Ein (zarter) Hauch von Kopenhagen

Wenn ich mir eine einzige, beliebige Maßnahme aussuchen dürfte, die meine ganz persönlich empfundene Innenstadtattraktivität um drölftausend Prozent steigern würde, dann diese: sämtliches Kopfsteinpflaster in der Altstadt und der Maximilianstraße so bearbeiten wie schon vor etlicher Zeit in der Wintergasse geschehen.

Wenn ich es recht verstanden habe, werden dabei die “Köpfe” der bestehenden Pflastersteine ab-/flachgefräst und die Fugen verfüllt – oder was auch immer. Mir eigentlich egal, das Ergebnis ist sagenhaft, optisch wie funktional. Schön und bequem, sowohl per Rad als auch per pedes. Wahrscheinlich auch grauenhaft teuer, weshalb mehr als dergestalt bearbeitete “Fahrspuren” in der Maxstraße wohl nie kommen werden (und selbst das dauert und dauert und dauert), aber hey – wünschen darf man sich alles und die Hoffnung stirbt zuletzt.

Wieviel Unsinn kann man für 100.000 Euro kaufen?

Wie schon einmal erwähnt wird die Augsburger Innenstadt demnächst unheimlich attraktiv respektive sie ist es schon – und das möchte man dem Augsburger Umland, welches die Innenstadt schmäht, einmal mitteilen. Eine der Maßnahmen habe ich heute auf dem Weg zur Arbeit entdeckt: neue Wegweiser ins Stadtzentrum. Nur für den Fall, dass die Menschen aus dem Augsburger Umland vergessen haben, wo das Rathaus steht.

Der erste große Wegweiser nach einer Ausfahrt von der Stadtautobahn verspricht einen „bequemen“ Weg ins Zentrum. Und ich frage mich kurz, ob sie einen wohl zu einem P+R leiten und muss dann selbst lachen. Nein, tun sie nicht. Die Wegweiser leiten einen in diesem Fall geradewegs durch die Pferseer Unterführung zum Bahnhof, wo ein Schild besagt „Da bist du ja“ – und man weiß nicht recht, ob die Macher überrascht sind, dass die Menschen tatsächlich den Weg gefunden haben oder ob es ein Echo der Autofahrer sein soll, die unter all den Baustellen die Innenstadt wiedererkannt haben.

Auf der offiziellen Webseite heißt es:

Lebensgefühl transportieren
Je mehr Geld fließt, um so mehr Wirkung kann das Konzept entwickeln. Geplant sind in diesem Jahr drei aufeinander aufbauende Werbewellen, die vor allem das neue Augsburger Lebensgefühl transportieren: Nach einem ersten Auftakt in Region und Stadt wird in der zweiten Welle das Innenstadt-Eröffnungsfest am Sonntag, 3. Mai, beworben.

Also handelt es sich bei den Schildern wohl mitunter um die „erste Werbewelle“. Jaja, da steckt schon eine Menge Lebensgefühl drin, und sicherlich werden die Schilder noch besser, wenn noch mehr Geld fließt. Dann sehen sie bestimmt nicht mehr aus wie Baustellenschilder. Tatsächlich sehen sie ganz exakt genau so aus wie all die Schilder, welche über Jahre hinweg während des Innenstadtumbaus Umleitungen anzeigten. Riesenidee. Auch dass das „Endschild“ mitten in einer Baustelle steht entbehrt nicht einer gewissen Komik. Und dass es einen dann dem Parkleitsystem überlässt – genau jenem Parkleitsystem, welches Wirtschaftsvertreter zur Aussage verleitet: „Gegenwärtig gebe es überhaupt kein Parkleitsystem“  – wird sicher zur guten Laune der herbeigelockten Umländer beitragen.

Aber all das ist ja nur Stümperei um des Pudels Kern herum: „Bequem“ ins Zentrum heißt also auch heute noch, mit dem Blecheimer direkt vor’s Loch zu fahren. Dass die Menschen genau diese Vorstellung mittlerweile in einer überwältigenden Mehrheit ablehnen – geschenkt. Dass man selbst mit „schön gestalteten Plätzen“ und „Genießen und Verweilen“ wirbt, was wahrscheinlich nicht im Auto stattfinden soll, sondern gerade ohne dieses – vergessen. Dass es Anstrengungen gibt, Augsburg zur Fahrradstadt zu machen – irrelevant, denn es geht ja nur um Menschen aus dem Umland. Dass Buslinien zugunsten der Tram an deren Endhaltestellen gekappt werden, um die Auslastung und damit letztendlich das Angebot des ÖPNV zu verbessern – nein, keine Ahnung, wie man das mit Anreisenden aus dem Umland verbinden könnte. Was, eine Wegweisung zu Park&Ride-Plätzen? Um Gottes Willen, wie unbequem, dieses Umsteigen. Umland = Auto = Parken in der Umkleidekabine.

Welches Jahr schreiben wir gleich nochmal?

Fail by design.

Kann noch wer was von der Halderstraße hören? Sollte es eines weiteren Indizes bedurft haben, dass ein Hochboard-Radweg die dümmst-mögliche Lösung an dieser Straße ist, dann sei es hiermit geliefert. Ausdrücklich sei dem Fahrer des BMW hier kein Vorwurf gemacht. Als er sah, dass ich auf dem Radweg entlang kam, fuhr er sogar noch ein kleines Stückchen vor, sodass er so stand, wie auf dem Foto zu sehen, und mir noch ein kleines bisschen Rest-Weg blieb.

