Auf der linken Seite über eine Kreuzung. Good luck.

Wer in Augsburg die Studie des BASt einmal mit zusätzlichen Zahlen bezüglich der notwendigen Sorgfalt von Autofahrern gegenüber linksseitig fahrenden RadfahrerInnen füttern möchte, dem sei die Kreuzung Hofrat-Röhrer-Str/Inverness Allee empfohlen. Von der Hofrat-Röhrer-Str kommend wird man über einen kurzen Fuß-/Radweg auf den linksseitigen Radweg an der Inverness Allee geleitet und damit an die Kreuzung geführt. Diese Verkehrsführung ergibt durchaus Sinn, da ein großer Anteil der Radfahrer hier sehr wahrscheinlich in Richtung Frischstr/Haunstetter Str (oder in den Stadtwald) fahren will. Dazu müssen Radfahrer auf der linken Straßenseite bleiben, da rechts entlang der Inverness Allee kein Radweg geführt und das Befahren der Fahrbahn untersagt ist. Durch den kleinen Haken wird man zum entsprechenden linksseitigen Radüberweg geführt, der an und für sich vom abbiegenden PKW-Verkehr gut einsehbar ist.

Leider ist alle Theorie grau. Ich fahre diese Kreuzung auf meinem Arbeitsweg beinahe täglich, und an keiner anderen Kreuzung rechne ich mehr damit, dass ich „übersehen“ werde. Ganz offensichtlich haben sehr viele AutofahrerInnen hier RadlerInnen „aus falscher Richtung“ nicht auf dem Schirm – sowohl Rechts- als auch Linksabbieger, letztere vermehrt. Rechtsabbieger fahren linksfahrenden RadfahrerInnen dabei praktisch entgegen und bringen es trotzdem fertig, einen nicht zu sehen. Jedoch „übersehen“ sie auch rechtsfahrende RadfahrerInnen oft genug.

Bei den Linksabbiegern könnte man meines Erachtens die Kreuzung entschärfen. Linksabbieger aus der Inverness Allee in die Hofrat-Röhrer Str müssen aufgrund des Gegenverkehrs sehr lange warten, bis sich eine Lücke auftut. Ganz am Schluss der Grünphase bleibt ihnen ein Fenster, in dem der Gegenverkehr bereits Rot hat. In diesem Fenster schaltet gleichzeitig die Fuß-/Radampel auf rot, so dass es zu keinem Konflikt kommen sollte. Allerdings liegen die Schaltungen anscheinend zu knapp beieinander. Es ist durchaus möglich, als Radfahrer gerade noch bei Grün auf die Kreuzung zu fahren (ein Gelblicht gibt es für uns ja leider nicht), während die Linksabbieger nach langem Warten bereits Losfahren. Und machen wir uns nichts vor: natürlich fahren viele RadfahrerInnen auch noch bei gerade auf rot gesprungener Ampel in die Kreuzung ein. In vielen Fällen, die ich beobachte, wäre ein rechtzeitiges Abbremsen auch gar nicht mehr möglich. Entweder ringt man sich endlich zu einem Gelblicht auch für Radampeln durch, oder man verkürzt die Grünphase hier um wenige Sekunden.

Kritischer sind jedoch die Fälle, in denen sich den Linksabbiegern eine Lücke im Gegenverkehr inmitten der Grünphase bietet. Dann fehlt praktisch allen der notwendige Blick auf linksfahrende RadfahrerInnen, sie wollen nur schnell durch die Lücke flutschen. Auch das wäre einfach zu umgehen, indem man Linksabbiegern eine eigene Grünphase gibt und sie nicht bereits mit dem Geradeausverkehr in die Kreuzung einfahren lässt. Wahrscheinlich scheut man allerdings einen Rückstau auf die Geradeausspur, was sich schnell in den Schleifenstraßentunnel zieht. Bleibt die Frage, wohin die vielen Linksabbieger denn wollen – die Hofrat-Röhrer-Straße ist nun wahrlich keine gewichtige Straße.

Spieglein, Spieglein an dem Weg …

Diese Stelle (Hinweis von Severin) liegt jetzt auch schon eine ganze zeitlang herum. Es geht um den die Friedberger Straße stadtauswärts begleitenden Radweg. Zwischen Spickelstraße und Am Eiskanal verlässt der Radweg die Hauptstraße, führt an der Badestelle am Hauptstadtbach vorbei und mündet später in den Laubenweg, einer kleinen Parallelstraße zur Friedberger, um erst bei der nächsten Querstraße (Am Eiskanal) wieder zurück zur Hauptstraße zu gelangen. Kann man ja mal machen, so romantisch ist das Radeln an einer Hauptstraße auch nicht.

Nun ballen sich da aber einige fragwürdige Entscheidungen. Zum einen ist der Weg ein gemeinsamer Fuß- und Radweg. Das ist, nachdem sich hier eine im Sommer hoch frequentierte Badestelle befindet, verständlich. Gleichzeitig handelt es sich um einen Zweirichtungsradweg, darf also auch in „verkehrter“ Richtung befahren werden – ebenso sinnvoll, damit die Badestelle per Rad erreicht werden kann. Wie so oft in Augsburg wird dieser mögliche Gegenverkehr jedoch nicht per Schild angekündigt. So weit, so harmlos. Leider hielt man es nicht für notwendig, den Weg breiter als die in den aktuellen ERA (Empfehlungen für Radverkehrsanlagen) angegebenen 2,50 Meter zu machen – wobei die ERA einen kombinierten Rad-/Fußweg, der für RadfahrerInnen in beide Richtungen befahrbar ist gar nicht explizit kennt. Diese Mindestbreite sehen die ERA nur bei geringem Fußverkehrsaufkommen für vertretbar (an einer Badestelle?). Besser seien 3 oder 4 Meter.

Das wäre nun auch noch alles kein Beinbruch, führte der Weg nicht gleich zweimal um sehr schlecht einsehbare Ecken. Als erstes steht bei der Ableitung von der Hauptstraße eine Lärmschutz(?)mauer im Weg, wenige Meter später kurvt der Weg um Gabionen herum. In just dieser Kurve ereilte den Erbauern offensichtlich auch die Erkenntnis, dass es etwas unübersichtlich werden könnte – und malten ein Radsymbol mit Pfeilen in beide Richtungen auf den Boden. Immerhin eine Markierung. Im Laufe dieses Sommers wurde nun ein Teil des Weges – genau bis zur Kurve hin – neu asphaltiert. Was wiederum die Markierung am Boden so verschmutzte/beschädigte, dass sie de facto nicht mehr sichtbar ist. In diesem Zustand der Verschlimmbesserung befindet sich der Weg nun.

Nun lässt sich leicht einwerfen, dass doch jeder bei gesundem Verstand entsprechend vorsichtig um diese Stelle fährt. Aber obwohl das ein valider Einwand ist, so entlässt es nicht die Stadt aus Ihrer Pflicht, einen solchen – entschuldigung – Blödsinn gar nicht erst zu bauen. Noch dazu augenscheinlich ohne Not. Dass man den Radweg nicht weiter an der Friedberger Straße führt ist eine Sache. Aber warum um unübersichtliche Ecken und warum in der Mindestbreite? Es herrscht an dieser Stelle kein Platzmangel. Es gibt keine ersichtliche Not, die Lärmschutzwand so weit von der Straße weg zu ziehen, dass dem Weg nicht mehr Platz bleibt. Keine Notwendigkeit, eine so enge Kurve zu bauen. Keine Notwendigkeit, den Radweg überhaupt jenseits der Lärmschutzwand verlaufen zu lassen – man hätte zumindest platztechnisch den Radweg auf der Straßenseite bauen können und nur einen reinen Fußweg an der Badestelle vorbei. Und all das vor nicht allzu langer Zeit (2011), da dieser Abschnitt wegen des Baus der Tramlinie 6 sowieso neu angelegt wurde.

