur Schule, zur/m Freund/in fahren lassen kann? Ich durfte seinerzeit noch „bis zur großen Straße“ fahren. Die liegt heute, könnte man meinen, direkt hinterm Hoftor.

Doch selbst in Begleitung ist das Radfahren nicht einfach. Immer mehr, immer geschlossenere Parkreihen am Straßenrand bedeuten null Sicht auf das Kind auf dem Gehsteig. Ob es nun eine schlechte Idee ist, ob für Kinder überhaupt eine Gehsteigbenutzungspflicht gilt oder andersherum für Eltern das Verbot, ihre Kinder auf selbigem zu begleiten, sei nicht das Thema – es ist, wie es ist. Doch der Parkdruck macht ja auch vor Bürgersteigen nicht Halt. Kaum ergibt sich die Möglichkeit, z. B. weil der Bürgersteig etwas breiter wird, parken auch hier Autos. Und wo eines steht, reihen sich in kurzer Zeit mehrere dahinter. Und wo öfters Autos stehen, stehen nach kurzer Zeit immer welche – der Parkplatz ist etabliert. Nun gibt es aber nicht nur Autos als Hindernis, sondern wöchentlich auch noch Mülltonnen. Passanten soll es auch noch geben. Dass an jeder zweiten Kreuzung der Randstein nicht abgeflacht ist, sei gänzlich unbeachtet. Was tun? Wieder runter mit dem Kind auf die Straße? Die Straße, die so zugeparkt ist, dass jeder Gegenverkehr in ein kaum auflösbares Dilemma führt? Wo Verkehrsteilnehmer zunehmend vergessen zu haben scheinen, dass bei einem Hindernis auf ihrer Seite sie nicht Vorfahrt haben, nur weil sie das stärkere Gefährt unterm Arsch haben?

Vielleicht gibt es heute mehr Autos als früher. Vielleicht haben die Häuser zu wenige Garagen. Vielleicht sind auch einige ältere Garagen schlicht zu klein für heutige Autos. Vielleicht werden die Garagen bei den lächerlichen Grundrissen moderner Bauten auch vorrangig als Stauraum genutzt. Vielleicht ist es ein bisschen was von alledem. Aber für das Abstellen des Autos gibt es ja die Straße. Schließlich hat man ein Recht darauf, im Wohngebiet zu parken, richtig?

Freilich ist das nicht richtig, war nie richtig, wird auch nie richtig sein. Und wir müssen uns endlich die Frage stellen, ob wir unseren öffentlichen Raum für etwas so Unnützes wie ein parkendes Gefährt verschwenden wollen. Individuelle Mobilität ist eine große Errungenschaft, aber der Preis dafür wird zunehmend unbezahlbar. Das Auto, mit welchem wir uns vorrangig diese Mobilität ermöglichen, steht zu einem aberwitzigen Anteil nutzlos herum. Je mehr Menschen ein Auto besitzen, desto mehr Autos stehen herum. Auf demselben Raum. Man muss kein Mathegenie sein, um hier einen gewissen Konflikt zu erkennen.

Weder ist es normal, dass wir unsere Innenstädte nach Autos ausrichten, noch ist es normal, dass in Wohngebieten eben alles vollgeparkt ist. Wir richten unser Leben, unseren Alltag auf die Verfügbarkeit individueller Mobilität aus, bewerten deshalb alle Nebeneffekte als unumgänglich und stufen sie wichtiger ein als alles andere. Wir opfern immer mehr öffentlichen Raum und viele sind auch noch davon überzeugt, dass dies eine Unabdingbarkeit, gar ein willkommener Umstand sei. Dabei ist jede/r Einzelne von uns auch ein Anwohner, ein Fußgänger, die meisten auch Radfahrer, viele haben selbst Kinder. Wie kann man diese Bedürfnisse so nachhaltig ausklammern? Was nützt es, dass für fehlende Abstellplätze Ausgleichszahlungen in irgendeinen Topf gezahlt werden können, wenn vor der eigenen Haustür keine Straße übrig bleibt? Was nützt es, bei der Miete einer Wohnung die separate Tiefgaragenmiete einzusparen, wenn alle anderen diese schlaue Idee auch schon hatten? Was nützt es, dass praktisch alle Wohngebiete Tempo-30-Zonen sind, wenn dieses Tempo, selbst wenn es respektiert würde (Hint: wird es nicht), viel zu hoch ist? Ist der Preis des Autobesitzes also, dass der öffentliche Raum in Wohngebieten zu einem vollgestellten Parkplatz wird, in dessen Unübersichtlichkeit wir unseren Kindern Helme und Westen überstülpen, sie aber doch lieber gar nicht zu Fuß oder auf dem Rad hinaus lassen, sondern sie mit dem Auto ans Ziel bringen, wo wir dann auch noch mehr Parkplätze benötigen – und fordern?

Leider kann ich keine Lösung anbieten. Zumindest keine, die einfach umzusetzen wäre. Nur einen Anfang: Infragezustellen, wie weit es dem Auto möglich sein kann und darf, weite Teile unseres Alltags zu bestimmen.

Milchberg-Reparatur

Kein Grund, jemandem jubelnd um den Hals zu fallen, aber ein anerkennendes Kopfnicken sei hiermit überbracht. Die allerschlimmsten Stellen am Milchberg wurden vor ein paar Wochen frisch asphaltiert. Der große Wurf fehlt mir hier nach wie vor, aber vielleicht ist der auch erst möglich, wenn endlich die alberne Straßenbahntrasse durch die Maximilianstraße geklärt ist.

Wenn wir schon bei der lobenden Erwähnung überfälliger Ausbesserungsarbeiten sind: Auch in der Hochfeldstraße wurde stadtauswärts nach der Abzweigung in die Von-der-Tann-Straße das gröbste Geholper begradigt, wenngleich nur mit geringstmöglichem Aufwand. Ja, es fällt schon auf, aber entschuldigung, mehr Euphorie ist dafür nicht drin.

Rechts abbiegen bei rot – geht doch!

Der Grünpfeil für Radfahrer ist sicherlich eine gute Idee. Das Rechtsabbiegen an roten Ampeln ist im Pariser Plan „eine der bedeutendsten Fahrradstädte der Welt zu werden“ explizit aufgeführt. Und das kann ja so einfach sein, wie die ausnahmsweise einmal sinnvolle Straßenmalerei hier zeigt. Das recht großzügige Hochboard im Kreuzungsbereich wird für eine extra Radspur verwendet, die neben der Einordnung als Linksabbieger auch das unterbrechungsfreie Rechtsabbiegen ermöglicht – sogar selbst dann noch, wenn geradeaus schon RadfahrerInnen an der roten Ampel warten.

Das mag keine große Sache sein, freut aber trotzdem. Vielleicht sogar umso mehr, weil die Maßnahme so einfach scheint, aber dennoch so selten anzutreffen ist. Bitte mehr davon!

Innenstadt, was willst du eigentlich?

Dieses abgebildete Schild ist eines von vielen, die seit Kurzem Augsburgs Einfallstraßen „schmücken“ und damit Teil der Innenstadtkampagne. Es weist den Weg ins Stadtzentrum. Ins neue Stadtzentrum. Nicht, dass dieses Zentrum jetzt woanders läge oder es bislang keine Beschilderung gegeben hätte. Aber man kann es beileibe nicht übersehen. Es ist riesig, es ist bunt, und es verspricht auch noch den „bequemen“ Weg in die Innenstadt. Da die Kampagne ja gerade jene aus dem Umland anlocken soll, die lange nicht mehr da waren, darf man annehmen, dass die so angesprochenen – Ortsunkundige – den Schildern bereitwillig folgen.

