Fahrradfrühstück #2

Wow. In 30 Minuten haben wir alle unsere Fahrradfrühstück-Tüten an den Mann und die Frau gebracht. Ihr seid der Hammer! HAPPY COMMUTING EVERYONE! Unser besonderer Dank gilt heute auch der Schubert Bio&Vollwert Bäckerei, die uns den Tüteninhalt gespendet hat. Danke!

Fahrrad frei – das kann nur Mist werden

Um das Fazit gleich vorwegzunehmen: Wenn man auf das kleine Zusatzschild „Fahrrad frei“ trifft, ist etwas in der Verkehrsplanung schief gelaufen – und es wird von hier aus nur noch schlimmer. Die heutige Reise beginnt in der Frölichstraße auf der Fahrbahn und führt zur Luitpold-Brücke nach Pfersee. Nach der Kreuzung mit der Sieglindenstraße ist der Gehweg mit „Fahrrad frei“ beschildert. An einer entfernten Markierung kann man erkennen, dass es einmal ein getrennter Rad- und Fußweg war, der nach wie vor rege genutzt wird – durchaus verständlich, denn die PKW-Ampel an der folgenden Kreuzung mit der Viktoriastraße kann auf dem Gehweg bequem umfahren werden.

Danach ist zwar eine Ableitung auf die Fahrbahn vorhanden, doch für die leicht abschüssige Strecke durch die folgende Pferseer Unterführung wählen viele den weiterhin freigegebenen Gehweg, um nicht in den Verkehr einfädeln zu müssen. Direkt am Ausgang der Unterführung ist eine weitere Ableitung auf die Fahrbahn vorhanden, die dieses Mal obligatorisch zu nutzen ist, da der Gehweg ab hier deutlich nicht weiter für RadfahrerInnen freigegeben ist. Zwar sollte alleine die verminderte Breite die Nutzung ganz selbstverständlich verbieten, dennoch fahren viele auf dem Gehweg weiter. Bequemlichkeit? Angst vor der Fahrbahn? Selbst in Gegenrichtung wird dieser Gehweg genutzt (ja, RadfahrerInnen sind manchmal auch Trottel).

An der nachfolgenden Kreuzung mit der Rosenaustraße erreichen diese Gehwegradler eine Fußgängerampel, die leider auch ein Radsymbol (und eine Radfurt!) zeigt – gedacht ist diese wahrscheinlich für indirekt links abbiegende RadfahrerInnen aus der Rosenaustraße. Genau genommen ergibt das aber auch für diese keinen Sinn, denn die Radfurt führt geradewegs auf einen Gehweg – und dieser ist jenseits der Kreuzung nicht mehr für Radfahrer freigegeben. Wer hier aber dennoch die Radfurt nutzt, muss sich auf der anderen Seite der Kreuzung wieder in den Verkehr einfädeln – eine gänzlich sinnentleerte Radführung, die offensichtlich aus früherer Zeit übrig geblieben ist, als der Gehweg noch ein Radweg war? Wenn man aber auch heute noch RadlerInnen auf dem Gehweg antrifft, braucht man sich nicht zu wundern.

Hoffentlich auf der Fahrbahn erreichen wir die nächste Kreuzung, über die es auf die Luitpold-Brücke geht. Auf dieser ist – wer hätte es gedacht – der Gehweg mal wieder freigegeben. Die Freigabe ist notwendig, um auf den Radweg an der Wertach entlang abbiegen zu können, der von der Brücke abgeht und nur vom Hochbord zu erreichen ist. Die Freigabe gilt jedoch über diesen Abzweig hinaus bis ans andere Ende der Brücke (wahrscheinlich, um den jenseitigen Radweg die Wertach entlang auch noch erreichen zu können oder weil sich an eine zur Hälfte der Brücke endende Freigabe sowieso niemand halten würde 😉

