Theorie und Praxis

Die Halderstraße gibt RadfahrerInnen schon seit Monaten das ein oder andere Rätsel auf. Offensichtlich, ausgehend von schon vorhandenen Straßenmalereien, wurde hier ein Zweirichtungsradweg angelegt. Beschildert ist er bis heute nicht, wodurch er einfach nur nach Radweg aussieht, aber keiner ist (zumindest kein benutzungspflichtiger). De facto ist der Möchtegern-Radweg sowieso seit seiner Fertigstellung als Lieferzone in Gebrauch, kann man doch auf dem zusätzlichen Raum, der durch den Radweg geschaffen wurde, so viel besser und ungestörter vom Fahrbahnverkehr halten und parken. Gut, dass man auf Radwegen, ob beschildert oder nicht, grundsätzlich nicht parken/halten darf, das ist anscheinend nur für die unverbesserlichen Gutmenschen unter uns ein Grund. Vom Parken auf Fußwegen ganz zu schweigen.

Zarte Beschilderungsversuche gab es trotzdem seit Anfang des Jahres, nun steht zu Beginn des am meisten durch Zulieferer benutzten Abschnitt das abgebildete eingeschränkte Halteverbot. Dieses sagt uns:

Wer ein Fahrzeug führt, darf nicht länger als drei Minuten auf der Fahrbahn halten, ausgenommen zum Ein- oder Aussteigen oder zum Be- oder Entladen. Ladegeschäfte müssen ohne Verzögerung durchgeführt werden.

Auf der Fahrbahn. Das ist der Ort, an dem in der Halderstraße nun wirklich gar niemand parkt – das trauen sich aufgrund der Straßenbahntrasse nicht einmal UPS und Co. Warum man überhaupt auf der Fahrbahn halten und damit zwangsweise die Straßenbahn blockieren dürfen sollte, sei einmal dahingestellt. Das Schild steht aber meterweit von der Fahrbahn entfernt und zeigt dadurch vielmehr auf den Radweg. Da kann ein Zusatzschild, welches das Halteverbot auf den Seitenstreifen ausweitet (wobei man dann noch darüber streiten könnte, ob ein Hochboard ein Seitenstreifen ist; wahrscheinlich eher nicht, aber ach …) noch so sehr fehlen – sehr wahrscheinlich wird das Schild genau so interpretiert: Auf diesem Radweg darf man eingeschränkt halten. Ob die Stadt das vielleicht auch ganz genau so verstanden wissen wollte oder nicht, spielt da kaum noch eine Rolle. Mit diesem Schild wird der Radweg auf alle Fälle noch mehr zur legitimierten Lieferzone als ohne dieses Schild. Denn genau danach sieht es aus: nach einer Erlaubnis zum Be- und Entladen. Ob das Schild rechtlich etwas anderes sagt oder die Rechtslage generell dem Parken/Halten widerspricht, interessiert, mit Verlaub, keine Sau.

Dieser Radweg ist tot. Dass er nie hätte gebaut werden sollen, hilft dem Radverkehr leider nichts. Der fährt jetzt entweder Slalom, oder auf der Fahrbahn, die durch den versaubeutelten Radwegsversuch enger ist als vor dem Umbau. Well played.

Halteverbot in der Halderstraße – finally.

Haben alle ihren dicken roten Stift zur Hand? Dann kreisen wir jetzt alle zusammen den Tag im Kalender ein und machen ein paar freudige Purzelbäume: Die Halderstraße hat, wenn auch noch provisorisch, eine Halteverbotsbeschilderung spendiert bekommen! Zwar ist sie mir erst ab dem ibis Hotel aufgefallen, vielleicht habe ich sie davor aber auch nur übersehen. Oder man muss die offensichtlich knapp bevorrateten Halteverbotsschilder erst noch nachbestellen. Whatever.