Mein Problem mit diesen Schildern – und diesem hier im Speziellen – ist: sie leiten wirklich wortwörtlich ins Zentrum. Dort stehen dann Schilder, auf denen steht: „Da bist du ja“. Schön, das Schild hat seine Schuldigkeit getan, legt die Füße hoch, macht sich ein Bier auf und schaut dem Treiben zu. Diejenigen, die den Schildern gefolgt sind – und wahrscheinlich alle anderen ignoriert haben, schließlich fahren sie dem „bequemen“ Weg nach, den die knalligen Schilder weisen – sind nun samt ihrer 12 Kubikmeter-Blechschüssel mitten im Zentrum und sollen sich nun eine andere Beschilderung suchen, die ihnen endlich einen Parkplatz weist. In der Tat finden sich Augsburgs Parkhäuser leider überwiegend sehr nah am oder eher schon im Zentrum (hier eine Übersicht). Womit ich auf das abgebildete Schild zurückkomme. Es steht auf der Amagasaki Allee, einer Ein- und Ausfallstraße aus dem/in den Augsburger Osten. Etwa einen Kilometer vor dem östlichsten Parkhaus der Stadt. Leitet das Schild dorthin? Nein. Es leitet davon weg (auf seinem Weg in die Innenstadt sogar wiederholt). Wo liegt da der Sinn?

Was sollen diese Schilder? Wie lautet die Definition von bequem? Was diese Schilder tun, ist PKW-Ströme in das Zentrum zu führen. Das ist aber nicht das Ziel der Reisenden, solange sie noch im Auto sitzen (und zudem kein Problem, das sich stellt und gelöst werden müsste). Das Ziel dieser Menschen ist ein Parkplatz. Alles andere als Wegweiser, die einem einen möglichst bequemen – lies: nahe liegenden – Parkplatz aufzeigen, sind überflüssig und kontraproduktiv. In der Tat benötigt Augsburg ein besseres Parkleitsystem, aber jenes, das es besitzt, wird von diesen sinnentleerten Schildern auch noch überstrahlt. Da nutzt auch der Hinweis nicht, man möge das Parkleitsystem beachten. Da ist ein verdammter Pfeil auf dem Schild, da steht „bequem“, es ist das größte Schild von allen – NATÜRLICH fährt man diesem Schild hinterher! Aber es führt nicht zu einem Parkplatz, sondern nur zu einem weiteren Schild, auf dem steht, man solle nach anderen Schildern Ausschau halten – denen man schon lange hätte folgen können.

Also was, liebe Innenstadt, willst du? Du willst Menschen in deinem Zentrum. Keine Autos. Autofahrer sind nicht deine Zielgruppe. Menschen sind es. Die wiederum, und da gehe ich jede Wette mit, weniger Autos im Zentrum sehr bequem finden würden.

RadfahrerInnen kann man alles zumuten

Wir können gerne über Zweirichtungsradwege diskutieren. Gerade im Innenstadtbereich, wo Radrouten viele Start- und Zielpunkte haben können und weniger über weite Entfernungen von A nach B führen, sondern von Geschäft zu Geschäft, birgt die Freiheit, Wege auch linksseitig oder Kreuzungen nach Gutdünken zu umrunden, ein enormes Komfortpotential. Das Fahrrad in seiner Zwitterrolle zwischen Fußgänger und Fahrzeug bietet einerseits die Wendigkeit und Kompaktheit, dies so zu praktizieren, andererseits aber auch die Geschwindigkeit, die gegenüber allen anderen Verkehrsteilnehmern zum Problem werden kann. Dass sowohl StVO als auch – vor allem – die praktizierte Regelauslegung und Radwegeführung in den Städten diesen Zwittercharakter eher unterstreicht als auflöst, ist auch nicht hilfreich. Fakt ist, dass die Verwaltungsvorschriften zur Straßenverkehrsordnung der linksseitigen Radwegeführung sehr hohe Hürden in den Weg stellen. Nicht nur deshalb sollte für Zweirichtungsradwege gelten: Der Weg muss baulich geeignet und deutlich markiert sein.

Im abgebildeten Beispiel, entlang der Eserwallstraße hinunter zum Roten Tor, trifft nichts davon zu. Der Weg, der auch noch für Fußgänger herhalten muss, ist zu eng, gleich an beiden Seiten mit Hindernissen versehen*, führt im 90-Grad-Winkel um eine vollständig uneinsehbare Kurve und gibt, als wäre das alles nicht genug, in keinster Weise auch nur irgendeinen Hinweis, dass einem hier ganz legal Gegenverkehr droht. (*die Absperrung links dürfte der notwendige, wenn auch kümmerliche Versuch der Einhaltung eines Sicherheitsabstandes zur Fahrbahn sein)

Wer nun einwendet, dass man „eben so vorsichtig fahren müsse, damit nichts passiert“ hat selbstverständlich recht. Nur a) gilt das für jede beliebige Verkehrssituation, b) könnte man dann die StVO nach § 1 abschließen, c) würde es dann nie mehr Unfälle geben, d) funktioniert c ganz offensichtlich ja nicht und e) schließt das noch lange nicht aus, dass man trotzdem verlangen darf, von derartiger Infrastruktur verschont zu werden. Von den mindestens vorgeschriebenen 2,50 Metern Breite (für einen kombinierten Rad-/Fußweg) darf man hier höchstens träumen, die Beschilderung mit Zusatzzeichen 1000–31, welche den Gegenverkehr anzeigt, ist zumindest laut ERA empfohlen, wenn schon nicht per StVO vorgeschrieben. Und dass die ERA bei Zweirichtungsradwegen einen Sicherheitstrennstreifen zur Fahrbahn nahelegt, sodass den Radlern in Gegenrichtung ein halber Meter Luft bleibt, das wagt man gar nicht in Betracht zu ziehen.

Die Eserwallstraße wurde vor nicht allzu langer Zeit vollständig umgekrempelt. Und dabei war es nicht möglich, diese elendige Kurve zu entschärfen? Es war nicht möglich, für geschätzte 5 Euro wenigstens ein Zusatzschild an eine vermaledeite Stange zu schrauben, damit der mögliche Gegenverkehr kenntlich gemacht wird? Denn es soll ja auch Menschen geben, die fremd in der Stadt sind, die diese Stelle nicht kennen. Es soll auch Kinder auf Rädern geben, die selbst wenn sie sich recken und strecken nicht über die Mauer hinweg sehen können. Es soll auch Räder mit Anhängern geben, die den Gegenverkehr, selbst wenn sie ihn sehen, nicht vorbei lassen könnten, weil der beknackte Weg nicht breit genug ist.

Könnte man bis drei zählen, gäbe es irgendwo im Stadtgebiet eine PKW-Straße mit einer derartigen Anhäufung an baulichen Regelverstößen und Empfehlungsmissachtungen, bis die Stelle geändert würde?

Geradeaus. Sehr schwierig, das.

Vom Kobelweg kommend findet sich an der Kreuzung mit der Ulmer Straße etwas seltenes: Eine (full-size) Radampel mit Gelb-Licht, die *trommelwirbel* signifikant länger grün ist als ihr PKW-Pendant. Beim Linksabbiegen (Richtung Bahnhof), das wie üblich in zwei Zügen stattfindet, hilft das tatsächlich in manchen Fällen, die Wartezeit an der zweiten Ampelquerung zu reduzieren.