Aber als Kompromiss: wie wäre es mit einem simplen Spiegel in der Kurve?

Danke … irgendwie.

Beinahe jedes Jahr im Herbst rückt im Stadtwald nochmal der Reparaturtrupp aus. Die Fahrradstraße am Zoo/Botanischen Garten hatte es mehr als nötig, das Geholper dort ist kaum zu ertragen. Man könnte glatt auf die Idee kommen, dass eine Komplettsanierung auch keine völlig irrwitzige Forderung wäre. Aber es ist – natürlich – auch dieses Mal nur die immer gleiche Flickschusterei geworden. Vielleicht muss man in Zeiten klammer Stadtkassen damit zufrieden sein. Immerhin ist es nun weniger holprig als vorher, es hebelt einen nicht gleich aus dem Sattel, wenn man aufgrund von Gegenverkehr nicht frei seinen Weg durch das Schlaglochlabyrinth wählen kann oder man einmal den Blick in die herrliche Umgebung schweifen lassen möchte. Doch der nächste Winter, der nächste große Temperaturunterschied, kommt bestimmt. Und reißt neue Löcher, um die monate- und jahrelang gekurvt werden muss, bis wieder ein Reparaturtrupp Flicken auf die Flicken zwischen den Flicken pappt. Immer weiter wursteln. Vielleicht ist das die raue Realität im Finanzalltag deutscher Städte. Scheiße finden darf man das, bei allem Dank für die kurzfristige Verbesserung, trotzdem.

Der versteckte Radweg

Die Aufgabe: Die Rosenaustraße hinauf zur Gögginger Straße fahren und dann weiter stadtauswärts. Möglicherweise sagt das nichts Gutes über meine Auffassungsgabe aus, aber es dauerte eine (viel zu lange) Weile, bis ich nicht mehr bis zur Kreuzung hochfuhr und dort rechts abbog, sondern den Radweg-Abzweig durch den Wittelsbacher Park fand. Zu meiner Verteidigung: Dass am Ende einer optisch eher abschreckenden langen Parkreihe ein Radweg versteckt ist, muss man eher wissen, als man es sofort sieht. Für Rechtsabbieger Richtung Göggingen ist dieser Abzweig wunderbar und mit ein paar wenigen Eingriffen könnte man ihn noch wunderbarer machen:

  • Vielleicht bin ich ja damit alleine, aber den Abzweig könnte man vielleicht doch etwas auffälliger gestalten (Bild 1). Sei es durch eine sichtbarere Anbringung des Radwegeschildes, sei es durch eine Pfeilmarkierung auf der Radfahrspur, durch eine insgesamt ansprechendere Gestaltung der Fahrbahnoberfläche im Bereich des Abzweigs …
  • Sehr willkommen wäre eine bauliche Abgrenzung zwischen Radweg und Parkplatzfläche. Einfache Pfosten würden wahrscheinlich schon reichen. So lädt die Fläche leider regelmäßig Schlauberger dazu ein, noch den „Parkplatz“ ganz vorne zu nehmen (Bild 2)
  • Und letztlich könnte der Fuß-/Radweg eine Auffrischung gebrauchen. Die Oberfläche ist in zunehmend schlechtem Zustand und das wird bei Nässe, Laub und schlechteren Sichtverhältnissen nicht besser.

Warum warum warum müssen hier Autos fahren und parken?

Jeder hat so seine Ecke in der Stadt, die er/sie nicht versteht und gerne anders haben möchte. Meine: Die Karolinenstraße. Dass sich hier ein schier unablässiger PKW-Wurm – mit der rechten Felge schon auf dem Rathausplatz – hindurchwürgen muss, wahrscheinlich auf der Suche, seine Tonne Blech irgendwo abzustellen, bleibt mir ein unbegreiflicher Kniefall vor dem MIV (motorisierter Individualverkehr) zu Lasten eines zusätzlichen Bereichs innerstädtischer Einkaufs- und Aufenthaltsqualität – und zwar nicht irgendwo, sondern wortwörtlich inmitten des absoluten Stadtzentrums, am Fuße des Rathauses.

Dabei wälzt sich gar nicht jeder freiwillig hier hindurch. Wer vom Dom kommt, darf gar nichts anderes als geradeaus weiter in die Karolinenstraße fahren. Wahrscheinlich wollte man die heilige Ost-West-Achse nicht noch weiter mit Verkehr von der Seite behelligen. Wer sich gegen 17/18 Uhr hierher verirrt, kann das nachvollziehen, es steht einfach schon alles voller Blech. Dass das Queren der Stadt in Ost-West-Richtung nicht einfach ist im engen Augsburg und sich keine offensichtlichen Alternativen anbieten, sei unbestritten. Aber es ist dennoch was es ist: Das Unterordnen aller anderen Belange unter die des MIV. Noch dazu unter die Belange der Belastungsspitzen, die durch den MIV entstehen. Mutmaßlich weil man also keinen noch größeren feierabendlichen Stau möchte, leitet man den Verkehr, wie man es tut – zu Lasten einer möglichen verkehrsberuhigten oder gar gänzlich autofreien Einkaufszone.

Denn wenn man dem Verkehr aus dem Domviertel die Notwendigkeit nimmt, geradeaus in die Karolinenstraße zu fahren, was bleibt dann – abseits vom Lieferverkehr – noch? Anwohner der Altstadt dürften genügend andere Zufahrtswege haben (und könnten, wie in der Fußgängerzone auch, sowieso von einem Durchfahrtsverbot befreit werden). Es bliebe – natürlich – der potentielle Einkäufer. Der Parkplatzsucher. Nun ist die Karolinenstraße eine Eingeschränkte-Halteverbots-Zone. Wie man einkaufenderweise StVO-konform nur halten, nicht aber parken soll, müsste man mir noch näher erläutern. Nichtsdestotrotz ist der Straßenrand hier ohne Unterlass mit PKW besetzt. In Kombination mit dem ebenfalls selten nachlassendem Verkehr – oder spätestens der Straßenbahn – wird der Platz auf der Fahrbahn für RadfahrerInnen mehr als eng. Das wiederum dürfte ein gewichtiger Grund dafür sein, dass einige RadfahrerInnen auf den Gehweg ausweichen. Was natürlich nicht nur verboten, sondern mitten im Stadtzentrum bei hohem Fußgängeraufkommen auch eine absonderlich dumme Idee ist. Aber Dummheit ist nicht durch die Fortbewegungsart definiert …

Auch wenn die PKW-Karawane aus der Karolinenstraße weiter den Perlachberg hinunter zieht, wird das Parkplatz-Argument nicht besser. Sagenhafte acht (8) Parkplätze tun sich am Straßenrand auf. Weitere 28 bietet die Stadtmetzg – allesamt für maximal eine Stunde. Ok, wenn Kurzzeitparkplätze irgendeinen Sinn ergeben, dann in unmittelbarer Innenstadtnähe. Die Frage sei jedoch gestattet, wieviel Verkehr man für (obendrein durch kein Parkleitsystem erfassbare) Parkplätze in Kauf nehmen will. Und sollen wir einmal die Stadtwerke fragen, was sie von Parkplätzen am Perlachberg halten?