Warum steht er da? Weil er vom Parkplatz ums Haus kommt und nun wieder zur Straße raus möchte. Um den Verkehr einzusehen, muss er quer über den Radweg stehen – da er sonst nicht um die legal parkenden Fahrzeuge auf dem Seitenstreifen sieht. Dieser Seitenstreifen bietet Platz für überwältigende drei (3!) Fahrzeuge.

Das hätte man sich alles sparen können. Entweder verzichtet man auf die Alibi-Stellplätze, die den Massen an Falschparkern in der Halderstraße nach zu urteilen sowieso nicht ausreichen. Ob drei oder gar kein Parkplatz ist dann auch schon egal. Ohne die Sicht verstellende Seitenstreifenparker könnte ein ausfahrender PKW jenseits des Radwegs warten – kein Konflikt. Ist man hingegen der Ansicht, dass Kurzzeitparkplätze absolut notwendig sind – alleine der rege Lieferverkehr spricht dafür, auch wenn meines Erachtens die Opferung öffentlichen Raumes hierfür ein Unding ist –, so hätte man den Raum des jetzigen Radwegs dafür nutzen und den Radverkehr stattdessen auf der Fahrbahn leiten können. Dann müsste ein ausfahrender PKW zwar immer noch um diese Parker „herumsehen“, aber er stünde keinem Radler mehr dabei im Weg.

Der Status Quo ist nun aber, dass der Radweg so oft nicht benutzbar ist, dass RadfahrerInnen doch auf die Straße ausweichen müssen – welche aber durch den unnützen Radweg viel weniger Platz als notwendig bietet. Ein Fail ist ein Fail ist ein Fail.

Zur Innenstadtattraktivität

Der Augsburger Innenstadteinzelhandel beömmelt sich demnächst mit einer hippen Marketingkampagne im Bemühen um mehr Laufkundschaft, die ihm in letzter Zeit abhanden gekommen scheint. Dass man sich dabei in erster Linie auf die Kundschaft aus dem Umland stürzt (die immer seltener kommt) und als einzig greifbare Maßnahme nebst Spam Plakaten 85 neue Schilder aufstellt, die den Weg in die Innenstadt weisen, ist so vielsagend wie traurig. Schon hängt das Wohl und Wehe wieder davon ab, wie man aus Günzburg, Donauwörth, Landsberg und Aichach möglichst direkt zum Rathausplatz kommt. Dass das nur der Ort ist, an dem man die Insassen, keinesfalls aber das zugehörige Auto haben will, haben wir dabei schon wieder vergessen.

Und für die, die schon da sind? Was macht die Innenstadt für diese EinkäuferInnen? Sie möchte sie, sofern sie auf einem Fahrrad sitzen, ab neun Uhr nicht mehr in der Fußgängerzone haben. Nicht dass da schon mehr als die Bäckereien offen hätte. Aber mit Taxis und 12 Meter langen LKW hat man offensichtlich kein Problem – die dürfen noch bis 11 Uhr das Einkaufserlebnis unterstützen.

Ok, angeblich sind tatsächlich noch Abstellmöglichkeiten für Räder in der Fußgängerzone selbst geplant, so dass man das Rad direkt vor dem gewünschten Geschäft absperren kann (wenn man es dorthin geschoben hat). Eine gute Idee. Aber vielleicht könnten wir noch ein wenig weiter experimentieren. Ich wünschte, man könnte sich auf den gesunden Menschenverstand verlassen, der mit „Fahrrad frei“ verantwortungsvoll umgehen kann. Aber anscheinend hat man zuviel Angst vor „Rüpelradlern“, dass man es lieber erst gar nicht versucht. Wo man doch Menschen direkt aus 40 km entfernten Städten mit ein paar Plakaten und Verkehrsschildern anlocken kann.

Ab heute wird zurückgezahlt!

Ich gebe zu, das erfreute mich heute Vormittag sehr viel mehr als es wahrscheinlich sollte: Die Polizei lässt der Ankündigung, Radwegparker verstärkt zu kontrollieren, offensichtlich Taten folgen. Zweimal sei der Lieferant hier schon belehrt worden. Heute kostet die Uneinsichtigkeit wohl.

Grün markiert habe ich übrigens die völlig legale Haltemöglichkeit ein paar Schritte weiter (Platz für ca. 3 PKW). Da ist ein eingeschränktes Halteverbot. Wenn die Plätze also belegt sein sollten, wenn der Lieferant ankommt, sollte er ja theoretisch nicht mehr als drei Minuten warten müssen und könnte sich dann dort hinstellen. Solange er seine Ladetätigkeit ohne Raucherpause vollbringt, darf er dazu dann so lange brauchen, wie er eben braucht. Und ob er die Getränkekisten nun 5 oder 25 Meter schiebt sollte doch auch egal sein? Aber anscheinend sind 15 (?) Euro zu bezahlen bequemer. Oder er glaubte bis heute nicht, dass er tatsächlich mal zur Kasse gebeten würde?

Danke, liebe Polizei.

„Von der Bedeutung des Autos in der Fahrradstadt“ – oh weia.

Es geht um diesen Artikel in der AZ, in Bezugnahme auf diesen Artikel zum Umzug eines Radhändlers aus der Innenstadt in ein weiter außerhalb liegendes Gewerbegebiet.

Nun weiß ich ja nicht, ob die mangelnden Autoparkplätze tatsächlich der ausschlaggebende Grund für den Umzug des angesprochenen Radhändlers waren. Wenn es so war und die Klientel dieses Händlers eben überwiegend mit dem Auto anreist – dann ist es eine rationale Entscheidung. Nun hat der Mangel an Parkplätzen nur nicht explizit mit der Innenstadt zu tun (ich habe da schon Parkplätze entdeckt), noch muss (oder sollte) man an einem Einzelbeispiel gleich drohend mit „Die Bedeutung des Autos in der Fahrradstadt“ wedeln.