Leider hilft es überhaupt nicht jenen, die geradeaus in die Reinöhlstraße weiter wollen. Dieses Geradeaus nimmt nicht nur den schon üblichen Knick, sondern mündet auch noch ohne Umschweife in einem reinen Fußweg. Um weiter geradeaus zu fahren muss also auf die Fahrbahn gewechselt werden. Das wiederum geht nur direkt an der Fußgänger-/Radampel, über die man als Linksabbieger auch fahren würde – die zwangsläufig rot ist. Ob ich bei Rot vom Hochboard auf die Fahrbahn darf, wenn ich sie nicht überqueren sondern nur befahren will? Ganz ehrlich, keine Ahnung. Da aber bei rot in der Regel PKW-Verkehr herrscht (siehe Bild 2) verbietet sich das Einbiegen auf die Fahrbahn so oder so. Also hat man zwar gerade noch geradeaus eine grüne Ampel überquert, nur um an der anderen Straßenseite an einer Ampel zu stehen, die gar nicht für einen gelten sollte. Well played.

Irrwitzig daran ist vor allen Dingen, dass die Radfahrerin und der Radfahrer den Kobelweg vorher und die Reinöhlstraße nachher auf der Fahrbahn geführt werden. Erst 20 Meter vor der Kreuzung werden sie im Kobelweg überhaupt erst benutzungspflichtig auf das Hochboard gelenkt, wovon sie unmittelbar nach der Kreuzung durch die Deklaration als Fußweg wieder verjagt werden. Die Konsequenz daraus ist, dass die Geradeausfahrt völlig unnötig unterbrochen wird. Wieso, weshalb, warum? Warum denkt jemand bei der verlängerten Grünphase mit, wirft GeradeausfahrerInnen aber einen derartigen Stock zwischen die Beine?

Die Reinöhlstraße ist breit genug, um zumindest eine ordentliche Ableitung auf die Fahrbahn zu installieren, die ein unterbrechungsfreies Geradeausfahren ermöglichen würde. Man könnte auch die Radspur gleich “geradeauser” auf die Fahrbahn malen und das Hochboard auf der Gegenseite vollständig umgehen (auch wenn sich in diesem Fall die verlängerte Rad-Grünphase mit linksabbiegenden PKW in die Reinöhlstraße beißt – ein lösbarer Konflikt). Wenn man schon nicht über die Denksperre hinweg kommt, Radverkehr auch und gerade im Kreuzungsbereich auf der Fahrbahn zu führen und möglicherweise mit eigenen Grünphasen zu versehen.

Am Vogeltor

Das Vogeltor in Nord-Süd-Richtung hatte ich schon einmal hier und hier erwähnt. Aber auch in der Gegenrichtung ist es leider einen Beitrag wert. Direkt nach der Kreuzung mit der Jakoberwallstraße wird die Radspur benutzungspflichtig auf das Hochboard geleitet. Anstatt der im Bild subtil versteckten Baustellenschilder darf man sich zu vielen Zeiten gerne Fußgänger vorstellen, da der Strom von Passanten zwischen City Galerie (und dem zugehörigen Parkhaus) und der Alt-/Innenstadt zu einem großen Teil genau hier fließt und die Teilung in Rad- und Fußweg oft nur graue Theorie bleibt. Noch enger wird es nach dem Überqueren der Rechtsabbiegerspur in die Vogelmauer, da der Bereich mit abgesenktem Randstein begrenzt ist. Dass die Radwegmarkierungen im Boden widersprüchlich sind (Bild 2: halbe Spur, Bild 3: ganze Spur) passt ins vermurkste Bild. Die Sicht um das Vogeltor herum ist baulich bedingt schlecht, wegen des hohen Fußgängeraufkommens ist hier stets mit (Gegen-)Verkehr auf der Radspur zu rechnen. Kurz nach dem Tor beginnt zwar erneut ein Radstreifen auf der Fahrbahn (Oberer Graben, zufällig die Nummer 1 im Straßenranking von Things on Augsburgs Lanes), doch die Straßenquerung für Fußgänger von/zur Altstadt ist noch ein letztes Hindernis auf dem Weg.

Nun kann man gerne einwerfen, dass das Vogeltor, ähnlich wie das Jakobertor, eben ein unveränderliches bauliches Denkmal ist und man „sich doch mal arrangieren kann“. Kann man, ja, tut man auch, aber könnte man nicht auch nach besseren Lösungen suchen? Die liegen, wie ich finde, gerade hier einigermaßen offensichtlich auf der Hand.

Die vermeintlich einfachste Lösung wäre, den Radverkehr einfach gemeinsam mit den PKW auf der Fahrbahn durch das Vogeltor zu leiten. Da auch der Autoverkehr direkt nach dem Vogeltor auf die querenden Fußgänger achten muss, wäre Tempo 30 an dieser Stelle sowieso nicht verkehrt. Da das Tor zudem direkt hinter einer Kreuzung liegt, in vielen Fällen der Verkehr also gerade erst anrollt, wäre dies nicht einmal eine besondere Einschränkung. Da der Radverkehr sowohl vor als auch nach dem Vogeltor bereits auf der Fahrbahn geführt wird, wäre die Durchquerung auf der Fahrbahn nur eine konsequente Fortführung und auch für die Fußgänger auf dem Hochboard wohl angenehmer. Man könnte den Fußweg auch als „Fahrrad frei“ deklarieren, um weniger sicheren RadfahrerInnen eine Alternative zum Weg auf der Fahrbahn zu bieten.

Wenn diese Variante nicht gewollt oder aus welchen rechtlichen Gründen auch immer mal wieder vermeintlich unmöglich ist, so bliebe noch die Möglichkeit, dem Rad- und Fußverkehr um das Tor herum sehr viel mehr Platz zu geben. Wie man auf Bild 2 sieht, wurde dem kurzen Stück am Vogeltor entlang schon ein kleines bisschen (nutzloser, weil nicht mit abgesenktem Randstein versehener) Weg angestückelt. Warum nur ein bisschen? Warum nicht viel mehr? Man kann an dieser Stelle nur in die Vogelmauer einfahren, aber nicht aus ihr heraus – in diese Richtung ist es eine Sackgasse. Kann man da nicht noch weitere 5 Meter abzwacken? Das Gelände rechts des kombinierten Rad-/Fußwegs ist (imho) ein Stadtwerke-Gelände, also in städtischem Besitz. Warum Rad- und Fußweg (Bild 1) hier nicht deutlich verbreitern? Oder warum direkt an der Straße (immer noch Bild 1) den Gehweg nicht komplett streichen und zu einem reinen Radweg umdeklarieren – wenige Meter weiter parallel hierzu ist ein weiterer Fußweg (über eine Brücke) vorhanden, der sowieso schon von der Mehrheit genutzt wird.

Obwohl hier ausnahmsweise also sogar Platz im Überfluss vorhanden ist, werden FußgängerInnen und RadfahrerInnen auf weniger Raum um das Vogeltor herum geführt, als für den PKW-Verkehr im Tor zur Verfügung steht. Es ist – unnötigerweise! – die alte Leier der ungerechten Platzverteilung zugunsten des MIV.

Schilder selber basteln.

Offensichtlich leidet Augsburg unter Schilderknappheit, oder jede Baustelle muss mit verbundenen Augen aus einer großen Kisten Schilder ziehen und mit dem leben, was dabei herauskommt. Klebeband, Filzstift oder ein Laserausdruck sind auch erlaubt.

Bei der ganzen Bastelei kann man dann schon mal den Durchblick verlieren, was man wirklich aussagen wollte.

Links Abbiegen für Fortgeschrittene

Rrrreschbeggd. Sechs Ampeln um in schickem U-Bogen am Roten Tor, einer T-Kreuzung, links abzubiegen. Die Challenge steht, liebe Städte im Rest der Republik. Dann zeigt mal, was ihr könnt!