Am benachbarten Perlachberg wollen die Stadtwerke etwas gegen Falschparker tun, die seit Jahrzehnten regelmäßig den Verkehr auf der Linie 1 unterbrechen. Immer wieder stellen sich dort Autofahrer verbotenerweise in die Sperrfläche. Nun wollen die Stadtwerke die Fahrbahn an der Nordseite künstlich verengen, sodass sich niemand mehr ins Halteverbot stellen kann.

Das ist die einzig sinnvolle Antwort. Nicht immer mehr Parkplätze, sondern (potentielle) Parkflächen vermeiden. Aber warum dort aufhören? Wo keine Parklätze angeboten werden, gibt es keinen Parksuchverkehr und potentiell auch weniger Falschparker. Die besagten 8 Parkplätze am Perlachberg, die Pseudo-„Park“plätze in der Karolinenstraße – warum nicht komplett darauf verzichten und die Zufahrt zur Stadtmetzg auf den Schmiedberg begrenzen? Wie groß wäre der Schaden durch die handvoll wegfallenden Parkplätze? Und wie groß wäre im Gegenzug der Gewinn durch mehr Platz für Fußgänger, mehr Platz für Radfahrer, weniger Falschparker im Weg der Straßenbahn und generell weniger PKW-Verkehr im Einkaufsbereich? Ist es derart undenkbar, Kurzzeitparkplätze für eilige PKW-Kunden gegen mehr Raum für – selbst wenn ebenso eilige – Kundschaft einzutauschen, die eben zu Fuß, mit dem Rad oder der Straßenbahn kommt – aber umso lieber kommt, wenn sich der unablässige PKW-Verkehr endlich reduziert? In anderen Worten: Was macht die Kurzfrist-Parkmöglichkeit für den PKW-Kunden so viel wichtiger als das allgemeine Wohlbefinden aller restlichen Kunden? Wer argumentiert, dass der Einzelhandel nun einmal auf Kunden angewiesen ist, die mit dem PKW kommen – einfach weil die überwiegende Anzahl der Menschen mit dem Auto unterwegs ist – muss sich aber auch die Gegenfrage gefallen lassen, ob die Nicht-PKW-Kunden vielleicht nur nicht kommen, weil die Umgebung so kompromisslos auf den PKW-Kunden zugeschnitten ist? Sich in der Stadtmitte auf eine unkomplizierte Erreichbarkeit mit dem PKW zu stützen scheint mir ein zutiefst fragwürdiges Geschäftsmodell.

Wenn ich mich recht entsinne (und es richtig verstanden habe), existieren für die Karolinenstraße tatsächlich Pläne, mindestens auf einer Seite den Gehsteig zu verbreitern, was einem Verzicht auf die PKW-Parkmöglichkeit gleichkäme. Verbreitert man den Gehweg dabei nicht ganz um PKW-Breite, würde RadfahrerInnen selbst neben einer Straßenbahn noch genügend Platz bleiben. Die Gefahr, von einer Autotür abgeräumt zu werden, wäre Geschichte. Platz für zusätzliche Radabstellanlagen wäre ebenfalls vorhanden (ja, gegen PKW-Parkplätze wettern aber welche für Räder fordern – ich weiß. Nur passen auf einen PKW-Stellplatz auch bis zu 12 Räder, das scheint doch eine effizientere Platznutzung, gerade wo auch in einem PKW statistisch nur 1,1 Personen sitzen).

Eine autofreie Karolinenstraße (und im Anschluss ein autofreier Perlachberg) wäre mir immer noch das liebste. Selbst München hat sich dazu durchgerungen, wenigstens einen Teil der Sendlingerstraße – ein „seit immer“ vor PKW überquillender Abschnitt – autofrei umzugestalten. Und in Wien wurde, was undenkbar schien, die Mahü autofrei („autoberuhigt“) umgestaltet – auch dieser Straßenzug war einst PKW-dominiert. In Augsburg haben wir immerhin die Durchgängigkeit von Konrad-Adenauer-Allee zur Fuggerstraße über den Kö abgeschafft – zum Wohle eines großen Platzes. Dagegen erscheint die Karolinenstraße wie ein Freizeitprojekt für ein paar Nachmittage. Aber vielleicht wäre es ein Anfang, den wenigen Parkmöglichkeiten baulich entgegenzuwirken. Nicht, weil ich dem Einzelhandel keine Kunden gönne. Sondern weil ich glaube, dass das Entfernen von wenigen Kurzfrist-Parkmöglichkeiten keine negativen Auswirkungen auf das Kundenaufkommen hat. Schließlich wirbt „die Innenstadt“ doch mit ihrem Umbau. Als Geschäft der Karolinenstraße und des Perlachbergs würde ich lieber in den Club der Fußgängerzonenhändler aufgenommen werden als mich als Drive-Through verdingen zu müssen.

Verkehrsführung MAN Kreuzung

Das Wissen, seit wann an der MAN-Kreuzung schon gebaut wird, ist im Laufe der Generationen verloren gegangen. Im Zweifel werden es die Römer gewesen sein. Da man so langsam aber eine Idee davon bekommen kann, wie der Kreuzungsbereich in etwa einem Jahr aussehen soll, lohnt ein genauerer Blick. Schließlich sind ja „Verbesserungen für Radfahrer geplant“.

Stadteinwärts führt auf der Sebastianstraße ein (nach heutigen Maßstäben eklatant zu enger) Radfahrstreifen auf der Fahrbahn Richtung MAN-Kreuzung. Nachdem sich hier – außer nachts um drei – aber PKW um die Wette stauen, ist das besser als nichts. Nach der Thommstraße wurden Rad- und Fußverkehr bislang zusammen auf aberwitzig wenig Raum (samt Bäumen) geführt. Die Bäume hat man entfernt, von der gemeinsamen Führung von Rad- und Fußverkehr wollte man sich aber offensichtlich nicht vollends verabschieden – zumindest etwa die ersten 10 Meter nicht. Dann wird die Radspur neuerdings auf die Fahrbahn abgeleitet. Warum das nicht gleich ohne den gemeinsamen Abschnitt geht, bleibt mir ein Rätsel – aber irgendeine bürokratische Begründung wird das sicher unumgänglich gemacht haben.

Die versprochenen 1,50 Meter misst die Ableitung nur, wenn man auch den Bordstein hinzurechnet. Aber dass man an dieser notorisch überlasteten Kreuzung wenigstens das bekommt, ist wohl auch einfach das erträumbare Maximum. Richtig spannend wird es ab der Ableitung. In diesem zweiten Teil der MAN-Kreuzung geht es zweispurig links nach Lechhausen, auf der rechten der beiden Spuren auch geradeaus Richtung Innenstadt. Als Linksabbieger wird man auf dem Rad ja gerne etappenweise zum Ziel geführt. Vielleicht so auch hier. Während von der Ableitung aus ein Radfahrstreifen geradeaus führen wird, könnte der sich öffnende Bereich rechts davon als Wartebereich für Linksabbieger dienen – welche dann mit den Fußgängern über die Ampel jenseits der Kreuzung sollen. Wie das für mehr als ein oder zwei RadfahrerInnen funktionieren soll, darf man sich zurecht fragen – aber das wird ja auch andernorts so gebaut, Sinn hin, Sinn her.

