Innenstadt, was willst du eigentlich?

Dieses abgebildete Schild ist eines von vielen, die seit Kurzem Augsburgs Einfallstraßen „schmücken“ und damit Teil der Innenstadtkampagne. Es weist den Weg ins Stadtzentrum. Ins neue Stadtzentrum. Nicht, dass dieses Zentrum jetzt woanders läge oder es bislang keine Beschilderung gegeben hätte. Aber man kann es beileibe nicht übersehen. Es ist riesig, es ist bunt, und es verspricht auch noch den „bequemen“ Weg in die Innenstadt. Da die Kampagne ja gerade jene aus dem Umland anlocken soll, die lange nicht mehr da waren, darf man annehmen, dass die so angesprochenen – Ortsunkundige – den Schildern bereitwillig folgen.

Mein Problem mit diesen Schildern – und diesem hier im Speziellen – ist: sie leiten wirklich wortwörtlich ins Zentrum. Dort stehen dann Schilder, auf denen steht: „Da bist du ja“. Schön, das Schild hat seine Schuldigkeit getan, legt die Füße hoch, macht sich ein Bier auf und schaut dem Treiben zu. Diejenigen, die den Schildern gefolgt sind – und wahrscheinlich alle anderen ignoriert haben, schließlich fahren sie dem „bequemen“ Weg nach, den die knalligen Schilder weisen – sind nun samt ihrer 12 Kubikmeter-Blechschüssel mitten im Zentrum und sollen sich nun eine andere Beschilderung suchen, die ihnen endlich einen Parkplatz weist. In der Tat finden sich Augsburgs Parkhäuser leider überwiegend sehr nah am oder eher schon im Zentrum (hier eine Übersicht). Womit ich auf das abgebildete Schild zurückkomme. Es steht auf der Amagasaki Allee, einer Ein- und Ausfallstraße aus dem/in den Augsburger Osten. Etwa einen Kilometer vor dem östlichsten Parkhaus der Stadt. Leitet das Schild dorthin? Nein. Es leitet davon weg (auf seinem Weg in die Innenstadt sogar wiederholt). Wo liegt da der Sinn?

Was sollen diese Schilder? Wie lautet die Definition von bequem? Was diese Schilder tun, ist PKW-Ströme in das Zentrum zu führen. Das ist aber nicht das Ziel der Reisenden, solange sie noch im Auto sitzen (und zudem kein Problem, das sich stellt und gelöst werden müsste). Das Ziel dieser Menschen ist ein Parkplatz. Alles andere als Wegweiser, die einem einen möglichst bequemen – lies: nahe liegenden – Parkplatz aufzeigen, sind überflüssig und kontraproduktiv. In der Tat benötigt Augsburg ein besseres Parkleitsystem, aber jenes, das es besitzt, wird von diesen sinnentleerten Schildern auch noch überstrahlt. Da nutzt auch der Hinweis nicht, man möge das Parkleitsystem beachten. Da ist ein verdammter Pfeil auf dem Schild, da steht „bequem“, es ist das größte Schild von allen – NATÜRLICH fährt man diesem Schild hinterher! Aber es führt nicht zu einem Parkplatz, sondern nur zu einem weiteren Schild, auf dem steht, man solle nach anderen Schildern Ausschau halten – denen man schon lange hätte folgen können.

Also was, liebe Innenstadt, willst du? Du willst Menschen in deinem Zentrum. Keine Autos. Autofahrer sind nicht deine Zielgruppe. Menschen sind es. Die wiederum, und da gehe ich jede Wette mit, weniger Autos im Zentrum sehr bequem finden würden.

Wieviel Unsinn kann man für 100.000 Euro kaufen?

Wie schon einmal erwähnt wird die Augsburger Innenstadt demnächst unheimlich attraktiv respektive sie ist es schon – und das möchte man dem Augsburger Umland, welches die Innenstadt schmäht, einmal mitteilen. Eine der Maßnahmen habe ich heute auf dem Weg zur Arbeit entdeckt: neue Wegweiser ins Stadtzentrum. Nur für den Fall, dass die Menschen aus dem Augsburger Umland vergessen haben, wo das Rathaus steht.

Der erste große Wegweiser nach einer Ausfahrt von der Stadtautobahn verspricht einen „bequemen“ Weg ins Zentrum. Und ich frage mich kurz, ob sie einen wohl zu einem P+R leiten und muss dann selbst lachen. Nein, tun sie nicht. Die Wegweiser leiten einen in diesem Fall geradewegs durch die Pferseer Unterführung zum Bahnhof, wo ein Schild besagt „Da bist du ja“ – und man weiß nicht recht, ob die Macher überrascht sind, dass die Menschen tatsächlich den Weg gefunden haben oder ob es ein Echo der Autofahrer sein soll, die unter all den Baustellen die Innenstadt wiedererkannt haben.

Auf der offiziellen Webseite heißt es:

Lebensgefühl transportieren
Je mehr Geld fließt, um so mehr Wirkung kann das Konzept entwickeln. Geplant sind in diesem Jahr drei aufeinander aufbauende Werbewellen, die vor allem das neue Augsburger Lebensgefühl transportieren: Nach einem ersten Auftakt in Region und Stadt wird in der zweiten Welle das Innenstadt-Eröffnungsfest am Sonntag, 3. Mai, beworben.

Also handelt es sich bei den Schildern wohl mitunter um die „erste Werbewelle“. Jaja, da steckt schon eine Menge Lebensgefühl drin, und sicherlich werden die Schilder noch besser, wenn noch mehr Geld fließt. Dann sehen sie bestimmt nicht mehr aus wie Baustellenschilder. Tatsächlich sehen sie ganz exakt genau so aus wie all die Schilder, welche über Jahre hinweg während des Innenstadtumbaus Umleitungen anzeigten. Riesenidee. Auch dass das „Endschild“ mitten in einer Baustelle steht entbehrt nicht einer gewissen Komik. Und dass es einen dann dem Parkleitsystem überlässt – genau jenem Parkleitsystem, welches Wirtschaftsvertreter zur Aussage verleitet: „Gegenwärtig gebe es überhaupt kein Parkleitsystem“  – wird sicher zur guten Laune der herbeigelockten Umländer beitragen.

Aber all das ist ja nur Stümperei um des Pudels Kern herum: „Bequem“ ins Zentrum heißt also auch heute noch, mit dem Blecheimer direkt vor’s Loch zu fahren. Dass die Menschen genau diese Vorstellung mittlerweile in einer überwältigenden Mehrheit ablehnen – geschenkt. Dass man selbst mit „schön gestalteten Plätzen“ und „Genießen und Verweilen“ wirbt, was wahrscheinlich nicht im Auto stattfinden soll, sondern gerade ohne dieses – vergessen. Dass es Anstrengungen gibt, Augsburg zur Fahrradstadt zu machen – irrelevant, denn es geht ja nur um Menschen aus dem Umland. Dass Buslinien zugunsten der Tram an deren Endhaltestellen gekappt werden, um die Auslastung und damit letztendlich das Angebot des ÖPNV zu verbessern – nein, keine Ahnung, wie man das mit Anreisenden aus dem Umland verbinden könnte. Was, eine Wegweisung zu Park&Ride-Plätzen? Um Gottes Willen, wie unbequem, dieses Umsteigen. Umland = Auto = Parken in der Umkleidekabine.

Welches Jahr schreiben wir gleich nochmal?