Sechs Ampeln und ein schicker U-Bogen um links abzubiegen. An einer T-Kreuzung. Reschbeggd.

Sechs Ampeln und ein schicker U-Bogen um links abzubiegen. An einer T-Kreuzung. Reschbeggd.

Das Rad als zweite Geige

Es mag ein subjektiver Eindruck sein, aber manchen Straßenzügen merkt man mehr als anderen an, dass dabei an das Rad entweder gar nicht oder erst viel später gedacht wurde. Die Neusäßer Straße ist so ein Fall. Stadtauswärts beginnt sie (mittlerweile) mit einem Radstreifen auf der Fahrbahn, für PKW bleibt eine Fahrspur je Richtung. Nach der Kreuzung mit der Stenglinstraße ist diese Radspur jedoch passé und der PKW-Verkehr rollt bis zum folgenden Kreisverkehr vierspurig. Ob das irgendeinen tieferen Sinn hat, wenn sämtliche umliegenden Straßen nur zweispurig sind – ich weiß es nicht.

Im Hier und Jetzt heißt es für RadlerInnen nach der Kreuzung auf alle Fälle, dass man auf vier Spuren auf sich alleine gestellt ist. Wenn ich mich recht entsinne, war das Hochboard auf diesem Abschnitt einmal ein kombinierter Rad-/Fußweg. Heute prangt dort zur allgemeinen Verwirrung ein Radweg-Schild – welches sich aber wohl auf die nach der Kreuzung noch angedeutete Radspur auf der Fahrbahn bezieht und nicht auf den Gehweg. Sinnvoller wäre hier das Anbringen eines Fußweg-Schildes, um unnötige Missverständnisse zu vermeiden.

Ob es das unsinnige Radweg-Schild ist oder die Wegführung auf der vierspurigen Straße, die sicher nicht jedermanns Sache ist – auf alle Fälle kann man eine Menge RadlerInnen auf dem Gehweg sehen, was spätestens auf Höhe der nächsten Bushaltestelle eine wirklich dumme Idee ist, selbst wenn dort gerade keine Fahrgäste warten (selbst Geisterradler habe ich auf diesem engen Weg schon gesehen). Für einige RadfahrerInnen mag es wie die Wahl zwischen Pest und Cholera erscheinen. Und wenn das Falschparken das Kavaliersdelikt des PKW-Fahrers ist, so gilt selbiges sicher auch für den Radfahrer und die Gehwegnutzung.

Doch wer sich mit der Nutzung der Fahrbahn arrangiert, sich dort den ihm oder ihr zustehenden Platz nimmt und sich nicht durch zu knapp überholende, wenig begeisterte PKW irritieren lässt, wird kurz vor Erreichen des anschließenden Kreisverkehrs doch wieder auf das Hochboard gejagt – in spitzem Winkel über einen abgeflachten Randstein, was noch nie eine gute Idee war. Der Platz für eine ordentliche Auffahrt auf das Hochboard wäre auf alle Fälle da (Grünstreifen).

Dass ich ein Fan davon bin, Radfahrer auf der Fahrbahn durch Kreisverkehre zu leiten, sollte bekannt sein. Und selbst wenn dieser Kreisverkehr durch die zusätzliche „Rechts-Dran-Vorbei-Abbiegespur“ (ich bin mir ziemlich sicher, dass dies der korrekte Fachbegriff dafür ist) ein wenig komplizierter sein mag, so ist er das vor allem, weil er mit PKW-Verkehr im Sinn konzipiert wurde. Rechtsabbieger fahren unter Umgehung des Kreisverkehrs direkt auf der rechten Fahrspur weiter, alle anderen ordnen sich links ein und fahren durch den Kreisverkehr. Bequem und schnell für alle, die rechts wollen (das wird dann schon die Mehrheit sein), ok für PKW, die in andere Richtungen wollen – und ein Hindernis für Radfahrer, deren Weg mit Vorfahrt-Achten-Schildern gepflastert mehrfach die PKW-Fahrspur kreuzt und zu allem Überfluss auch noch legal „falschherum“ führen kann (nach links, Gegenverkehr beim Kreisverkehrüberqueren, hooray).

Ob die Welt unterginge, wenn auch das Stück zwischen Stenglinstraße und Kreisverkehr auf zwei Fahrspuren mit Radspur verengt würde? Die Rechtsumfahrung des Kreisverkehrs könnte bleiben, Radfahrer, die in den Kreisverkehr wollen, würden zwischen dieser und der verbleibenden Fahrspur geleitet (Platz ist ja genügend vorhanden) und müssten zu keinem Zeitpunkt Spuren wechseln. Radfahrer, die rechts wollen, würde man auf der Rechtsumfahrung leiten (oder, wenn es sein soll, auch auf dem Hochboard, je nachdem, wie sich die Wegführung im Kobelweg anschließt). Natürlich ist dieser Kreisverkehr zu Spitzenzeiten stark belastet. Aber zu Spitzenzeiten fahren sicher auch viele RadfahrerInnen. Dass die jetzige Form nicht einmal für PKW die ideale Lösung ist, dürfte jeder bejahen, der hier schon im Stau stand. Dass es keine andere Form gibt, die gleichzeitig RadfahrerInnen weniger stark behindert als jetzt, wage ich einfach einmal zu bezweifeln. „Fahrradstadt“ würde für mich bedeuten, dass man sich eine solche Frage zumindest einmal stellt.

Wer braucht schon Ampeln

Auf der Kreuzung Gögginger Straße/Schertlinstraße wurde frisch markiert, jetzt neu mit fancy-pants Linksabbiegespürchen. Von dieser Disziplin der Straßenmalerei mag man halten was man mag, nur bliebe da ein klitzekleines Detail offen: es fehlt das Lichtzeichen, das einem sagen könnte, wann man denn fahren darf. Da kann man nur darauf hoffen, dass hinter einem oder gegenüber ein PKW steht. Wenn der losfährt, ist hoffentlich grün. Aber bis 2020 ist ja noch hin, vielleicht bekommen wir bis dahin ja nebst weißen Strichlein auch noch eine eigene Ampel.

[Update] Und nur vier Tage später hat die rechte Hand mitbekommen, was die linke gemalt hat … 🙂

"War doch nicht so gemeint" – alle Linksabbiegespürchen auf der Kreuzung sind erst mal wieder durchgestrichen.

„War doch nicht so gemeint“ – alle Linksabbiegespürchen auf der Kreuzung sind erst mal wieder durchgestrichen.

Wieviel Unsinn kann man für 100.000 Euro kaufen?

Wie schon einmal erwähnt wird die Augsburger Innenstadt demnächst unheimlich attraktiv respektive sie ist es schon – und das möchte man dem Augsburger Umland, welches die Innenstadt schmäht, einmal mitteilen. Eine der Maßnahmen habe ich heute auf dem Weg zur Arbeit entdeckt: neue Wegweiser ins Stadtzentrum. Nur für den Fall, dass die Menschen aus dem Augsburger Umland vergessen haben, wo das Rathaus steht.

Der erste große Wegweiser nach einer Ausfahrt von der Stadtautobahn verspricht einen „bequemen“ Weg ins Zentrum. Und ich frage mich kurz, ob sie einen wohl zu einem P+R leiten und muss dann selbst lachen. Nein, tun sie nicht. Die Wegweiser leiten einen in diesem Fall geradewegs durch die Pferseer Unterführung zum Bahnhof, wo ein Schild besagt „Da bist du ja“ – und man weiß nicht recht, ob die Macher überrascht sind, dass die Menschen tatsächlich den Weg gefunden haben oder ob es ein Echo der Autofahrer sein soll, die unter all den Baustellen die Innenstadt wiedererkannt haben.

