Ja da schau her

Vor langer, langer Zeit – vermutlich waren es die alten Römer – wurde stadteinwärts am Ende der Langenmantelstraße ein Radweg-Stummel auf das als reiner Fußweg beschilderte Hochbord markiert, auf den man zudem über den Randstein hätte hüpfen müssen, um ihn zu erreichen.

Seit einigen Wochen ist dieser Radweg nun tatsächlich bis zur letzten Randsteinabsenkung verlängert – und, oh Gott oh Gott, nach einigen Monaten sogar mit einem abgesenkten Randstein an der Aufleitung gesegnet. Bleiben die parkenden Autos, die, wie man im Bild sieht, den Platz regelmäßig so verengen, dass die markierte Radspur von Fußgängern benutzt werden muss. Und bis zur Ampel, wo man bequem auf die Radfurt wechseln kann, sind es kaum 50 Meter, die Fahrspur zur Ampel hin wird noch ein Stück breiter. Immerhin kann man nun in einer Situation wie auf dem Bild ganz legal auf dem Hochbord an der wartenden Autoschlange vorbei bis zur Ampel rollen.

In der Langenmantelstraße darf man dennoch vielmehr gespannt sein, ob die Stadt den großen Wurf wagt und je Fahrtrichtung eine PKW-Spur streicht und so eine Menge (ungestörten) Platz für FußgängerInnen (auf dem Hochbord) und RadfahrerInnen (auf einem Radstreifen) schafft. Das würde dann wohl (hoffentlich) auch das Problem der vielen FußwegradlerInnen durch die Plärrer-Haltestelle beseitigen.

Neue Abstellplätze, ok, aber …

Wenn in der Stadt neue Radabstellplätze geschaffen werden, soll man nicht meckern. Wobei sich mir bei diesen Plätzen am Plärrer doch zwei Fragen aufdrängen:

1. Warum gerade hier? Wer soll hier sein Rad abstellen? Plärrer-Besucher? Ein fester Platz für ein nur zweimal jährlich stattfindendes Fest scheint etwas unwahrscheinlich, zudem wären es dann sehr wenig Stellplätze. Vielleicht für Eisstadion-Besucher? Das liegt aber 100 Meter weit auf der anderen Straßenseite, dafür hätte man die Anlage wohl anders platziert? Abgesehen davon wären es wohl auch eher etwas wenig Stellplätze. Sollen RadfahrerInnen hier vom Rad in die Tram umsteigen? Das klingt ob der kurzen Reststrecke ins Zentrum auch unwahrscheinlich. Sollen Autopendler hier ein Rad deponieren um vom Plärrer-Parkplatz aufs Rad umzusteigen? Dafür sind die Radständer zu banal, was mich zur schwerer wiegenden Frage 2 bringt:

2. Werden heute ernsthaft noch solche Radständer verbaut? Wenn man nicht gerade ein sehr langes Schloss sein Eigen nennt, bieten diese Ständer keine Möglichkeit, den Rahmen anzuketten. Da gäbe es reichlich Alternativen (vom ADFC empfohlene), die ähnlich/gleich vielen Rädern Platz und zugleich bessere Absperrmöglichkeiten bieten. Diesen spartanischen Ständern hingegen würde ich mein Rad höchstens für einen kurzen Einkauf direkt am Laden (den es hier nicht gibt) anvertrauen, nicht aber für einen stundenlangen Ausflug in die Stadt.

Jemand eine Idee/Ahnung/Info, wer diese Stellplätze für wen aufgebaut hat?

Update: Die Tram-Umsteige-Theorie wurde auf Facebook mit dem Argument untermauert, dass der Innenstadt nach dem Plärrer der Klinkerberg im Weg steht. Das ist zwar nicht wirklich ein Berg, könnte für den/die ein oder andere/n aber durchaus ein Hindernis darstellen. Ein Umstieg in die Tram würde mit den neuen Abstellplätzen natürlich leichter fallen. Auch wenn das Frage 2 weiterhin offen lässt.

Radführung auf der Langenmantelstraße

Wie ich erfahren durfte, steht die Langenmantelstraße auf der Aufgabenliste für 2015. Der Autoverkehr fließt hier vierspurig (Tempo 50), in der Straßenmitte verläuft die Straßenbahnlinie. Die ist wahrscheinlich auch der Grund dafür, dass der Radverkehr auf einem Teilstück vom Hochboard auf die Fahrbahn geleitet wird. Dort allerdings fehlt jedwede Hilfestellung – keine Radspur, kein Schutzstreifen, stadteinwärts noch nicht einmal ein Schild, das vor RadfahrerInnen warnt (oder ich habe es übersehen).

Dabei ergibt es durchaus Sinn, den Radverkehr hier auf der Fahrbahn zu leiten – eben wegen der Straßenbahnhaltestelle. Und spätestens zu Plärrerzeiten will niemand freiwillig auf dem Hochboard fahren. Insofern ist die Auszeichnung als reiner Fußweg völlig nachvollziehbar. Unglücklich ist jedoch nicht nur, dass man als RadfahrerIn auf der Fahrbahn so alleine gelassen wird, sondern dass man erst auf halbem Wege auf die Fahrbahn geleitet wird. Das ist mindestens stadteinwärts problematisch, da man als „Einbieger“ auf die Fahrbahn (direkt am Fußgängerschild ist ein abgesenkter Randstein) besser eine Verkehrslücke abwartet als darauf hofft, dass der Autoverkehr mit dem/der RadfahrerIn rechnet. Einigermaßen sinnlos ist auch, dass der Radverkehr stadtauswärts (Richtung Wertachbrückenkreuzung) wieder aufs (enge) Hochboard zurückgeleitet wird, wo an der Ampel der Konflikt mit Fußgängern vorprogrammiert ist.

Wo auch immer der Platz für eine Radspur oder (wahrscheinlicher und ausreichend) einen Schutzstreifen kommen mag – vielleicht kann die Fahrspurbreite noch verringert werden? –, wünschenswert wäre, dass eine Radverkehrsführung auf der Fahrbahn entlang der kompletten Langenmantelstraße vorgesehen wird – das sollte die Zahl derer reduzieren, die bei einer Ableitung mittendrin einfach auf dem Fußweg bleiben. Auf jeden Fall aber sollten die Stellen, an denen der/die RadfahrerIn auf die Fahrbahn entlassen wird, baulich so gestaltet werden, dass man als RadlerIn nicht auf die Fahrbahn „einbiegt“, sondern einfach geradeaus weiterfährt, der Radweg also nahtlos in den Schutzstreifen übergeht. Das entschärft den Übergang auf die Fahrbahn vollständig und PKW können den Bereich der Überleitung nicht Schneiden. Stadtauswärts wäre zudem auch die Gesundbrunnenstraße mit einem Schutzstreifen zu versehen – aber das ist nochmal eine ganz eigene Geschichte.