Wer die Brücke einfach nur geradeaus nach Pfersee überqueren will, kann (und soll!) eigentlich einfach die Fahrbahn nutzen – aber vielleicht auch, weil seit der Frölichstraße RadfahrerInnen schon alle naselang mit „Fahrrad frei“ auf den Gehweg gelockt werden, nutzen auch hier viele den Gehweg. Man könnte sich fragen, warum auf dieser Seite der Gehweg nur „Fahrrad frei“ ist, wenn der baugleiche Weg in Gegenrichtung ein beschilderter Radweg ist. Eine mögliche Antwort findet sich, wenn man am Ende der Brücke die nächste Kreuzung überqueren möchte. Wer hier auf dem Gehweg fährt, findet sich an einer Fußgängerampel wieder – ohne Radfurt, ohne Radampel. Aus gutem Grund: auf der gegenüberliegenden Seite ist nur ein reiner Gehweg vorhanden, ohne Fahrradfreigabe. RadfahrerInnen müssen sich (schon wieder) in den Verkehr zurückfädeln. Jedoch ist diese Stelle noch wesentlich enger als zwei Ampeln weiter vorne, eine absolute Gefahrenstelle. Diese vermute ich als Grund, weshalb man die RadfahrerInnen in dieser Fahrtrichtung eigentlich nicht im Seitenraum haben möchte, sondern auf der Fahrbahn. Wer auf der Fahrbahn fährt muss sich nicht einfädeln, es ergibt sich demzufolge überhaupt keine Eng- und keine Gefahrenstelle.

Die Folge von zu viel Fahrrad frei

Genau hier schießt sich aber die zuvor ständige „Lockung“ auf den Gehweg langsam ins Knie. Natürlich wird es immer eine Anzahl an RadlerInnen geben, die den Gehweg wählen, wenn es denn ständig erlaubt ist. Zwar würden einige dies auch tun, wenn es nicht erlaubt ist, aber dass diese Zahl geringer ausfiele, darf denke ich angenommen werden. Ich kann aber nicht ein Fahrbahnradeln erwarten, wenn ich ständig Ausnahmen gestatte – mehrheitlich ohne nachvollziehbaren Grund, jenseits von „da passt aber kein echter Radweg hin, sonst fällt vielleicht ein Parkplatz weg“. Wenn der Platz tatsächlich einmal zu knapp wird, dann muss eben der Verkehr langsamer fließen. Aber oh Gott, Tempo 30. Tod und Teufel.

Und dieses elendige Fahrrad frei führt auch alle naselang in Situationen, die die StVO nicht wirklich vorsieht. Fahrrad-frei-Gehwege sind genau das: Gehwege. Dementsprechend findet sich daran an Kreuzungen meist nur eine Fußgängerampel. Fußgängerampeln wiederum gelten – gemäß StVO – für RadfahrerInnen nicht, sie müssten sich in dem Fall an die Allgemeinampel halten. Die jedoch ist vom Gehweg aus entweder nicht einsehbar, oder ihre Gültigkeit ist höchst unintuitiv. Wer sich nun an die Allgemeinampel hält, muss – gerade wenn man bei Allgemein-Grün, aber Fußgänger-Rot fährt – damit rechnen, dass PKW dies nicht vorhersehen. Wer sich hingegen nach der Fußgängerampel richtet, nimmt sehr viel längere Rotphasen in Kauf. Das mag definitiv das kleinere Übel sein, aber das kann und darf nicht der Maßstab sein, wenn es um Radverkehrsförderung geht.

Gehwege sind Gehwege und sollten welche bleiben. Dieses hingeflickte „Fahrrad frei“ ist allzu oft nur einfacher Ausweg für Kommunen, wenn sie keinen anderweitigen Raum für RadfahrerInnen schaffen wollen. Die Leidtragenden sind FußgängerInnen und RadfahrerInnen gleichermaßen.

Eine Unterführung des Willens

Endlich. Ein Geburtsfehler der Luitpoldbrücke ist Geschichte, dank des unermüdlichen Engagements der Bürgeraktion Pfersee. Diese paar Meter hätten mal einen Festakt verdient (im Gegensatz zu so manch anderer Straßenmalerei).