Auf der offiziellen Webseite heißt es:

Lebensgefühl transportieren
Je mehr Geld fließt, um so mehr Wirkung kann das Konzept entwickeln. Geplant sind in diesem Jahr drei aufeinander aufbauende Werbewellen, die vor allem das neue Augsburger Lebensgefühl transportieren: Nach einem ersten Auftakt in Region und Stadt wird in der zweiten Welle das Innenstadt-Eröffnungsfest am Sonntag, 3. Mai, beworben.

Also handelt es sich bei den Schildern wohl mitunter um die „erste Werbewelle“. Jaja, da steckt schon eine Menge Lebensgefühl drin, und sicherlich werden die Schilder noch besser, wenn noch mehr Geld fließt. Dann sehen sie bestimmt nicht mehr aus wie Baustellenschilder. Tatsächlich sehen sie ganz exakt genau so aus wie all die Schilder, welche über Jahre hinweg während des Innenstadtumbaus Umleitungen anzeigten. Riesenidee. Auch dass das „Endschild“ mitten in einer Baustelle steht entbehrt nicht einer gewissen Komik. Und dass es einen dann dem Parkleitsystem überlässt – genau jenem Parkleitsystem, welches Wirtschaftsvertreter zur Aussage verleitet: „Gegenwärtig gebe es überhaupt kein Parkleitsystem“  – wird sicher zur guten Laune der herbeigelockten Umländer beitragen.

Aber all das ist ja nur Stümperei um des Pudels Kern herum: „Bequem“ ins Zentrum heißt also auch heute noch, mit dem Blecheimer direkt vor’s Loch zu fahren. Dass die Menschen genau diese Vorstellung mittlerweile in einer überwältigenden Mehrheit ablehnen – geschenkt. Dass man selbst mit „schön gestalteten Plätzen“ und „Genießen und Verweilen“ wirbt, was wahrscheinlich nicht im Auto stattfinden soll, sondern gerade ohne dieses – vergessen. Dass es Anstrengungen gibt, Augsburg zur Fahrradstadt zu machen – irrelevant, denn es geht ja nur um Menschen aus dem Umland. Dass Buslinien zugunsten der Tram an deren Endhaltestellen gekappt werden, um die Auslastung und damit letztendlich das Angebot des ÖPNV zu verbessern – nein, keine Ahnung, wie man das mit Anreisenden aus dem Umland verbinden könnte. Was, eine Wegweisung zu Park&Ride-Plätzen? Um Gottes Willen, wie unbequem, dieses Umsteigen. Umland = Auto = Parken in der Umkleidekabine.

Welches Jahr schreiben wir gleich nochmal?

Und nochmal: Straßenquerung

Nicht dass eine/r meint, der Neubau einer Deppeninsel Überquerungshilfe am Ortsausgang Inningen sei eine Eintagsfliege. Auch am Ortsende Göggingen Richtung Inningen greift man dem Radfahrer und der Radfahrerin neuerdings mit einer solchen baulichen Maßnahme (samt Benutzungspflicht der anschließenden Radwege) unter die Arme, um vermeintlich sicher die linke Straßenseite zu erreichen. Gleiches Schema, gleicher Mist.

Ist viel Verkehr, muss der/die RadfahrerIn erst den Autoverkehr abwarten, um wenig später vermutlich an der Ampel (Kreuzung Lindauer/Allgäuer) nochmals zu warten. Doch was finden wir, wenn wir die Überquerungshilfe ignorieren und auf der Fahrbahn weiter bis zur Kreuzung fahren? Eine Abbiegespur. Eine ungenutzte Abbiegespur, da das Linksabbiegen hier schon lange nicht mehr gestattet ist. Sogar auf der anderen Seite der Kreuzung setzt sich in der Flucht der Abbiegespur weiterer ungenutzter Straßenplatz fort. Wäre es nicht denkbar gewesen, hier eine Möglichkeit – eine überaus komfortable und sichere Möglichkeit – für RadfahrerInnen zur Straßenquerung zu schaffen? Eine Abbiegeinsel mitten in der Fahrbahn ist Augsburg nicht fremd, hier stünde ungleich viel mehr Platz zur Verfügung. Sowohl LinksabbiegerInnen (in die Allgäuer) als auch GeradeausfahrerInnen (auf den linksseitigen Radweg nach Inningen) könnte man hier einen gleichberechtigten Weg mit wesentlich weniger Wartezeiten bieten. Ja, im Detail müsste man da sicher noch einiges überlegen und der im Bild markierte Weg muss nicht der beste sein. Vielleicht erforderte die Ideallösung gar einen Kreuzungsumbau – ja und? Steht irgendwo geschrieben, dass Umbauten nur zugunsten des Autoverkehrs zulässig sind? Darf man für RadfahrerInnen nur Überquerungshilfen in Form Vorfahrt und Schwung nehmender Verkehrsinseln bauen?

Ob der markierte Weg so oder so ähnlich zu verwirklichen wäre oder nicht – ich weiß es nicht. Ob es wenigstens angedacht wurde? Weiß ich auch nicht. Was ich weiß ist was ich sehe. Und ich sehe eine Standardlösung im althergebrachten Denkschema. Und darin sehe ich keinen Willen zur Veränderung.

Wer lässt sich sowas einfallen?

Zugegeben, Tram-Haltestellen sind bestimmt eine Herausforderung. Auf der Fahrbahn bleibt wenig Raum zwischen Gleisen und (hohem) Randstein (etwas, was in der Augsburger Straße sehr viel negative Bewertungen erzeugte), auf dem Hochboard treffen sich naturgemäß Passanten und Radfahrer. Aber nachdem sich jemand intensiv Gedanken darüber gemacht hat, ist die beste aller Möglichkeiten wirklich, den Radverkehr zwischen Haltestelle und Fußweg hindurch zu leiten? Wohlgemerkt: Sowohl vor der Haltestelle als auch danach wird der Radverkehr auf der Fahrbahn geführt, nur im Bereich der Haltestelle wird er aufs Hochboard geleitet.

Die Gegenprobe: Angenommen, man würde hier überhaupt nichts markieren – wieviele RadfahrerInnen würden wohl ausgerechnet DIESEN Weg wählen?

Fail by design.

Kann noch wer was von der Halderstraße hören? Sollte es eines weiteren Indizes bedurft haben, dass ein Hochboard-Radweg die dümmst-mögliche Lösung an dieser Straße ist, dann sei es hiermit geliefert. Ausdrücklich sei dem Fahrer des BMW hier kein Vorwurf gemacht. Als er sah, dass ich auf dem Radweg entlang kam, fuhr er sogar noch ein kleines Stückchen vor, sodass er so stand, wie auf dem Foto zu sehen, und mir noch ein kleines bisschen Rest-Weg blieb.

Warum steht er da? Weil er vom Parkplatz ums Haus kommt und nun wieder zur Straße raus möchte. Um den Verkehr einzusehen, muss er quer über den Radweg stehen – da er sonst nicht um die legal parkenden Fahrzeuge auf dem Seitenstreifen sieht. Dieser Seitenstreifen bietet Platz für überwältigende drei (3!) Fahrzeuge.