Aber wenn man auf die derzeitige Übergangsmarkierung sieht, wäre es auch möglich, dass zwischen der Ableitung auf die Fahrbahn und der Ampel (der jetzigen gelben Markierung) ein vorgezogener Wartebereich für Radfahrer eingezogen wird. Zumindest bei Rot wäre es RadfahrerInnen dann möglich, sich auf der Fahrbahn einzuordnen und in einem Rutsch links abzubiegen. Da eine solche Ampelschaltung aber nur ein selten eintretender Fall ist, würde mich eine solche Lösung doch sehr wundern. Wer direkt links fahren möchte, muss sich wahrscheinlich auch weiterhin in den Verkehr werfen (was nach meinem Verständnis auch völlig legal ist; ohne Gewähr). Dafür wäre ein vorgezogener Bereich bereits eine Ampel früher (an der Thommstraße) weitaus sinnvoller. Auf die 20 Meter zwischen den Ampeln würde selbst ein langsamer Radfahrer den Verkehr nur unwesentlich bremsen – mit entsprechend Vorsprung gewährender Radampel wahrscheinlich sogar gar nicht. Der Bedarf für ein zügiges, direktes Linksabbiegen wäre durch das MAN-Personal zu Schichtwechseln wahrscheinlich sogar zahlreich vorhanden. Aber nicht nur das Vorhandensein des kurzen Hochbord-Abschnitts zwischen den Ampeln der MAN-Kreuzung lässt mich zweifeln, ob eine solche Lösung überhaupt je zur Debatte stand.

Abgesehen von der Regelung für Linksabbieger bleibt interessant, wie der Radfahrstreifen geradeaus fortgeführt wird. Nach der MAN-Kreuzung fuhren RadfahrerInnen Richtung Innenstadt bislang auf dem Hochbord, vorbei an Ausfahrten und einer Haltestelle – ein verfluchter Abschnitt, der am unübersichtlichen Häusereck in der Kurve zur Müllerstraße gipfelt (nicht nur zur Baustellenzeiten, in denen beidseitiger Verkehr tatsächlich vorgesehen ist, ein großartiger Ort, Geisterradler kennenzulernen). Wünschenswert wäre daher die Fortsetzung des Radfahrstreifens auf der Fahrbahn. Erkennbar ist die gedachte Wegführung derzeit noch nicht. Dass in der Müllerstraße allerdings ein Grünstreifen in der Mitte der Fahrbahn geplant ist (als Ausgleich für die im Kreuzungsbereich entnommenen Bäume) deutet aber nicht gerade auf ausufernden Platz hin. Am rechten Fahrbahnrand lauert zudem eine Parkbucht – mal sehen, ob Augsburg in Sachen Sicherheitsabstand lernfähig ist, oder sich gar traut, drei Parkplätze zu streichen. Oder die Radspur doch auf dem Hochbord belässt.

Wird der Radfahrstreifen auf die Fahrbahn verlagert, wäre stadteinwärts ein weiteres Stückchen Hochbordradweg abgeschafft. Vielleicht traut sich die Stadt dann ja auch noch an die Riedingerstraße …

180 Meter Freiheit

Ob ich persönlich ein großer Fan der Freigabe von Einbahnstraßen werde, weiß ich noch nicht. Wahrscheinlich ist es eine Frage der Eingewöhnung aller Verkehrsteilnehmer, denn der Komfortgewinn durch direktere Streckenverbindungen ist unbestritten. Wie etwa hier in der Elisenstraße, wodurch man aus der Morellstraße kommend nun endlich geradeaus Richtung Wittelsbacher Park fahren darf. Dazu wurde (schon im Sommer) in der Morellstraße sogar ein eigener vorgezogener Radbereich markiert, in dem man sich vor den Rechtsabbiegern platzieren kann – sehr angenehm. Die etwas mehr als 4 Meter Durchfahrtsbreite in der Einbahnstraße übertreffen die Voraussetzungen, welche die VwW-StVO zur Freigabe von Einbahnstraßen fordert. Wenn sich erst einmal alle daran gewöhnt haben, dass hier stets RadfahrerInnen in „falscher“ Fahrtrichtung angetroffen werden können, sollte das gut ausreichen. Apropos Gewöhnung: Dass im ersten Schritt die Beschilderung am Beginn der Einbahnstraße vergessen wurde, die auf den möglichen Gegenverkehr hinweisen muss, ordne ich auch mal unter „sich noch daran gewöhnen müssen“ seitens der ausführenden Behörde ein 😉

Wenn ich mir aber noch etwas wünschen dürfte: Aufgrund der Einbahnstraßenregelung in der Imhofstraße biegen PKW ausschließlich links in die Elisenstraße ab. Um eine einwandfreie Sicht auf entgegenkommende Radfahrer zu haben, ist es unerlässlich, dass der innere (linke) Kurvenbereich frei ist. Im Bild sieht man, dass dieser zwar markiert ist, die Markierung  Falschparker aber offensichtlich nicht abhält (der Audi steht in voller Länge im markierten Bereich, der SUV immerhin zur Hälfte). Vielleicht wären hier Einbauten/Verkehrsinseln wirkungsvoller. Damit wäre auch sicher all jenen geholfen, die auf einen freien Bereich am abgesenkten Randstein angewiesen sind.

Umverteilung des Raumes zugunsten des Radverk… oh fuck it.

Bezüglich „Umverteilung im öffentlichen Raum und eine Verkehrslenkung zugunsten von Rad- und Fußverkehr“ (AGFK Bayern), hier der Zustand in der Friedberger Straße, fertiggestellt 2010. Neun Jahre seit der Donauwörther Straße haben dem Radverkehr immerhin satte 7 cm mehr Raum eingebracht. Um korrekt zu sein: die weiße Begrenzung wird zum Radstreifen gezählt, wodurch dieser auf 133 cm käme. Abzüglich eines minimalen Dooring-Zonen-Abstands von 80 cm passt dann jedoch immer noch kein Rad auf diesen Weg.

Nein, nicht überall sind Parkstreifen am Rand (die abgebildeten PKW stehen übrigens alle gut eingeparkt kaum einen Fingerbreit vom begrenzenden Randstein weg), und ja, auch auf 1,14/1,33 Metern kann man dann ganz prima Radfahren (alleine). Aber weshalb man sich bei derartigen Platzverhältnissen entweder an veralteten Mindestbreitenempfehlungen orientiert oder es für unabdingbar hält, von neueren Empfehlungen nach unten abzuweichen, während der PKW-Spur noch Platz wie sonst nur auf Autobahnen eingeräumt wird, ist mir unbegreiflich.

Dabei war der Schritt, die Friedberger Straße zugunsten der Tramtrasse auf nur eine Fahrbahn zu verengen, schon umstritten genug. Traute man sich dann nicht, auch noch dem Rad mehr Platz zuzugestehen? Oder hatte man eben auch „damals“, vor gerade einmal 5 Jahren, das Rad einfach noch nicht auf dem Radar? Was dann genau der Grund wäre, liebe Stadt Augsburg, dass es heute noch nicht an der Zeit ist, sich für irgendetwas feiern oder auszeichnen zu lassen, was man angeblich, tatsächlich oder demnächst für den Radverkehr getan hat oder getan haben wird.

Apropos Potenzial: der Westpark

Der Westpark ist ein Kunstbegriff, unter dem die neu geschaffenen Grünflächen der ehemaligen Reese- und Sheridankasernen zusammengefasst sind. Dadurch entsteht die einzigartige Möglichkeit, von der Ulmer Straße im Norden bis zur Leitershofer Straße im Süden (fast) ampelfrei durch Pfersee zu fahren. Der Wasenmeisterweg erweitert diese etwa 4km lange Strecke auf rund 6km bis hinunter zur Wellenburger Str. in Göggingen, was dann durchaus vergleichbar mit der Strecke durch den Stadtwald in Haunstetten ist.