Ob dieser hanebüchene Zusammenhang von den IHK-Vertretern oder der AZ hergestellt wurde sei einmal dahingestellt. Es gehört wenig Interpretation dazu, hier Parkplätze und die Fahrradstadt gegeneinander positioniert zu sehen, was auf unzähligen Ebenen unsinnig ist. Jedoch kommen die Damen und Herren Wirtschaftsvertreter zu dem Schluss, „[…] Man dürfe Autofahrer nicht benachteiligen“. Und dann geht mir schon langsam der Hut hoch.

Erstens: Die Fahrradstadt, der böse Gegenpart, ist noch gar nicht da. Es ist noch nicht einmal besonders viel dafür getan worden und das, was getan wurde, hat „den Autofahrer“ sicher nicht benachteiligt (obwohl, es sei nicht verschwiegen, dass in der Jakoberstraße ein GANZER Parkplatz einer weniger lebensgefährlichen Radwegführung zum Opfer fiel – eine Schweigeminute bitte). Oder sollen wir einmal die diversen Radstreifenparker fragen, ob sie sich von den praktischen neu aufgemalten weißen Streifen benachteiligt fühlen, auf denen sie seit neuestem parken können? Oh, entschuldigung, das war polemisch. Etwa so polemisch, wie schon im Vorfeld der Anstrengung, welche das Projekt Fahrradstadt darstellt, die Schützengräben auszuheben und sich mit den immer gleichen Parolen in Stellung zu bringen, bevor überhaupt etwas passiert oder auch nur beschlossen ist.

Zweitens: Warum scheinen sich denn die Wirtschaftsvertreter stets als Autofahrerlobby zu verstehen? Die Wirtschaftsvertreter, insbesondere im Sinne der Innenstadthändler, sollten sich generell um das Wohl der Innenstadthändler sorgen, und das kann unmöglich in einem solch hohen Maße vom Auto und dem zugehörigen Parkplatz abhängen. Gefühlt beklagt sich „der Einzelhandel“ seit Jahrzehnten, dass alles schlecht ist/wird. Ist denn aber derselbe Zeitraum vornehmlich dadurch gekennzeichnet, dass massiv Parkplätze gestrichen und der Autoverkehr zurückgedrängt wurde? Wenn dies aber nicht der Fall ist, warum dann die immer gleiche Leier vom um Gottes Willen nicht „zu benachteiligenden“ Autofahrer? Warum auf einem Status Quo beharren, der so offensichtlich von Jahr zu Jahr (im Großen und Ganzen) weniger gut funktioniert? Wäre der naheliegende Schluss nicht, dass ganz andere Faktoren eine Rolle in der sinkenden Attraktivität der Innenstadt spielen? Und wäre es dann nicht Aufgabe eben jener Wirtschaftsvertreter, diese Faktoren zu identifizieren und Rahmenbedingungen für veränderte Modelle zu unterstützen statt immerfort breite Straßen, mehr Parkplätze und Semmeltasten (kostenfrei 30 Minuten parken) zu fordern, ungeachtet der Tatsache, dass der Platz nun einmal endlich ist und immer kürzeres Parken zu immer weniger Einkaufszeit und immer mehr (im Sinne des Einzelhandels ebenso wie im Sinne der allgemeinen Aufenthaltsqualität) sinnbefreitem An- und Abreiseverkehr führt?

Ich für meinen Teil bin ein sehr schlechter Innenstadt-Kunde. Zum einen bin ich einer der „den Klick nicht in der Stadt lässt“ und lieber bei Amazon und Co. konsumiert, weil ich die Dinge, die ich vornehmlich konsumiere, dort besser bekomme. Zum anderen ist mir zwar das „Genuss-Shopping“ durchaus nicht fremd. Spätestens seit ich einen Radanhänger mein Eigen nenne, mache ich gerne einen ausladenden Wochenendeinkauf, für den ich gerne nicht einfach nur zum nächstgelegenen Supermarkt fahre. Aber in die Innenstadt? Nein. Dagegen spricht das holprige Pflaster, die unterirdischen Zustände der Fahrbahn etwa am Milchberg oder der Bäckergasse, das Vorhandensein von Autoverkehr in den engen Altstadtgassen, die nicht vorhandenen Abstellmöglichkeiten in weiten Teilen der Innen- und Altstadt, der überbordende Autoverkehr im direkten Umfeld der zentralsten Stadtpunkte. Die meisten dieser Punkte könnte man beheben – und wird man im Rahmen der Fahrradstadt 2020 hoffentlich auch beheben – ohne „den Autofahrer“ auch nur im Mindesten zu tangieren. Bei manchen Punkten, eben was die Verkehrsbelastung angeht, wird man den Autoverkehr aber tatsächlich beschneiden müssen. Ist das die befürchtete Benachteiligung? Kann man überhaupt etwas benachteiligen, das im Status Quo überproportional bevorteilt ist? Selbst wenn im Modalsplit das Auto den größten Anteil hat, so nimmt der Autoverkehr weit mehr Fläche ein, als ihm danach „zusteht“. Zugleich sitzt im Schnitt in jedem Auto kaum mehr als eine Person – wie auf jedem Fahrrad auch. Und von Bussen und Straßenbahnen will ich gar nicht reden. Und was ist jetzt für den Wirtschaftsvertreter so schlimm daran, wenn der eine mit dem Auto durch einen mit dem Fahrrad ersetzt wird? Oder durch 10 aus der Straßenbahn? Sollte ein Wirtschaftsvertreter, der für „den Innenstadthändler“ spricht, nicht in erster Linie daran interessiert sein, den Anreiz zu setzen, überhaupt in die Innenstadt zu kommen und sich erst nachrangig dafür interessieren, mit welchem Verkehrsmittel dies geschieht? Ist nicht der Umbau des Königsplatzes ein gelungenes Beispiel dafür, dass eine vermeintliche Benachteiligung des Autoverkehrs durch die gewonnenen Vorteile für Fußgänger und die damit verbundene erhöhte Aufenthaltsqualität mehr als wett gemacht wird (so die Benachteiligung überhaupt eine ist)? Nicht von ungefähr setzt die neue Innenstadtkampagne doch u.a. auf das Flair des neuen Kö.