Das hätte man sich alles sparen können. Entweder verzichtet man auf die Alibi-Stellplätze, die den Massen an Falschparkern in der Halderstraße nach zu urteilen sowieso nicht ausreichen. Ob drei oder gar kein Parkplatz ist dann auch schon egal. Ohne die Sicht verstellende Seitenstreifenparker könnte ein ausfahrender PKW jenseits des Radwegs warten – kein Konflikt. Ist man hingegen der Ansicht, dass Kurzzeitparkplätze absolut notwendig sind – alleine der rege Lieferverkehr spricht dafür, auch wenn meines Erachtens die Opferung öffentlichen Raumes hierfür ein Unding ist –, so hätte man den Raum des jetzigen Radwegs dafür nutzen und den Radverkehr stattdessen auf der Fahrbahn leiten können. Dann müsste ein ausfahrender PKW zwar immer noch um diese Parker „herumsehen“, aber er stünde keinem Radler mehr dabei im Weg.

Der Status Quo ist nun aber, dass der Radweg so oft nicht benutzbar ist, dass RadfahrerInnen doch auf die Straße ausweichen müssen – welche aber durch den unnützen Radweg viel weniger Platz als notwendig bietet. Ein Fail ist ein Fail ist ein Fail.

Sie konnten es natürlich nicht lassen.

Es hätte mich auch gewundert, hätte man die neu gebaute Überquerungshilfe und aufgemalten Schutzstreifen als reines Angebot stehen lassen. Kaum sind die Markierungen finalisiert, ist auch der Blauschildfetisch befriedigt: Der linksseitige Weg ist ab der Verkehrsinsel benutzungspflichtig. Aus dem (sehr suggestivem) Angebot wird eine Verpflichtung.

Jede Idiotie lässt sich aber steigern, weshalb die linksseitige Benutzungspflicht ortsauswärts nach sagenhaften 10 Metern wieder aufgehoben wird (um dann 30 Meter später, direkt vor der Kreuzung, wieder angeordnet zu werden). Wieso, weshalb, warum? Ein Ketzer, wer solche Fragen stellt. Ein Schelm, wer annimmt, dem Radverkehr solle gegenüber der direkt folgenden (nicht einsehbaren) Einmündung die Vorfahrt genommen werden – bestimmt auch eine präventive Sicherheitsmaßnahme für den gefährdeten Radler, den man gerade sicherheitspräventiv auf die falsche Straßenseite geleitet hat. Denkt eigentlich überhaupt noch wer mit? (Nachtrag: Das Stückchen nach dem „Ende“-Schild ist wahrscheinlich ein kleines Stückchen Straße, um Autos zu ermöglichen, dort hinein zu fahren und zu parken – deshalb auch kein ausgewiesener Rad-/Fußweg)

Just an dieser Einmündung ist nochmals ein kleines Hinweisschild für RadlerInnen Richtung Bobingen angebracht. Das gab es dort schon immer, da bis vor der Umbaumaßnahme diese Einmündung der vorgeschlagene Ort des Straßenseitenwechsels war. Ob das Radverbotsschild rechts auf Höhe dieser Einmündung neu ist oder schon immer da war, kann ich gar nicht sagen – es ist mir heute zum ersten Mal aufgefallen. Sinn ergibt dieses Schild durchaus – nur nicht an dieser Stelle. Hinter der folgenden Ampel ist es für RadlerInnen angenehmer und sicherer, den (linksseitigen) Radweg zu nutzen als auf der Fahrbahn (Tempo 100) zu fahren. Aber bis zur Ampel? Hier könnte man sich stressfrei auf der Linksabbiegerspur einordnen um dann direkt an der Ampel als Linksabbieger die Straßenseite zu wechseln – von allen Möglichkeiten wäre dies die sicherste, naheliegendste, am wenigsten invasive, am leichtesten zu kennzeichnende. Nur leider bewegt man sich als RadlerIn an dieser Stelle schon im Verbot.

Und das ist das Traurige an dieser Lösung. Der idiotischste Fahrweg von allen – weil er den Radverkehr dem Autoverkehr überdeutlich unterordnet – ist der regelkonforme. Alle anderen Wege, die kein Stück unsicherer sind und gleichzeitig schlicht eine Gleichberechtigung mit dem Autoverkehr darstellen würden, sind illegal. Man kann das ignorieren (und zur Hölle ja, das werde ich), aber das Zeichen ist gesetzt: erst das Auto, dann das Rad. Wahrscheinlich alles im Namen der Sicherheit. Aber aus Unterordnung entsteht keine Sicherheit. Sondern Dominanz des anderen.

Gute Absichten. Falsche Denkweise.

Es gibt Maßnahmen, da denke ich im ersten Moment „Oh, schön!“ und im nächsten „Mh, Mist“. Das hier ist so eine. Die Ortsdurchfahrt Inningen wird mit Schutzstreifen versehen. Auf einem Teil der Strecke ist dies schon geschehen, Richtung Bobingen hinaus ist es gerade im Entstehen. Das Bild zeigt das Ortsende – und das Dilemma. Ortseinwärts (auf dem Bild in Gegenrichtung links) ist endlich eine vernünftige Ableitung auf die Fahrbahn installiert worden. Ich hätte mir vielleicht eine noch etwas länger durch den hohen Bordstein geschützte Ableitung gewünscht, denn wie man an den Spuren auf der frisch asphaltierten Fahrbahn sehen kann, wird die Ableitung durchaus geschnitten oder zumindest sehr knapp befahren. Sinn der baulichen Ableitung ist ja aber gerade, den/die RadfahrerIn genau davor zu schützen. Aber gut.

Weniger anfreunden kann ich mich hingegen mit der Lösung ortsauswärts. Ja, im Moment steht noch nirgends ein Blauschild, weshalb all die Malerei ein reiner Vorschlag bleibt. Man kann so fahren, man muss aber nicht. Aber es ist schon ein sehr eindeutiger Wink, wie hier die Wege der jeweiligen Verkehrsmittel gewünscht werden. Man möchte, dass die Radler ihre Fahrt unterbrechen, den Autoverkehr abwarten, und dann die Straße queren. Letzteres müssen sie in jedem Falle, denn das ganz grundlegende Problem ist, dass nach der nächsten Ampel die Ortsverbindung nach Bobingen nur ein linksseitiger (benutzungspflichtiger) Radweg vorhanden ist (wie im Übrigen auf der anderen Seite des Ortes auch; von Augsburg kommend). Ich gehe davon aus, dass die Querung daher aus Sicherheitsaspekten so angelegt wurde – man möchte auch „schwächeren“ RadfahrerInnen einen sicheren Übergang bieten. Außer Acht lassen wollen wir mal geflissentlich die obligatorische Rumpelschwelle auf der Verkehrsinsel, die zudem für lange Radgefährte zu kurz ist, und dass sich auf der linken Straßenseite dann potentiell RadfahrerInnen (in zwei Richtungen) und Fußgänger auf einem dafür viel zu engen Weg begegnen.

Ich frage mich jedoch auch, ob man sich damit nicht eben gerade „unterwürfige“ RadfahrerInnen heranzieht und den Status Quo des Autos als dominierendes Verkehrsmittel zementiert. Man legt zum einen die Sicherheit des Radverkehrs einzig dem/der RadfahrerIn auf – sie/er soll aus dem Weg und stehen bleiben und das Auto passieren lassen, um dann sicher die Straße zu passieren. Desweiteren markiert man dieses gewünschte Verhalten so offensichtlich, dass RadfahrerInnen, die sich darüber hinwegsetzen – und solange keine Blauschilder aufgestellt werden, ist das völlig legitim, da weder Schutzstreifen noch sonst irgendetwas hier eine Benutzungspflicht birgt! – als „nicht den Regeln folgend“ erscheinen. Da die überwiegende Mehrheit wahrscheinlich benutzungspflichtige Radwege nicht von Schutzstreifen unterscheiden kann, folgt diese dann einfach dem markierten Weg. Und untermauern ihren Status als Verkehrsteilnehmer geringerer Ordnung.