Während der Reese-Park noch eine große (hässliche) Baustelle ist, ist der Fuß-/Radweg bereits fertig (mit kleinen, die prinzipielle Benutzbarkeit nicht beeinflussenden Ausnahmen). Vielleicht war diese Fertigstellung in diesem AZ-Artikel gemeint, jedoch wurde darin explizit die Verbindung zwischen Sheridan- und Reese-Park erwähnt – was tatsächlich die einzige Stelle ist, an der man sich mit PKW-Verkehr herumschlagen muss und wo derzeit noch kein Weg existiert. Denn zwischen diesen beiden Arealen liegt der Westfriedhof „im Weg“. Obwohl anscheinend auch die Rad-Freigabe auf dem Friedhofsgelände diskutiert/erprobt wird, ein Durchgang existiert nicht und die Route ist wohl auch eher östlich des Friedhofs angedacht. Das Problem hierbei ist, dass das Linksabbiegen aus der Leitershofer in die Deutschenbaurstraße nicht erlaubt ist. Baulich ist ansonsten nichts weiter für den Lückenschluss notwendig, aber diese Kreuzung sinnvoll für den Radverkehr umzugestalten ist Aufgabe genug. An diese Kreuzung muss die Stadt aber sowieso ran, sollte sie die vorgeschlagene Umfahrung der Augsburger Straße von der Verkehrsplanung übernehmen wollen.

Weshalb die Strecke als „Freizeitverbindung“ deklariert wird, bleibt das Geheimnis der Netzplaner, kann dem/der RadfahrerIn letztlich aber auch egal sein – ebenso, dass der Sheridan-Park als Radfahrer-frei-Gehweg ausgeschildert ist (der Weg im Reese-Park ist noch nicht beschildert). Im Gegensatz zur Stadtwaldstrecke sind diese Gehwege im Sheridan- und Reese-Park sogar beleuchtet. Dass zumindest im vergangenen Winter der Weg im Sheridan-Park überhaupt nicht geräumt wurde – was in einer mehrere Zentimeter dicken Eisschicht resultierte – überdenkt die Stadt hoffentlich. Zu hilfreich ist diese Strecke für Berufspendler auch und gerade im Herbst/Winter.

Das Sahnehäubchen – nicht nur für RadfahrerInnen – wäre eine Überquerung der Bürgermeister-Ackermann-Str. per Grünbrücke (wie im Süden mit der B17 und nahe der Stadtmitte mit der Inverness-Allee der Fall). Das würde RadfahrerInnen Verkehr und eine Ampel ersparen, würde aber in erster Linie das Einkaufszentrum auf der Südseite der Ackermannstr. mit dem Reese-Park auf der Nordseite verbinden – eben ohne eine vierspurige Stadtautobahn zu überqueren, durch die zukünftig ja auch noch eine Straßenbahntrasse geführt wird. Es wäre, wenn auch wahrscheinlich recht kostspielig, ein Zeichen für eine Stadtteilentwicklung und Mobilität abseits des MIV. Aber selbst ohne Grünbrücke, dafür mit einem radfreundlichen Umbau der Kreuzung Stadtberger/Deutschenbaur wäre im Augsburger Westen eine weitere sehr einzigartige Radachse geboren.

Das vergessene Potenzial des Stadtwalds als Süd-Nord-Achse

Wer von Haunstetten (im Augsburger Süden) aus in die Stadtmitte will, nimmt wahrscheinlich die Haunstetter Straße, die wie mit dem Lineal gezogen dorthin führt. Obwohl ich grundsätzlich eher dagegen bin, den Radverkehr abseits der (PKW-)Hauptverkehrsadern zu leiten, ist dies hier wahrscheinlich die Ausnahme, welche die Regel bestätigt: die Alternativroute durch den Stadtwald. Mein Fall mag ein Idealbeispiel sein, aber er sei als Verdeutlichung des Hauptvorteils angeführt: Während der Weg von meinem Zuhause ins Büro an der Haunstetterstr. entlang 7km misst, kommt die kürzeste Stadtwaldroute nur auf 8km – gerade einmal 1km länger, dafür aber weitgehend ohne PKW-Verkehr und mit nur einer einzigen Ampel.

Blau markiert der Weg an der Haunstetter Str entlang. Rot der kürzeste Weg durch den Stadtwald (mit den diversen möglichen Abzweigungen)

Blau markiert der Weg an der Haunstetter Str entlang zum Roten Tor. Rot der kürzeste Weg durch den Stadtwald (mit den diversen möglichen Abzweigungen)

Der Weg durch den Stadtwald hat mir den Schritt zum Ganzjahresradler denkbar einfach gemacht. Der Weg ist durchgehend asphaltiert, artet also auch bei nassem Wetter nicht in eine Schlammschlacht aus. Der Winterdienst ist auf der Hauptstrecke vorbildlich und ohne PKW-Verkehr bilden sich auch keine vereisten/vermatschten Spurrillen. Im Sommer spendet der Wald herrlichen Schatten, selbst den Wind bremsen die Bäume ein wenig aus. Und abgesehen davon ist die Strecke einfach wunderschön, still, die Luft sauber. Im nächsten Radverkehrsplan, so er denn dieses Jahr irgendwann noch vorgestellt wird, ist ein Großteil der hier aufgezeigten Strecke sogar als Rad-Hauptverkehrsroute gekennzeichnet. Wo liegt denn also das Problem?

Problem ist, dass das Bessere des Guten Feind ist, und wenn man etwas genauer hinschaut, ist das Gute auch nicht so unbestreitbar gut. Beginnen wir die Reise im Süden, am Klinikum in Haunstetten. Von hier rollt man auf feinstem Asphalt Richtung und durch Siebenbrunn. Etwa 2009/2010 wurde hier die Fahrbahn vollständig erneuert – was auch dringend nötig war, denn die Strecke war ein einziges Sammelsurium tiefster und noch tieferer Schlaglöcher. Wenn das der Zustand einer Straße ist, bevor sie von Grund auf saniert wird, dann haben wir im Stadtwald noch eine lange Wartezeit vor uns. An der Kreuzung mit der Ellensindstraße sieht man allein an der Anzahl der Wegweiser, dass sich die Stadt der Stadtwaldroute auch bislang schon gewahr ist. Der neue Radplan sieht an der Ellensindstraße den östlichsten Punkt der Ost-West-Strecke durch Haunstetten bis nach Inningen (was ein diskutabler Schleichweg abseits der Hauptstrecken ist, dazu vielleicht einmal in einem separaten Artikel mehr).

Wie gut ist gut genug?

PKW-Verkehr gibt es schon in Siebenbrunn recht wenig, hinter der Schranke trifft man im weiteren Verlauf der Strecke nur noch auf den Verkehr, der durch den Forstbetrieb entsteht. Das kann dann zwar auch einmal ein Monstrum an Holztransporter oder ein Harvester sein, aber in der Regel sind RadfahrerInnen und FußgängerInnen nun unter sich. Und schlängeln sich durch die unzähligen Schlaglöcher. Wie man den Fahrbahnzustand beurteilt, mag an der Erwartungshaltung liegen. Von „gut genug“ bis „völlig kaputt“ dürfte bei einer Umfrage alles genannt werden. Es ist beileibe nicht so, dass die Stadt gar nichts tun würde. Mindestens einmal im Jahr rückt ein Reparaturtrupp aus und füllt Asphalt in Schlaglöcher – was aus diesen dann rumpelnde Erhöhungen statt rumpelnden Löchern macht. Teils werden Stellen auch großflächiger überdeckt, vereinzelt sogar ganze Streckenabschnitte (das liegt aber jetzt auch schon mind. 5 Jahre zurück). Alles in allem bleibt der Bereich im Stadtwald eine vom Verfall gekennzeichnete Straße.