Diese alberne Trennung in Autofahrer, die Kunden sind, und Radfahrer (und alle anderen), die dies anscheinend nicht sind, muss ein Ende haben. Weil es völliger Quatsch ist. Weil man das Wohl und Wehe einer Innenstadt nicht davon abhängig machen darf, mit welchem Verkehrsmittel Menschen derzeit in die Innenstadt gelangen. Sondern davon, warum und ob sie dorthin gehen. Und eine gewagte Vermutung: niemand fährt in die Stadt, um dort zu parken.

Wunder gibt es immer wieder *träller*

Nach etwa einem halben Jahr ist in der Halderstraße erstmals der Rad- und Fußweg provisorisch beschildert. Nichts mehr zu sehen von unentschlossen in der Gegend stehenden eingeschränkten Halteverboten, einfach nur eine Ausschilderung als Rad- und Fußweg.

What. Took. You. So fucking long? (Sollte etwa die Ankündigung der Polizei, verstärkt gegen Radwegparker vorzugehen, der Beschilderung den letzten nötigen Schubs gegeben haben?)

Theorie und Praxis

Die Halderstraße gibt RadfahrerInnen schon seit Monaten das ein oder andere Rätsel auf. Offensichtlich, ausgehend von schon vorhandenen Straßenmalereien, wurde hier ein Zweirichtungsradweg angelegt. Beschildert ist er bis heute nicht, wodurch er einfach nur nach Radweg aussieht, aber keiner ist (zumindest kein benutzungspflichtiger). De facto ist der Möchtegern-Radweg sowieso seit seiner Fertigstellung als Lieferzone in Gebrauch, kann man doch auf dem zusätzlichen Raum, der durch den Radweg geschaffen wurde, so viel besser und ungestörter vom Fahrbahnverkehr halten und parken. Gut, dass man auf Radwegen, ob beschildert oder nicht, grundsätzlich nicht parken/halten darf, das ist anscheinend nur für die unverbesserlichen Gutmenschen unter uns ein Grund. Vom Parken auf Fußwegen ganz zu schweigen.

Zarte Beschilderungsversuche gab es trotzdem seit Anfang des Jahres, nun steht zu Beginn des am meisten durch Zulieferer benutzten Abschnitt das abgebildete eingeschränkte Halteverbot. Dieses sagt uns:

Wer ein Fahrzeug führt, darf nicht länger als drei Minuten auf der Fahrbahn halten, ausgenommen zum Ein- oder Aussteigen oder zum Be- oder Entladen. Ladegeschäfte müssen ohne Verzögerung durchgeführt werden.

Auf der Fahrbahn. Das ist der Ort, an dem in der Halderstraße nun wirklich gar niemand parkt – das trauen sich aufgrund der Straßenbahntrasse nicht einmal UPS und Co. Warum man überhaupt auf der Fahrbahn halten und damit zwangsweise die Straßenbahn blockieren dürfen sollte, sei einmal dahingestellt. Das Schild steht aber meterweit von der Fahrbahn entfernt und zeigt dadurch vielmehr auf den Radweg. Da kann ein Zusatzschild, welches das Halteverbot auf den Seitenstreifen ausweitet (wobei man dann noch darüber streiten könnte, ob ein Hochboard ein Seitenstreifen ist; wahrscheinlich eher nicht, aber ach …) noch so sehr fehlen – sehr wahrscheinlich wird das Schild genau so interpretiert: Auf diesem Radweg darf man eingeschränkt halten. Ob die Stadt das vielleicht auch ganz genau so verstanden wissen wollte oder nicht, spielt da kaum noch eine Rolle. Mit diesem Schild wird der Radweg auf alle Fälle noch mehr zur legitimierten Lieferzone als ohne dieses Schild. Denn genau danach sieht es aus: nach einer Erlaubnis zum Be- und Entladen. Ob das Schild rechtlich etwas anderes sagt oder die Rechtslage generell dem Parken/Halten widerspricht, interessiert, mit Verlaub, keine Sau.

Dieser Radweg ist tot. Dass er nie hätte gebaut werden sollen, hilft dem Radverkehr leider nichts. Der fährt jetzt entweder Slalom, oder auf der Fahrbahn, die durch den versaubeutelten Radwegsversuch enger ist als vor dem Umbau. Well played.

Halderstraße, go home, you’re drunk.

Ob beim ein oder anderen Verantwortlichen – fehlendes Gesamtbild dank Bahnhofsbaustelle hin oder her – wohl auch der Zweifel keimt, ob ein Hochboard-Radweg in der Halderstraße wirklich eine gute Idee war/ist? Allein dass er beidseitig befahrbar ausgelegt ist, hätte bei dessen Vorstellung ja schon alle geheimen Falltüren auslösen und die jeweiligen Planer im Höllenschlund verschwinden lassen sollen. Dabei ist das in der Praxis – soweit ich es bislang erlebt habe – noch der irrelevanteste Aspekt, da in die „falsche“ Richtung schlicht kein Radverkehr stattfindet. Dass der Weg hingegen seit seiner baulichen Fertigstellung im September/Oktober höchstens provisorisch, wöchentlich unterschiedlich, jedoch seither nie (!) als Radweg beschildert wurde, spielt schon eher eine Rolle. Es machte die Etablierung als Kurzpark- und Lieferzone umso einfacher. Ob sich das nun noch durch eine Beschilderung, wie sie provisorisch schon angedeutet wurde, ändern lässt – oder ob sie es überhaupt je hätte verhindern können – sei bezweifelt.