Vielleicht ist das alles ein theoretisches Schwarzmalerei-Problem. Solange kein Blauschild aufgestellt wird, bleibt ja wie gesagt alles ein reines Angebot und man kann die nur wenige Meter später beginnende Linksabbiegerspur auf der Fahrbahn nutzen, um den linksseitigen Radweg zu erreichen. Die sinnvollste Lösung wäre demnach, der radelnden Masse genau diesen Angebotscharakter (im Gegensatz zu einer Benutzungspflicht) klar zu machen und ihr genügend Selbstbewusstsein einzuimpfen, sich im Verkehr zu behaupten. Sicherheit entsteht nicht aus einer grundsätzlich defensiven Verhaltensweise. Sie entsteht aus einer defensiven Denkweise, verbunden mit einer offensiven (im Sinne von selbstbewussten) Fahrweise.

Zur Innenstadtattraktivität

Der Augsburger Innenstadteinzelhandel beömmelt sich demnächst mit einer hippen Marketingkampagne im Bemühen um mehr Laufkundschaft, die ihm in letzter Zeit abhanden gekommen scheint. Dass man sich dabei in erster Linie auf die Kundschaft aus dem Umland stürzt (die immer seltener kommt) und als einzig greifbare Maßnahme nebst Spam Plakaten 85 neue Schilder aufstellt, die den Weg in die Innenstadt weisen, ist so vielsagend wie traurig. Schon hängt das Wohl und Wehe wieder davon ab, wie man aus Günzburg, Donauwörth, Landsberg und Aichach möglichst direkt zum Rathausplatz kommt. Dass das nur der Ort ist, an dem man die Insassen, keinesfalls aber das zugehörige Auto haben will, haben wir dabei schon wieder vergessen.

Und für die, die schon da sind? Was macht die Innenstadt für diese EinkäuferInnen? Sie möchte sie, sofern sie auf einem Fahrrad sitzen, ab neun Uhr nicht mehr in der Fußgängerzone haben. Nicht dass da schon mehr als die Bäckereien offen hätte. Aber mit Taxis und 12 Meter langen LKW hat man offensichtlich kein Problem – die dürfen noch bis 11 Uhr das Einkaufserlebnis unterstützen.

Ok, angeblich sind tatsächlich noch Abstellmöglichkeiten für Räder in der Fußgängerzone selbst geplant, so dass man das Rad direkt vor dem gewünschten Geschäft absperren kann (wenn man es dorthin geschoben hat). Eine gute Idee. Aber vielleicht könnten wir noch ein wenig weiter experimentieren. Ich wünschte, man könnte sich auf den gesunden Menschenverstand verlassen, der mit „Fahrrad frei“ verantwortungsvoll umgehen kann. Aber anscheinend hat man zuviel Angst vor „Rüpelradlern“, dass man es lieber erst gar nicht versucht. Wo man doch Menschen direkt aus 40 km entfernten Städten mit ein paar Plakaten und Verkehrsschildern anlocken kann.

Winter vs. Milchberg 3:0

Nach jedem Winter ist es dasselbe: überall blühen neue Schlaglöcher, vornehmlich um Kanaldeckel oder Stellen herum, die bereits geflickt wurden. Eine Reparatur aller Stellen ist wahrscheinlich weder zeitlich noch finanziell zu bewerkstelligen und ich mag mir gar nicht vorstellen, wie deprimierend das für die zuständigen Ämter sein muss. Nichtsdestotrotz nimmt der Fahrbahnzustand an einigen wenigen Stellen derart groteske Züge an, dass ich mich schon frage, ob nicht irgendwann die Grenze zur fahrlässigen Gefährdung überschritten wird. Hallo Milchberg.

Der Milchberg ist schon seit Ewigkeiten in einem miserablen Zustand. Gut, dass Fotos einem auf die Sprünge helfen, dass miserabel auch immer noch steigerbar ist. Hier das Bild vom 2. Dezember letzten Jahres:

20 cm müssen auch mal reichen

20 cm müssen auch mal reichen

 

Bergab blieb dort ein asphaltierter Bereich von etwa 20 cm, um nassem Kopfsteinpflaser zu entgehen. Das Problem ist, dass der gesamte Milchberg gepflastert ist/war und anscheinend nur eine minimale Asphaltschicht darüber liegt. Und die verabschiedete sich nun nach dem Winter – ob durch Räumfahrzeuge oder Frostaufsprengung. Ergebnis ist noch mehr offen liegendes Pflaster, mit Quer- und Längsschwellen zum restlichen Asphalt. Starker böiger Wind wie heute ist dann eine echte Herausforderung.

Wer auch immer hier zuständig ist – die Stadwerke (wegen der Gleise vielleicht?) oder die Stadt oder beide oder meinetwegen auch der Weihnachtsmann: Könnten wir das hier bitte einmal von Grund auf erneuert bekommen? Und nein, ich will nicht zu hören bekommen, man müsse abwarten, ob die Gleise noch gebraucht werden könnten, weil vielleicht irgendwann mal irgendwer aus irgendwelchen Gründen eine reguläre Straßenbahnlinie hier entlang führen möchte. Das ist nicht gegen das unterste Minimum an Verkehrssicherheit aufzuwiegen.

Wunder gibt es immer wieder *träller*

Nach etwa einem halben Jahr ist in der Halderstraße erstmals der Rad- und Fußweg provisorisch beschildert. Nichts mehr zu sehen von unentschlossen in der Gegend stehenden eingeschränkten Halteverboten, einfach nur eine Ausschilderung als Rad- und Fußweg.

What. Took. You. So fucking long? (Sollte etwa die Ankündigung der Polizei, verstärkt gegen Radwegparker vorzugehen, der Beschilderung den letzten nötigen Schubs gegeben haben?)

Theorie und Praxis

Die Halderstraße gibt RadfahrerInnen schon seit Monaten das ein oder andere Rätsel auf. Offensichtlich, ausgehend von schon vorhandenen Straßenmalereien, wurde hier ein Zweirichtungsradweg angelegt. Beschildert ist er bis heute nicht, wodurch er einfach nur nach Radweg aussieht, aber keiner ist (zumindest kein benutzungspflichtiger). De facto ist der Möchtegern-Radweg sowieso seit seiner Fertigstellung als Lieferzone in Gebrauch, kann man doch auf dem zusätzlichen Raum, der durch den Radweg geschaffen wurde, so viel besser und ungestörter vom Fahrbahnverkehr halten und parken. Gut, dass man auf Radwegen, ob beschildert oder nicht, grundsätzlich nicht parken/halten darf, das ist anscheinend nur für die unverbesserlichen Gutmenschen unter uns ein Grund. Vom Parken auf Fußwegen ganz zu schweigen.

Zarte Beschilderungsversuche gab es trotzdem seit Anfang des Jahres, nun steht zu Beginn des am meisten durch Zulieferer benutzten Abschnitt das abgebildete eingeschränkte Halteverbot. Dieses sagt uns:

Wer ein Fahrzeug führt, darf nicht länger als drei Minuten auf der Fahrbahn halten, ausgenommen zum Ein- oder Aussteigen oder zum Be- oder Entladen. Ladegeschäfte müssen ohne Verzögerung durchgeführt werden.