Und das ist nicht einfach nur eine Frage des Komforts bzw. das Fehlen eines solchen. Sobald es regnet oder es dunkel wird, wird das Ausweichen zunehmend schwer. Steht das Wasser auf der Straße, sind leichte Unebenheiten nicht ohne weiteres von tiefen Schlaglöchern zu unterscheiden. Die Fahrbahn wird rutschig, wodurch gerade Längsfurchen (je nach Reifenbreite) gefährlich werden. Im Winter wird zwar sehr gut geräumt, aber eben auch nie bis auf den Grund, da – nehme ich an – der unebene Belag sonst komplett ruiniert würde. Zwar ergibt sich so eine gut befahrbare, gestreute Schneefahrbahn, die sich allerdings bei Tauwetter in Eis und Matsch verwandelt – neben Sturm die einzige Zeit, in der die Strecke nicht zu empfehlen ist.

Davon abgesehen mindert der Straßenzustand unbestreitbar die nutzbare – oder genauer: die tatsächlich genutzte – Straßenbreite. Die Straßen durch den Stadtwald sollten theoretisch leicht vier RadfahrerInnen nebeneinander erlauben. Tatsächlich sieht man so etwas sehr selten (und wenn doch, achte man darauf, wie die armen Gesellen am Straßenrand durchgeschüttelt werden). An etlichen Stellen findet man schon alleine auf der Straße keinen Weg ohne Holpereien, bei Gegenverkehr fährt meist eine/r von beiden durch Löcher, die er/sie sonst gerne umfahren hätte. Setzt man dies nun in den Kontext der Fahrradstadt2020, also dem Vorhaben (oder Wunsch), den Radverkehrsanteil zu verdoppeln, dann reicht „gut genug“ eben nicht mehr aus. Man muss nur einmal an einem Wochenende durch den Stadtwald fahren und sich vorstellen, dass der normale Pendlerverkehr auch einmal diesen Umfang erreicht – ob man mit diesem Fahrerlebnis Menschen motiviert, aufs Rad zu steigen?

Anschluss halten

Schöne Wege finden ist ja das eine. Dieser schöne Weg ist sogar noch nicht einmal wesentlich länger als der „reguläre“ Weg an der Hauptstraße entlang. Aber noch besser: Dieser schöne Weg bietet auch genügend Anschlüsse. Denn der gemeine Pendler fährt ja nicht (nur) um des schönen Weges Willen, sondern um irgendwohin zu kommen. Erste Wahlmöglichkeit bietet die Kreuzung der Siebenbrunner, Spickel- und Ilsungstraße. Die Siebenbrunner Straße führt weiter Richtung Zoo/Botanischer Garten/Handwerkskammer, im weiteren Verlauf bis zum Roten Tor und damit direkt ins Stadtzentrum – ohne Ampeln. Die Ilsungstraße führt an der Sportanlage Süd vorbei Richtung Messe, Univiertel und dem zukünftigen Innovationspark. Die Spickelstraße führt zum Hochablass (und hierüber nach Hochzoll, etwa zum Bahnhof – auf kürzerem Weg als per PKW möglich), ebenfalls ins Stadtzentrum oder den Lech entlang nach Lechhausen/Gersthofen und bietet damit die Möglichkeit, ganz Augsburg von Süd nach Nord zu durchqueren – ebenfalls praktisch ohne Ampeln.

Schaut man sich auf dem Stadtplan an, was der Stadtwald und die Strecke am Lech alles verbindet, zeigt sich das ganze Potenzial als „Radschnellweg“. Insbesondere ein Streckenabschnitt offenbart, was möglich wäre: entlang der Olympia-Kanustrecke. Hier ist nicht nur der Straßenbelag (bis auf wenige Ausnahmen) wieder in gutem Zustand, die Strecke ist sogar beleuchtet. Im Herbst und vor allem Winter ist das ein ungeheurer Komfort. Ist es so vermessen, sich diesen Standard für den kompletten Stadtwald zu wünschen?

Den Standard setzen

Keine Frage, den Weg durch den Stadtwald zu beleuchten wäre noch einmal ein Thema für sich, mit berechtigten Einwänden möglicherweise aus dem Naturschutz. Strombedarf, Lichtverschmutzung, um nur zwei Schlagworte zu erwähnen. Andererseits wäre dies auch ein wahres Spielfeld für innovative Lösungen mit Vorzeigecharakter – vielleicht würde man dann im nationalen Radverkehrsplan nach Augsburg verweisen statt auf die Niederlande? Vielleicht könnte eine durchgängige Beleuchtung auch helfen, die gefühlte Sicherheit zu erhöhen. Und damit meine ich nicht die verbesserte Sicht auf etwaige Fahrbahnfehler, sondern leider das Sicherheitsbedürfnis vornehmlich von Frauen, die nachts nicht unbedingt durch einen Wald laufen oder fahren wollen. Ob eine Beleuchtung hierbei nachhaltig hülfe, sei natürlich dahingestellt – schändliche Verbrechen wie jenes hier werfen Zweifel auf.

Ein ebenso schwereres Thema wäre wohl die durchgängige Asphaltierung. Was im Stadtwald schon vorhanden ist, ist am Lech entlang noch nicht einmal ein Traum. Zwar gibt es schlimmeres als einen guten Kiesweg, aber bei Schlechtwetter oder im Winter haben diese Wege ihre Grenzen. Letzten Winter bedeckte noch eine dicke Eisschicht Teile des Wegs am Lech mehrere Wochen nachdem auf asphaltierten Radwegen (von Straßen ganz zu schweigen) der letzte Schnee verschwunden war. Zwar bereitet das Fahren auf verschneiten Wegen durchaus Spaß, aber von einem Anreiz, den/die durchschnittliche/n Berufspendler/in auch im Winter aufs Rad zu locken, brauchen wir hier nicht sprechen. Müssen wir aber, wenn wir ernsthaft 25% Radverkehrsanteil erreichen wollen – und zwar nicht nur an einem sonnigen Samstagnachmittag.

Was ist schon utopisch?

Schwer genug wird wahrscheinlich schon, die vorhandene Strecke durch den Stadtwald (oder selbst nur die Fahrradstraße am Zoo) vollständig saniert zu bekommen. Grob geschätzt 6km Straße neu bauen, auf denen kein Auto fährt. Das klingt utopisch, doch warum? Mit Haunstetten, Hochzoll und Lechhausen sind die einwohnerstärksten Stadtteile verbunden, dazu das Univiertel, die Berufsschulen und die Messe. Mit der Sportanlage Süd und dem dortigen (beleuchteten!) Max-Gutmann-Laufpfad ist ein großer Bereich des Freizeitsports angebunden. Wer regelmäßig im Stadtwald unterwegs ist, weiß, wie viele Läufer und Walker sich dort im Dunklen treiben. Wie sehr würde wohl eine Beleuchtung der (Haupt-)Strecken im Stadtwald die Attraktivität dieses Freizeitangebots steigern? In einigen (norddeutschen) Städten entstehen derzeit Radschnellwege, man nutzt dort etwa durch stillgelegte Bahnstrecken entstehende Räume. Wenigen Städten bieten sich solche Gelegenheiten, Augsburg hat mit dem Stadtwald zumindest für die angrenzenden Stadtteile ein Juwel an der Hand, das „nur noch“ poliert werden muss.