Denn mit Verlaub, was hat man denn erwartet? Man stückelt an einen breiten Gehweg einen PKW-breiten Radweg an, entlang einer Reihe von Hotels/Banken, die offensichtlich seit Jahren Kurzzeitparker anziehen und selbst keine Parkplätze oder Lieferzonen bieten. Was erwartete man? Dass sich die diversen Lieferdienste auf die Straße stellen? Wo sie, nachdem die Fahrbahn nun schmaler und die Trassenführung geändert wurde, die Straßenbahn blockieren würden? Oder dass keine Lieferungen mehr kommen würden? Keine Bankkunden? Aber nein, für die hat man ja noch einen kleinen Streifen gelassen. Denn wie man weiß, parken nur immer so viele auf einem Streifen, wie auch darauf passen, und niemals noch einer vorne und zwei hinten darüber hinaus. Nein, nie.

Dieser unselige Radweg ist dazu verdammt, auf immer und ewig ein Parkstreifen für Hotelgäste und Bankkunden, für DHL und Konsorten, für Handwerker aller Art zu sein. Keine verdammte Sau kümmert es, dass das ein Radweg ist (oder mal einer werden soll, wenn sich die Stadt einmal dazu bequemt, ein paar lausige Schilder aufzustellen – dass das Parken auf einem Fußweg genauso illegal ist, ist wahrscheinlich erst recht jedem egal). Weil es zu praktisch ist, dort zu parken. Weil da ja schon ein, zwei parken, also kann ja auch noch ein Dritter dort parken. Weil es ja nicht anders geht, *buhuuu*, wie sollte man denn auch sonst zur Bank kommen.

Wenn also ein Hochboard-Radweg absehbar nur als Parkstreifen dient, wozu dann einen anlegen? Warum nicht, wenn es denn so notwendig scheint, den Platz für einen Kurzparkstreifen bzw. eine Lieferzone nutzen, den Radverkehr auf die Fahrbahn verfrachten und das Tempo auf 30 reduzieren? Bei Tempo 30 und ausreichender Fahrbahnbreite müsste man wahrscheinlich noch nicht einmal Schutzstreifen auf die Fahrbahn pinseln. Der Verkehr aus den Ausfahrten heraus müsste nicht quer über den Radweg stehen, um Sicht auf die Fahrbahn zu erlangen. Ja, möglicherweise erfüllt eine Führung auf der Fahrbahn noch (!) nicht das gefühlte Sicherheitsbedürfnis vieler RadfahrerInnen. Aber tut dies ein vollgeparkter, in beide Richtungen befahrener Radweg?

Klinkertor-Kreuzung

Wer Langenmantelstraße sagt, muss stadtauswärts auch Gesundbrunnenstraße sagen – und dann möglichst auch Klinkertor-Kreuzung. Es wäre nicht einmal vermessen, auch noch die Volkhartstraße zu erwähnen, denn letztlich ist das alles ein Straßenzug und kein ganz unwichtiger dazu. Aber belassen wir es hier einmal bei der Gesundbrunnenstraße, ganz im Sinne der Stadt, sich vorrangig um Lückenschlüsse zu kümmern. Denn wie auf der Langenmantelstraße muss sich der Radverkehr hier ohne Hilfestellung mit dem Autoverkehr arrangieren. Bergab bei Tempo 50. Zwar gibt es einen Radweg den Berg hinunter, durch die Grünanlagen unterhalb der Blauen Kappe. Aber zum einen führt der am Eingangsbereich des Eisstadions vorbei (was also zumindest zu manchen Jahres- und Tageszeiten keine gute Route ist), zum anderen leitet die Straßenmarkierung oben am Klinkertor den Radverkehr explizit auf die Fahrbahn. Wenn sie das aber tut, dann darf ich als RadfahrerIn auch verlangen, danach nicht alleine gelassen zu werden – nicht jedem/jeder Radfahrer/in kann es zugemutet werden, sich auf einer zweispurigen Tempo-50-Straße zu bewegen.

Desweiteren darf ich bitte auch verlangen, dass ich entlang der Vorfahrtstraße, auch wenn sie am Klinkertor einen eigenwilligen Haken schlägt, nicht benachteiligt geleitet werde. Momentan muss man als RadfahrerIn, wie beim Linksabbiegen gerne auferlegt, in zwei Zügen über zwei Ampeln „abbiegen“. Ob das ein kompliziertes Eck ist, mit fünf aufeinander treffenden Straßen und einer Straßenbahn, ist mir dabei ganz eigennützig egal. Es ist einmal mehr eine Frage des Stellenwerts, den das Rad als Verkehrsmittel einnimmt. Wäre es wichtig genug, würde man eine Lösung finden, den Verkehrsfluss möglichst unterbrechungsfrei zu gestalten – das ist genau das, was wir seit Jahrzehnten für den Autoverkehr tun. Natürlich kann immer der Punkt erreicht werden, an dem man mindestens einer Fortbewegungsart Einschränkungen auferlegen muss. Aber ob an dieser Kreuzung schon alles ausprobiert wurde?