Auf der Fahrbahn. Das ist der Ort, an dem in der Halderstraße nun wirklich gar niemand parkt – das trauen sich aufgrund der Straßenbahntrasse nicht einmal UPS und Co. Warum man überhaupt auf der Fahrbahn halten und damit zwangsweise die Straßenbahn blockieren dürfen sollte, sei einmal dahingestellt. Das Schild steht aber meterweit von der Fahrbahn entfernt und zeigt dadurch vielmehr auf den Radweg. Da kann ein Zusatzschild, welches das Halteverbot auf den Seitenstreifen ausweitet (wobei man dann noch darüber streiten könnte, ob ein Hochboard ein Seitenstreifen ist; wahrscheinlich eher nicht, aber ach …) noch so sehr fehlen – sehr wahrscheinlich wird das Schild genau so interpretiert: Auf diesem Radweg darf man eingeschränkt halten. Ob die Stadt das vielleicht auch ganz genau so verstanden wissen wollte oder nicht, spielt da kaum noch eine Rolle. Mit diesem Schild wird der Radweg auf alle Fälle noch mehr zur legitimierten Lieferzone als ohne dieses Schild. Denn genau danach sieht es aus: nach einer Erlaubnis zum Be- und Entladen. Ob das Schild rechtlich etwas anderes sagt oder die Rechtslage generell dem Parken/Halten widerspricht, interessiert, mit Verlaub, keine Sau.

Dieser Radweg ist tot. Dass er nie hätte gebaut werden sollen, hilft dem Radverkehr leider nichts. Der fährt jetzt entweder Slalom, oder auf der Fahrbahn, die durch den versaubeutelten Radwegsversuch enger ist als vor dem Umbau. Well played.

Stolperschwellen für alle!

Auch wenn das möglicherweise eine Straße auf Privatgrund ist (die Straße hat zumindest keinen Namen), so könnte man vielleicht trotzdem nochmal überdenken, wen man hier ausbremsen will und muss.

Lieber Geisterradler züchten als Wege optimieren

Die Neuburger Straße ist ja für so manchen Beitrag gut, aber dieses Teilstück hier verdient einen Ehrenplatz in der Kategorie „Wo kommen nur all die Geisterradler her“. Für ein kurzes Stück ist der Radweg an der Neuburger Straße stadtauswärts auch in der Gegenrichtung freigegeben – ohne dass das dem „Richtig“radler freilich angezeigt würde, sieht man von einer Straßenmalerei ab, die für sich genommen schon eine Frechheit ist, da die Furt hier einfach breiter gemalt wurde als der anschließende Radweg tatsächlich ist. Als wäre zumindest dem Straßenmaler das klitzekleine Manko aufgefallen, dass der Radweg für eine beiderseitige Befahrung viel zu schmal ist.

Warum also wird der Radverkehr dann trotz offensichtlicher Gefährdung, Rechtswidrigkeit und dem Vorhandensein eines Radwegs auf der rechten Straßenseite so geführt? Wahrscheinlich, weil man doch nur das Beste für die RadlerInnen wollte, selbstverständlich! Denn wer aus der Neuburger (stadtauswärts) wieder die Hans-Böckler stadteinwärts fahren möchte, muss auf der rechten Seite einen sehr ausladenden Bogen fahren, samt Durchquerung einer dunklen Unterführung, was durch die Geisterfahrt auf der linken Seite erspart bleibt. Gut, dass man dann auch damit rechnen muss, dass die Linksfahrer einfach gleich links bleiben und auch die Hans-Böckler-Str. auf der falschen Seite hinunter fahren, wo es nicht mehr erlaubt ist (und der Radweg auch nicht besser und breiter wird) … Da müsste man ja doch für zwei Cent nachgedacht haben.

Zwar bin ich nicht per se gegen Zweirichtungsradwege, aber sie sollten nicht nur die absolute Ausnahme bleiben sondern auch baulich entsprechend hohen Anforderungen genügen. Dieses Stück hier erfüllt gar nichts, gehört besser heute als morgen abgeschafft und auf der rechten Seite mit einem ordentlichen Angebot ersetzt werden.

Quer durch Pfersee ohne Ampeln?

Welchen Weg ich morgens ins Büro nehme, hängt von allerlei Überlegungen ab: lang oder kurz (wieviel Zeit habe ich), links- oder rechtsrum (Wertach oder Lech), welches Rad nehme ich (weil, ihr wisst, n+1 …) und wie ist denn eigentlich das Wetter. Und mal bestimmt das Wetter das Rad, die Zeit den Weg oder auch das Rad die Strecke. Einer meiner Lieblingswege führt beispielsweise an der Wertach entlang. Aber wie das mit nicht asphaltierten Strecken so ist, je schlechter das Wetter, desto bäh. Nicht dass man bäh manchmal sogar sucht, aber für den Arbeitsweg muss es bei Regen und Matsch doch besser asphaltiert sein. Was mich ein weiteres Mal zum AZ-Artikel zum neuen Radwegenetzplan bringt:

Ein anderes Projekt aus dem Bereich Freizeitverbindungen will die Stadt schon in diesem Jahr bauen. Gemeinsam mit dem Umweltreferat soll die Lücke zwischen dem Sheridan- und dem Reese-Areal (4) geschlossen werden.

Von der Bebauung im Sheridan- und Reese-Park mag man halten, was man mag, aber die Areale eröffnen die großartige Möglichkeit, in Nord-Süd-Richtung durch Pfersee zu pflügen, unbehelligt von Ampeln und Verkehr. Im Sheridan-Park geht das bereits, das Reese-Gelände ist derzeit noch eine riesige Baustelle. Aber wenn das mal fertig ist und zudem das Stück zwischen den ehemaligen Kasernen sinnvoll geschlossen wird, kann man vom Gögginger Stadtrand (Wellenburger Straße/Wasenmeisterweg) bis hoch zur Ulmer Straße asphaltiert und praktisch ohne Verkehr gelangen. Wie großartig ist das denn bitte?

Bliebe die Frage, wieso das eigentlich als Freizeitverbindung deklariert wird. Freizeit hört sich für mich nach Schönwetterradeln an, und bei schönem Wetter würde ich sicherlich den Weg direkt an der Wertach wählen. Andererseits kann es mir auch egal sein, welches Label der Weg bekommt, solange er nur existiert. Dann wäre allerdings immer noch interessant, ob die Auszeichnung als Fußweg mit lediglich „Fahrrad frei“ bestehen bleibt – bei dem geschätzt vier Meter breiten Weg durch den Sheridan-Park eh eine seltsam anmutende Wahl. Wenn man hier bewusst dem Fußgänger Vorrang geben wollte, scheint es mir doppelt seltsam, wenn man dann eine Freizeitradelstrecke hindurch führt (wobei, Hochablass …) – treffen bei schönem Wetter am Wochenende RadfahrerInnen und FußgängerInnen nicht erst recht aufeinander?

Im Westen Augsburgs eine Nord-Süd-Achse (fast) par excellence

Und der interessanteste Part könnte die angesprochene Verbindung der beiden Areale werden. Hier muss irgendwie um den Westfriedhof herum gefunden werden (ich für meinen Teil fahre derzeit im Westen vorbei) und dann vor allem die Ackermannstraße überquert werden (die im Zuge der Linie 5 irgendwann in den nächsten Jahren noch komplett umgekrempelt werden muss). In meinen kühnsten Träumen schwebt mir da ja eine Art Grünbrücke vor, etwa wie bei der Roten-Tor-Umfahrung oder der B17-Ausfahrt Leitershofer Straße – keine Ampel, kein Kreuzungsverkehr, stattdessen ein grüngesäumter Weg. Die Anwohner der jeweiligen Viertel hätten wohl nichts dagegen, die ansässigen Geschäfte erst recht nicht, da die Ackermann als „gefühlte“ Barriere für Fuß- und Radverkehr entfällt und den Einzugsbereich vergrößert. Eine banale Brücke und selbst eine Unterführung würde ich aber auch nehmen. Mal sehen, ob die Realität mehr als ein paar Wegweiser hergibt.