Für alle außerhalb Augsburgs: Auf der westlichen Seite der Wertach führt ein wahrlich wunderbarer Weg an der Wertach entlang bis in die Stadt hinein. An der Luitpoldbrücke gab es jedoch auf dieser Seite de facto keine passierbare Unterführung (man konnte, wenn man nur wollte, geduckt und über grobe Steinbrocken hindurcheiern, aber Steinblöcke vor der Unterführung deuteten schon auch an, dass eine Passage nicht empfohlen wurde). Man musste stattdessen auf die Brücke und – da auf dieser Seite auch kein Rad- oder Fußüberweg existiert – entweder über einen weiten Bogen auf der anderen Seite des Flusses die Straße queren oder sich irgendwie (halblegal) im Straßenverkehr einordnen und so auf die andere Seite kommen.

Der weitere Verlauf des Weges ist – gerade zu dieser Jahreszeit – allerdings ein Paradebeispiel dafür, weshalb ich lieber asphaltierte Wege hätte:

Derzeit herrscht bestes, trockenes Wetter, und doch reichen etwas Frühnebel und Tau aus, aus dem Weg eine Matschlandschaft zu erzeugen. Und auch wenn der Weg als „Freizeitroute“ eingestuft ist, so ist er unter Pendlern eben doch eine beliebte Trasse in die Stadt. Lech und Wertach bieten in Augsburg das größte Potenzial für eine PKW-freie Querung der Stadt. Hier in Überlegungen zu investieren, wie man Naherholung und Radachse auf einen Nenner bringen könnte, wäre sicherlich viel Zeit und Geld wert.

Augsburger Straße – wird das die Umfahrung?

Wie in diesem AZ-Artikel erwähnt und in der dort abgebildeten Briefmarke des neuen Hauptradwegenetzes zu erahnen, soll in Pfersee der (Durchgangs-)Radverkehr wohl tatsächlich um die Augsburger Straße herumgeleitet werden. Ich hatte mögliche Umfahrungen ja hier schon einmal dargestellt. Im Süden der Augsburger Straße scheint das tatsächlich auf die Färberstraße hinauszulaufen (die praktischerweise direkt an einer Wertachüberquerung startet/mündet), im Norden nicht auf die (sehr enge) Metzstraße, sondern die Leonhard-Hausmann-Straße (siehe Fotostrecke oben). Mein Eindruck ist jedoch nach wie vor derselbe, die Hauptschwierigkeiten sind:

  • Zugang Leonhard-Hausmann-Str: Vom Westfriedhof kommend ist das Abbiegen in die Leonhard-Hausmann-Str. bislang nicht gestattet. Das ließe sich leicht ändern (Schild weg), spannend wäre allerdings, wie das für RadfahrerInnen realisiert wird. Das Einordnen zum Linksabbiegen ist hier aufgrund der Straßenbahn nicht ganz trivial.
  • Platzmangel: Die Alternativen zur Augsburger Straße sind allesamt Nebenstraßen – sie sind eng und zugeparkt. Bei Gegenverkehr sind Mindestabstände praktisch nicht einzuhalten. Morgens und abends ist verstärkt mit ein- und ausparkenden AnwohnerInnen zu rechnen, was Durchgangsverkehr aufgrund der geringen Fahrbahnbreite mindestens ausbremst, schlimmstenfalls gefährdet.
  • Vorfahrt: Natürlich befindet man sich in den Nebenstraßen nie auf einer Vorfahrtstraße. Ganz bewusst wird hier schließlich der Verkehr durch Rechts-vor-Links-Kreuzungen ausgebremst. Meiner Erfahrung nach hat man als Radfahrer aber selbst in diesen zugeparkten Straßen eine viel bessere Übersicht als Autofahrer. Man käme also recht gut durch – es sei denn, man hängt hinter einem Auto fest 😉
  • Winterdienst: Ich habe zwar nur die Metzstraße beaobachtet, aber zumindest die hat diesen Winter kein Raumfahrzeug gesehen. Aufgrund der geringen Straßenbreite werden die großen Raumfahrzeuge in den Nebenstraße gar nicht verkehren können. die kleinen Fahrzeuge schaffen, wie man erleben durfte, den Rest derStadt auch nur eher schlecht als recht. Wie sie noch zwei Nebenstraßen mehr bewältigen sollen …?