Wie wäre es beispielsweise damit, dem der Vorfahrtstraße folgenden Radverkehr eine eigene Spur (grün) mit eigener Grünphase zu spendieren? Genau genommen könnten alle Radfahrüberwege zur gleichen Zeit grün bekommen, während alle anderen warten – Augsburg wäre kein Pionier einer solchen Ampelschaltung. Und wenn es keine bauliche und/oder technische Lösung sein soll, so bleibe immer noch der Weg, das generelle Tempo auf der Fahrbahn auf 30 zu beschränken, da dann ein Miteinander von Rad- und Autoverkehr ohne übermäßiges Gefahrenpotential möglich wäre. Auch das ist lediglich eine Frage des Stellenwerts: Wiegt es schwerer, die Flussgeschwindigkeit für eine Verkehrsart zu maximieren, oder ist es wichtiger, allen Fortbewegungsarten gleich wenig Hindernisse in den Weg zu stellen, auch wenn dies die maximale Flussgeschwindigkeit reduziert?

Wie man Menschen NICHT anregt, das Rad zu nehmen

Das Projekt Fahrradstadt 2020 hat das Ziel, den Radverkehrsanteil in Augsburg (grob) zu verdoppeln. Wenn das nicht nur bei angenehmen 20 Grad Sonnenschein gelten soll, wäre es eine Riesenidee, im Winter die Radwege freizuräumen. Nicht, dass man durch den weichen Matsch hier nicht durchkäme, und auch ungeachtet der Tatsache, dass aus dem Matsch nach etwas Nachtfrost ein sehr unangenehm festes Spurrillen-Eis-Gemisch wird. Aber uferlose Matschpfützen sind, auch wenn man das gar nicht glauben mag, in einer Diskussion über den Spaß am Radfahren in der Stadt ein echt beschissenes Argument.

Halteverbot in der Halderstraße – finally.

Haben alle ihren dicken roten Stift zur Hand? Dann kreisen wir jetzt alle zusammen den Tag im Kalender ein und machen ein paar freudige Purzelbäume: Die Halderstraße hat, wenn auch noch provisorisch, eine Halteverbotsbeschilderung spendiert bekommen! Zwar ist sie mir erst ab dem ibis Hotel aufgefallen, vielleicht habe ich sie davor aber auch nur übersehen. Oder man muss die offensichtlich knapp bevorrateten Halteverbotsschilder erst noch nachbestellen. Whatever.

Holzbachstraßenrevolution

steffelblog:

Das Verbotsschild für Fahrradfahrer wurde ausgetauscht durch ein Hinweisschild dass das Radfahren auf der Strasse erlaubt ist (Bild 1).

Huch? Das Verbotsschild an der Holzbachstraße ist passé? Stattdessen nun ein “Radfahren auf der Fahrbahn erlaubt”? Ich bin so begeistert, dass ich mich kaum zu fordern traue, dass es jetzt an der Ampelanlage Ackermann/Holzbachstr. auch noch beidseitig einen Übergang über die Ackermannstr. bräuchte, dass man den rechten Fahrbahnrand der Holzbachstraße auch erreichen kann.

Ich nehme an, man darf hier der Bürgeraktion Pfersee danken?

Das muss nicht sein

Jaja, Einsatzfahrzeuge, Sonderrechte, blablabla. Aber in einer Kurve parken und damit die Stelle komplett unübersichtlich zu machen und Konflikte herbeizubeschwören ist und bleibt Deppenparken. Wie wäre es mit einer Richtlinie seitens der *husthust*Fahrrad*hust*Stadt, wie sich die eigene Flotte an Baustellenfahrzeugen bitte sehr zu verhalten hat, Baustelle hin, Baustelle her? Wie wäre es damit, bei unumgänglichen Engstellen den Radverkehr auf die Straße zu leiten/umzuleiten, wie das bei einer Einschränkung des PKW-Verkehrs völlig selbstverständlich wäre?

Ampelfrage

Heute mal wieder eine Frage an die Regelexperten – denn Lichtzeichen sind mir oft die größten Rätsel:

Zwei Bilder, eine Kreuzung. Bei beiden Übergängen sind zwei Furten auf die Fahrbahn gemalt, aber einmal zeigt die Ampel Radfahrer und Fußgänger an, einmal nur Fußgänger.

Hat das jetzt verkehrsrechtlich irgendwelche Auswirkungen? Ist eine Ampel ohne Radfahrer-Symbol für Radfahrer tabu oder ist das völlig irrelevant oder wird das eh nur gewürfelt oder stechen Furten Ampeln oder andersrum oder wie überhaupt?

Nord-Süd-Achse bzw. Altstadtring

Wenn wir schon bei Umbauwünschen sind: Am Vogeltor muss wirklich (endlich) was passieren. Es mag ja aufgrund des Platzmangels kompliziert sein, aber wo ein Wille ist …

Ich bin überzeugt, es ließe sich, wie im Bild grob angedeutet, sowohl ein Teil vom Gehweg (der momentan ein benutzungspflichtiger Geh-/Radweg ist) als auch ein Teil der PKW-Spur abzwacken, um auf der Fahrbahn zumindest einen Schutzstreifen, wenn schon keine Radspur anzulegen.

Sicher wären auch noch wesentlich großartigere Lösungen möglich. Wo ein Wille ist …

Parkplätze auf Straßen schaffen ist wie …

Wieder was für thingsonbikelanes-aux, aber insbesondere einer für die Stadt Augsburg: BAUT DIE PARKBUCHT DIREKT HINTER DER KAISERHOFKREUZUNG ZURÜCK!

Diese Parkbucht befindet sich kaum 5 Meter hinter dem Kreuzungspunkt und bietet Platz für ein (1!) Auto. Aber – Überraschung! – hier stehen regelmäßig drei P/LKW. Und spätestens der dritte blockiert dann in variierenden Anteilen sowohl Straße als auch Radweg. Dabei ist es völlig egal, ob das ein Lieferdienst ist (ein eigenes Thema), oder ein Getränkelieferant oder ein SUV oder ein Smart. Das ist verkehrsgefährdend. Regelmäßig muss der PKW-Verkehr hier in die Gegenfahrbahn, um an den Deppenparkern vorbeizukommen.