Natürlich würde das Geld kosten. Natürlich werden Fragen aufgeworfen und Diskussionen um Machbarkeit notwendig. Natürlich löst ein Vorzeigeradweg in Haunstetten kein einziges Problem einer Radfahrerin in Pfersee. Aber das tut ein neuer Straßenbelag auf der B17 oder in der Fußgängerzone auch nicht. Trotzdem bauen wir beides, und beides völlig zu Recht. Es ist an der Zeit, die Grenzen des Denkens, wenn es um Radwege geht, auf dasselbe Niveau zu heben, wie wir es bei allen Infrastrukturvorhaben pflegen. Nimmt man dann hinzu, dass die Fahrradstadt2020 eines der drei Kernprojekte der Stadt Augsburg ist, darf man dann und wann vielleicht sogar ein Quäntchen mehr verlangen.

Radverkehrsförderung ist deutschlandweit „en vogue“. Nur dass es keine Modeerscheinung ist, sondern essentiell für die weitere Entwicklung  unserer Städte. In einer solchen Zeit sollte man Möglichkeiten ergreifen, die auch über die Stadtgrenzen hinaus Aufsehen erregen. Eine durchgängig asphaltierte, beleuchtete, ampelfreie Nord-Süd-Querung einer Stadt von der Größenordnung Augsburgs, mit Anschluss der bevölkerungsreichsten Stadtteile und (indirekt) Knotenpunkten wie der Universität und der Messe wäre definitiv eine solche Möglichkeit.

Fail by design.

Die Stadt Augsburg darf sich kurz entspannt zurücklehnen und beruhigt zur Kenntnis nehmen, dass der Nachbar Königsbrunn auch Dinge baut, die schwer erklärbar scheinen. Die Blumenallee zum Beispiel. In weiten Teilen gilt hier Tempo 30, was wohl einem Altenheim und einem Kindergarten geschuldet ist. Die Straße führt ansonsten durch ein reines Wohngebiet, ist auf beiden Seiten mit Parkbuchten/-streifen versehen und relativ eng, reicht aber prinzipiell für gleichzeitigen Verkehr in beide Richtungen.

Frage 1, die sich mir stellt: Wie kann man allen Ernstes in dieser Straße einen benutzungspflichtigen Radweg anordnen? Man darf, ja, ist ja keine 30-Zone. Aber warum sollte man? Wo ist die Gefahrenlage, die es rechtfertigt, den Radverkehr von der Fahrbahn zu verbannen. Umgekehrt wird eher ein Schuh daraus: Ist es nahe eines Altenheims und eines Kindergartens nicht wesentlich sinnvoller, RadlerInnen vom Gehweg fern zu halten? Gleichzeitig würde der Radverkehr auf der Fahrbahn den motorisierten Verkehr dort im Zweifel noch etwas weiter abbremsen, was ebenfalls von Vorteil wäre. Eine Win-Win-Win-Win-Situation. Aber nein: Blauschild.

Was zu Frage 2 führt: Wer in aller Welt ist für die Parkstreifen verantwortlich? Diese sind vielleicht zwischen den Alleebäumen hübsch anzusehen und halten in der Theorie die Straße frei von Parkhindernissen. Dafür müssten sie aber eben so breit sein, dass ein Auto auch darauf Platz findet – was sie nicht sind, wie auf allen Bildern zu sehen. Der DHL-Minitransporter? Parkt vielleicht nicht optimal, würde aber selbst dann nicht auf den Streifen passen. Der Porsche? Steht mit einer Reifenbreite auf der Fahrbahn, was diese dann gerade so weit verengt, dass unter Umständen zwei etwas breitere PKW nicht mehr aneinander vorbei passen. Die meisten anderen PKW? Wählen die Variante, mit einem Reifen auf dem Radweg zu stehen. Was wiederum diesen so weit verengt, dass man zumindest mit dem Lenker schon in den Gehweg ragt. Von einem Sicherheitsabstand zu sich womöglich öffnenden Türen – Altersheim? Kindergarten? Hallo? – ganz zu schweigen.

Das Mindeste wäre, die Blauschilder noch heute abzumontieren. Ideal wäre, einen reinen Fußweg auszuweisen und die Parkstreifen so weit zu verbreitern, dass man sich beim Parken nicht zwischen Pest und Cholera entscheiden muss. Und die verbliebenen Tempo 50 Abschnitte könnte man mit einer 30-Zone gleich auch noch ausmerzen.

Zeichen, Wunder und Umleitungen

Meine Radlererlebnisse mögen selektiv sein, aber eine ausgeschilderte Baustellenumfahrung für RadfahrerInnen ist mir bislang wirklich noch nicht untergekommen. Klar, es sollte das normalste der Welt sein, einen Alternativweg aufgezeigt zu bekommen. Ich danke dennoch dafür.

4,52 zu 1,07

Die Aufgabe: Teile den Platz auf der Fahrbahn zwischen Autos und RadfahrerInnen auf. Abgesehen von Kreuzungsbereichen ist nur eine (1) Spur für PKW vorgesehen.

Das Ergebnis: siehe Bild. Das Ganze stammt aus dem Jahr 2001, ist also verhältnismäßig neu. Auch im Jahr 2001 waren Fahrräder schon so breit wie heute, schon 2001 stieg man aus Autos aus und musste dazu Türen auf die Radspur hinaus öffnen. Allerdings waren 2001 im Mittel die Autos vielleicht sogar noch weniger breit als sie es heute sind. Viereinhalb Meter Platz für eine Autospur? Das ist noch wesentlich breiter als die empfohlene Fahrspurbreite einer Autobahn (3,75m). Aber für die Radspur bleibt gerade einmal ein guter Meter Platz (gemessen ohne Markierung)? In welchem Universum ergibt das denn irgendeinen Sinn?

Schon klar, im Kreuzungsbereich mit ein oder zwei zusätzlichen Abbiegespuren wird der Platz schnell eng. Aber wieso in aller Welt wird dazwischen der Platz nicht angemessener aufgeteilt? Selbst bei einer lichten Weite von zwei Metern für die Radspur verbliebe PKW noch eine autobahntaugliche Spur mit 3,5 Metern Breite. Was keinerlei Einschränkung für den MIV bedeutet, aber eine Verdopplung (!) des Platzes für Radfahrer. Eltern könnten neben ihren Kindern fahren. Anhänger hätten noch Manövrierraum. Man könnte langsamere FahrerInnen überholen, ohne die Spur zu verlassen. Schockschwerenot: Man könnte sogar den empfohlenen Abstand zu parkenden Autos einhalten ohne sich bereits außerhalb der Radspur zu befinden.

Das Gute ist: Es ist nur eine Linie. Die kann man wegfräsen und neu aufmalen. Es ist noch nicht zu spät, liebe Fahrradstadt in spe.

Das übliche Hin und Her

Diese Bilderserie zeigt einen Abschnitt von kaum 100 Metern, (um)gebaut worden ist das alles vor geschätzt 15 Jahren – das ist also keine besonders neue Stelle, aber beileibe auch kein Relikt aus dem dunklen Mittelalter. Die Mischung aus durchaus „mutiger“ Radstreckenführung (heißt: im Autoverkehr) und völlig gedankenlosem Gewurschtl ist allerdings bemerkenswert und sinnbildlich für den Zustand großer Teile heutiger Radinfrastruktur.

Noch in Gersthofen werden RadfahrerInnen Richtung Augsburg (Höhe Adelbertstr) auf einen linksseitigen Zweirichtungsradweg geleitet. In falscher Richtung darf man so an zwei Autohäusern mit ihren Ein- und Ausfahrten vorbei (ein weiterer Baumarkt ist mittlerweile geschlossen) und eine Straße queren. Warum man bis heute keinen rechtsseitigen Radweg bauen konnte, ist also die erste Frage, die man getrost stellen darf.