Wenn ich es recht gelesen habe, ist selbst, wenn die Routen so kommen sollten, die Ausgestaltung noch völlig offen. Insofern ist jeder Kritikpunkt, den man an den Umfahrungsstraßen finden könnte, theoretisch auch behebbar. Zudem wird die Augsburger Straße ja auch nicht gesperrt, wer sich auf der Hauptstraße wohler fühlt*, wird sie weiter benutzen dürfen – so wie man auch jetzt schon die Nebenstraßen nutzen kann. Die Frage wäre also „lediglich“, wie man diese Nebenstraßen für den Radverkehr aufwerten kann. Einfach nur die Wegweisung daraufhin umzubiegen wäre meines Erachtens kein Gewinn. Man tauscht dann einfach nur Vorfahrtstraße gegen Nebenstraße und Einengung durch die Straßenbahn mit Einengung durch Parkplatz suchende AnwohnerInnen – und ich bin mir nicht sicher, ob letzteres nicht mehr Gefahrenpotenzial beherbergt. Die AnwohnerInnen wiederum sind nichts, was man hinwegzaubern könnte. Die wohnen da, die parken da. Und da die Straßen nicht breiter und die Autos nicht schmaler werden, bin ich überfragt, wo mehr Platz herkommen soll – der meines Erachtens wünschenswert wäre für ein entspanntes, sicheres Radfahren. Eine Einbahnstraßenregelung könnte zum Teil helfen, muss aber auch erst einmal sinnvoll für die AnwohnerInnen umgesetzt werden können. Weiter geht auch die Ausweisung als Fahrradstraße praktisch nicht, weshalb ich skeptisch bin, dass dieses vermeintliche Allheilmittel hier wesentlich weiterhilft.

Ich lasse mich gerne eines besseren belehren, liebe Fahrradstadt 2020. Jetzt zeig mal, was du kannst.

* Ich für meinen Teil habe kein Problem mit der Augsburger Straße, auch wenn ich nachvollziehen kann, warum jemand hier ungern fährt. Ich fahre auf der anderen Seite aber auch gerne in den Nebenstraßen, vor allem da ich dort nicht zu den „schwierigen“ Uhrzeiten unterwegs bin, wenn viel Parkverkehr herrscht. Ich wechsele zwischen den Routen je nach Tageslaune ab, wobei ich eher die Hauptstraße wähle, wenn es schnell gehen soll (was in die Hose geht, wenn ich hinter eine Tram lande).

Geradeaus in 90° Ecken

Dass die Luitpoldbrück nochmal umgebaut wird, davon träume ich in meinen euphorischsten Träumen nicht mehr, aber vielleicht wird ja einmal die anschließende Kreuzung mit der Perzheimstraße einmal renoviert? Falls ja, dann wünsche ich mir, nicht weiter in 90°-Ecken geradeaus geleitet zu werden. Danke.

PS: Weil das sicher erst in drölfundzwanzig Jahren geschieht, könnten wir zumindest mal die Straßenmarkierung erneuern?

Über die Luitpoldbrücke

Heute mal eine Frage: Darf/Soll ich so fahren (grüne Spur)? Das wäre von der Geradeausspur schräghalbrechts zum Weg an der Wertach. Den gelb gekennzeichneten Weg, der den Weg an der Wertach direkt über die Luitpoldbrücke verbinden würde, gibt es aus unerfindlichen Gründen nicht (ebensowenig wie eine nach herkömmlichen Maßstäben der Zumutbarkeit benutzbare Unterführung), also wie sonst hinüber kommen?