Wie las ich so schön auf Twitter: “Neue Parkplätze auf Straßen schaffen ist wie Tauben füttern”. Wo ein Parkplatz, da ein Parker. Wo einer parkt, parken noch welche, egal ob noch Platz ist oder nicht. Was macht schon “ein bisschen” über die Linie. Ist doch nicht so wild.

Liebe Stadt. Zum einen: kontrolliert hier. Ist eine sichere Einnahmequelle. Zweitens: Baut die Parkbucht zurück. Ein Parkplatz 5 Meter hinter einem stark frequentierten Kreuzungsbereich ist für ALLE eine saudumme Idee. Das ist pure Anstiftung zum Fehlverhalten.

Am Holzbach auf dem Holzweg *tuschbitte*

Lieber die Fahrbahnnutzung untersagen und Radfahrer auf die linke Straßenseite zwingen, als vielleicht den PKW-Verkehr in der Unterführung auf Tempo 30 auszubremsen. Wo der Radler dann schieben soll, weil ein schiebender Radfahrer bekanntlich so viel weniger Platz benötigt wie einer, der auf seinem Rad sitzen bleibt (weil ebenso bekanntlich im Schritttempo fahren vollständig und komplett unmöglich ist).

Linksseitiger Radweg oder …

Auf den ersten Blick: ein etwas seltsam aufgestelltes Schild (Zeichen 241: getrennter Rad- und Fußweg), das die Befahrung entgegen der Fahrtrichtung erlaubt.

Auf den zweiten Blick: Rad- und Fußgängersymbol sind vertauscht. Aus Versehen falsches Schild? Vielleicht aber auch nur ein verdrehtes Schild und die Benutzung hier ist gar nicht erlaubt?

Und irgendjemand erwartet immer noch, dass das Rechtsfahrgebot im Bewusstsein des Durchschnittsradfahrers vorhanden ist?

Update Sommer 2017: Nach einer Meldung bei RADar! während des Stadtradelns 2017 ist das Schild in Richtung Baumgartnerstr. verdreht worden. Also keine linksseitige Freigabe Richtung Friedberger Str.!

Halderstraßenrätsel

Ja, es ist noch eine Baustelle und ja, es ist eine temporäre Beschilderung. Aber könnte die bitte auch irgendeinen Sinn ergeben?

Immer ganz nach vorne fahren. Nicht.

Trotz roter Markierung auf der Fahrbahn und einem Schild, das vor querenden Radfahrern aus beiden Richtungen warnt, stehen abbiegende PKW hier regelmäßig auf der Radspur – und übersehen/ignorieren RadfahrerInnen von rechts kommend komplett, oft genug auch die von links. Wenn es bitte mehr FahrerInnen so machen würde wie der des dunklen PKW im Bild? Von dort aus ist der Verkehr – nachdem man nur rechts abbiegen darf, ist nur der von links kommende Verkehr von Belang – nämlich bereits perfekt einsehbar.

Augsburgs Ost-West-Radachse

Nachdem diese Meldung besagte, dass die “Ost-West-Radachse” nun lückenlos befahrbar sei, wollte ich das doch auch gleich ausprobieren. Denn ehrlich gesagt geht mir bei der Wortwahl ein wenig der Hut hoch. Zum einen der Begriff “Radachse”. Das klingt so, als sei das eine Hauptverkehrsader, der Weg, den man nehmen sollte, um schnellstmöglich von Ost nach West (oder andersrum) durch die Stadt zu kommen. Der Weg, der am besten ausgebaut ist. Zum anderen ist stets die Rede davon, dass diese Achse nun “geschlossen” sei – durch den Radweg in der Grottenau. Die Wortwahl hat in diesem Zusammenhang stets etwas abschließendes an sich. Und wehe, die Politik ist der Meinung, dass etwas abgeschlossen sei.

Wir haben also nicht nur eine Radachse, sondern auch noch eine abgeschlossene. Bin ich übermäßig wortkläuberisch, wenn ich dann auch einen Radweg par excellence erwarte? Eine Strecke, die vom ersten bis zum letzten Meter auf dem Stand der Dinge ist, soweit es der vorhandene Platz eben zulässt?

Die erste Bilderstrecke zeigt den Weg von Westen (Hauptbahnhof) nach Osten (Jakobertor). Es gibt gute und weniger gute Abschnitte. Der Weg zeigt fast exemplarisch, wie unterschiedlich Radwege konzipiert sind. Es beginnt als Radweg, wird zur Radspur, entlässt einen dann kurz ganz auf die Fahrspur (oder leitet einen auf den Fußweg), dann wieder auf einen Radweg, durch Bushaltestellen hindurch, wieder auf eine Radspur um dann 100 Meter vor der Jakobertorkreuzung zu enden. Die Kreuzungsbereiche auf der Achse sind zwar alle von der besseren Sorte, zeigen aber alle verschiedenen Ampelarten, die man haben kann: kombinierte Fußgänger-/Radfahrerampeln, eigene Radampeln (an unterschiedlichen Stellen montiert) und reine Fußgängerampeln (wo man sich also an die Fahrzeugampel zu halten hat). Eine einheitliche Ampel-Systematik würde es allen Verkehrsteilnehmern erleichtern, Abläufe und potentielle Gefahren insbesondere beim Abbiegen zu verinnerlichen. Durch den ständigen Wechsel hingegen muss man sich nicht wundern, wenn z. B. die speziellen Radampeln komplett übersehen werden oder RadfahrerInnen auf das falsche Lichtsignal reagieren.

Die Gegenrichtung, also vom Jakobertor zurück Richtung Hauptbahnhof, ist die imho schrecklichere. Das fängt schon mit dem Jakobertor an – für das man jetzt schlecht jemanden verantwortlich machen kann. Das steht da eben und ist in dieser Richtung richtig eng. Die Farce von Radweg, die man dort beschildert hat, sollte man aber ehrlicherweise einfach ganz sein lassen (Update: zwar ist der Weg durch das Tor nun asphaltiert, breiter wird der Weg deshalb aber auch nicht – der Weg im Tor sollte komplett entfernt werden und der Radverkehr auf der Fahrbahn geleitet werden). Das anschließende Stück Radweg zwischen parkenden Autos und Schaufenstern zählt sicher auch zu den dringendsten Aufgaben im Augsburger Radverkehr. Da sich mit dem Abriss der Augusta-Brauerei-Gebäude und der Umgestaltung des Jakobertorplatzes die nächste Großbaustelle schon abzeichnet, darf man ja darauf hoffen, dass sich dann auch die Wegführung für Radfahrer verbessert. Weniger Hoffnung besteht da in der Karlstraße. Denn die ist soeben neu gemacht und Herzstück der “Schließung” der Rad-Achse. Nur leider fährt man hier mit dem Rad direkt nach einer Kreuzung in eine Bushaltestelle – ohne Ausweichmöglichkeit. Ich durfte hier schon eingeklemmt zwischen zwei Bussen warten.

Dass man nun selbst bei geringem Verkehr in der Grottenau den PKW-Verkehr leicht stehenlässt täuscht für meine Begriffe nur wenig darüber hinweg, dass auch und gerade in dieser Fahrtrichtung der Radweg weit weg von einer optimalen Ausgestaltung ist. In manchen Bereichen dürfte es wegen der Bauwerke schwer (oder beim Jakobertor unmöglich?) werden, eine gute Lösung zu finden. In anderen Bereichen ist der Radweg einfach überaltert und schlecht markiert bzw. schlecht angelegt. Wie in der Gegenrichtung zeigt sich das ewige Durcheinander von Radwegen und Radspuren und unterschiedlichen Lichtanlagen. Und die Praxis zeigt leider auch, dass der neue Radstreifen auf der Fahrbahn nur allzu gerne als Kurzparkzone für den Lieferverkehr genutzt wird. Pikanterweise legt dieses Verhalten erst der neue Radstreifen nahe – vorher war die Schwelle stehenzubleiben deutlich höher, da man direkt den PKW-Verkehr behinderte. Allerdings darf man das optimistisch auch einfach als Umgewöhnungsphase betrachten – dem Ordnungsdienst sollten die Stellen mehr als bekannt sein.

Rad-Achse. Ich hänge mich wahrscheinlich zu sehr an diesem Begriff auf, den irgendjemand aus der Stadtplanung in seinem Buch zum VHS-Kurs “Marketing für jedermann” gefunden hat und seither euphorisch einsetzt. Aber eine Radspur in der Grottenau ist zwar schön, wirklich gut, jedoch – mit Verlaub – keine Radachse. Es ist ein Flickenteppich. Nicht einmal einer ohne Löcher (Lücke in der Prinzregentenstraße und Unterbrechung durch Bushaltestelle in der Karlstraße). Wenigstens gleiche Lichtzeichen wären doch kein großer Aufwand, oder? Dass Bushaltestellen ein schwer aufzulösendes Problem sind – geschenkt. Dass Radwege und Radspuren gemischt sind – verständlich. Zugutehalten kann man der Strecke, dass man nie in flachem Winkel über Bordsteine von der Straße auf einen Radweg wechseln muss. Man kann auch noch auf Besserung hoffen, da die Jakoberstraße wohl noch umgebaut werden wird. Aber eine Rad-Achse? Wenn das hier das höchste der Gefühle ist, das Nonplusultra an Streckenführung, dann hängt die Latte aber erschreckend niedrig.

(Titelbild: Daten von OpenStreetMap – Veröffentlicht unter ODbL)

Ich will mich täuschen

Ich hoffe, ich täusche mich, aber diese angedeutete “Entlastungsstraße” über den Kö bettelt geradezu nach Konflikten zwischen Radfahrern und Fußgängern. Was aussieht wie eine Straße, wird so wahrgenommen wie eine Straße und so benutzt wie eine. Es ist aber eine Fußgängerzone, und “Fahrrad frei” heißt auch nur, dass man nicht sofort abzusteigen braucht. In der Realität birgt dieser Kompromiss imho Gefahren für alle Beteiligten. Fußgänger müssen (gefühlt) in der Fußgängerzone auf einmal auf Verkehr achten, Radfahrern wird eine Straße suggeriert, die keine ist – und auch auf halber Strecke in Gleisen endet und nirgends hinführt. Aber vielleicht täusche ich mich und der Kö wird einmal in die Geschichte eingehen als Ort, an dem sich Fußgänger und Radfahrer rücksichts- und verständnisvoll mit gesundem Menschenverstand begegnen – §1 StVO ;). Wahrscheinlich ist eine solche „Begegnungsfläche“ einfach nur neu und ungewohnt.

Wer allerdings bei dieser Streckenführung je von einer “Radachse Süd-Nord” spricht, dem hau ich eine runter. Denn es gibt auch jene RadlerInnen, die am Kö niemandem begegnen wollen, sondern einfach nur die Stadt in Süd-Nord-Richtung schnell durchqueren wollen. Für diese hat man beim Kö-Umbau leider keine Alternativroute gefunden.