Höhe Bauhaus/Mediamarkt weist ein weiterer Wegweiser wieder zurück auf die rechte Straßenseite. Die dort vorhandene Überquerungshilfe ist durchaus hilfreich, da der Verkehr hier zu Wartezeit beim Überqueren führen kann. Das ändert natürlich wenig daran, dass auch diese Verkehrsinsel wie immer viel zu wenig Platz für längere Räder/Anhängergespanne bietet. Die Überquerungshilfe ist auch eher auf Fußgänger abgestimmt, auf der Gegenseite findet sich ein Fußweg zum Parkplatz des dortigen Baumarkts – RadfahrerInnen finden sich hingegen auf der PKW-Abbiegespur in den Baumarkt-Parkplatz wieder. Diese fahren sie entlang und müssen dann geradeaus weiter auf den beschilderten Rad-/Fußweg – vorbei an den aus dem Parkplatz herausfahrenden PKW. Wie man auf den Bildern sieht, wurde eine einstige, viel zu weit in der Fahrbahn befindliche Haltelinie entfernt. Allerdings wurde auch keine neue aufgemalt, welche die PKW dazu animieren könnte, vor dem Radweg zu halten statt diesen beim Warten zu blockieren.

Dieser kombinierte Rad-/Fußweg wird rund sagenhafte fünf Meter nach Beginn geteilt und leitet RadfahrerInnen zurück auf die Fahrbahn. Wow – sollten hier RadfahrerInnen also tatsächlich auf der Fahrbahn durch den folgenden Kreisverkehr geleitet werden? Aber nein, nicht doch. Der offensichtlich wenig benutzte, mit seiner lächerlichen Breite alle Vorgaben zu Radverkehrsanlagen ignorierende Radstreifen führt knappe zehn Meter bis direkt an den Kreisverkehr heran, um direkt daran zu enden und RadfahrerInnen wieder zurück (über einen glücklicherweise ordentlich abgesenkten Randstein) aufs Hochboard zu schicken.

Auf diesem umrundet man den Kreisverkehr, quert dabei eine Ausfahrt und ordnet sich dann Richtung Zentrum gleich wieder links ein, um hier auf die Fahrbahn geleitet zu werden – zwischen Links- und Rechtsabbiegerspur findet sich hier eine rot markierte, ordentlich breite Radspur, auf der RadfahrerInnen links über die folgende Kreuzung Richtung Zentrum in einem Rutsch abbiegen können, was in Augsburg wahrlich nicht oft anzutreffen ist.

Der Abschluss dieses Weges ist – auch wenn die Ableitung besser geschützt, sprich nicht direkt in die Gabelung zwischen Geradeaus- und Rechtsabbiegespur geführt werden könnte – durchaus versöhnlich modern, aber das Wirrwarr zuvor ist einfach nur bizarr. Weshalb man sich einfach nicht traut, Radverkehr auf der Fahrbahn durch einen Kreisverkehr zu schicken, erschließt sich mir nicht. Der Kreisverkehr ist zwar viel befahren, aber der Verkehr fließt auch entsprechend langsam, sodass selbst langsame RadfahrerInnen problemlos mitschwimmen könnten. Würde man es dann noch hinbekommen, zwischen Gersthofen und Augsburg etwa einen Kilometer lang einen rechtsseitigen Radweg zu bauen, könnte man statt eines wirren Hin und Hers mit zahlreichen programmierten Konflikten einen entspannten Radweg beschreiben.

Hier ist so vieles falsch.

Seit kurzem liegen im letzten Stück der Apprichstraße diese Verkehrsinselchen am Straßenrand. Offensichtlich braucht es für eine verkehrsberuhigte Straße, die kaum 1,5 Wagenbreiten misst, noch weitere Maßnahmen, um den „Schleich“verkehr auszubremsen– zumindest interpretiere ich deren Vorhandensein einmal so. Traurig genug, traurig aber auch, dass zwei nur auf einer Straßenseite aufgestellte Hindernisse das Einzige ist, was einem einzufallen scheint. Wie das den Verkehr in Gegenrichtung beeindrucken soll, muss man mir noch erklären. Dass man RadfahrerInnen quasi als „Kollateralschaden“ ausbremst, die nun endgültig nicht mehr am Gegenverkehr vorbei kommen, scheint man ebenfalls in Kauf zu nehmen. Die Straße als Anliegerstraße auszuweisen müsste man ja kontrollieren, speed bumps – welche man eleganterweise auf die Straßenmitte begrenzen könnte, damit Radfahrer am Rand unbehindert fahren können – sind hierzulande generell wenig zu sehen.

Aber dass es möglich ist, diese Inselchen ohne reflektierende Warnbake aufzustellen, ist schon reichlich überraschend. In etwa so überraschend, wie diese Stolpersteine nun im Dämmerlicht aus dem Nichts im Fahrtweg vor einem auftauchen. Liebe Stadt, könnte ihr bitte …? Danke.

Der Kreisverkehr und das Rad

Den Kreisverkehr in der Hagenmähderstraße hatte ich genau genommen schon einmal, aber heute sei er, oder genauer: seine Radverkehrsführung in ihrer vollständigen Sinnlosigkeit dargestellt. Denn der Kreisverkehr selbst ergibt sicherlich Sinn, nur bei der Radführung hat irgendwer … sagen wir einmal: zumindest nicht zu Ende gedacht.

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Rechts abbiegen bei rot – geht doch!

Der Grünpfeil für Radfahrer ist sicherlich eine gute Idee. Das Rechtsabbiegen an roten Ampeln ist im Pariser Plan „eine der bedeutendsten Fahrradstädte der Welt zu werden“ explizit aufgeführt. Und das kann ja so einfach sein, wie die ausnahmsweise einmal sinnvolle Straßenmalerei hier zeigt. Das recht großzügige Hochboard im Kreuzungsbereich wird für eine extra Radspur verwendet, die neben der Einordnung als Linksabbieger auch das unterbrechungsfreie Rechtsabbiegen ermöglicht – sogar selbst dann noch, wenn geradeaus schon RadfahrerInnen an der roten Ampel warten.

Das mag keine große Sache sein, freut aber trotzdem. Vielleicht sogar umso mehr, weil die Maßnahme so einfach scheint, aber dennoch so selten anzutreffen ist. Bitte mehr davon!

Geradeaus. Sehr schwierig, das.

Vom Kobelweg kommend findet sich an der Kreuzung mit der Ulmer Straße etwas seltenes: Eine (full-size) Radampel mit Gelb-Licht, die *trommelwirbel* signifikant länger grün ist als ihr PKW-Pendant. Beim Linksabbiegen (Richtung Bahnhof), das wie üblich in zwei Zügen stattfindet, hilft das tatsächlich in manchen Fällen, die Wartezeit an der zweiten Ampelquerung zu reduzieren.

Leider hilft es überhaupt nicht jenen, die geradeaus in die Reinöhlstraße weiter wollen. Dieses Geradeaus nimmt nicht nur den schon üblichen Knick, sondern mündet auch noch ohne Umschweife in einem reinen Fußweg. Um weiter geradeaus zu fahren muss also auf die Fahrbahn gewechselt werden. Das wiederum geht nur direkt an der Fußgänger-/Radampel, über die man als Linksabbieger auch fahren würde – die zwangsläufig rot ist. Ob ich bei Rot vom Hochboard auf die Fahrbahn darf, wenn ich sie nicht überqueren sondern nur befahren will? Ganz ehrlich, keine Ahnung. Da aber bei rot in der Regel PKW-Verkehr herrscht (siehe Bild 2) verbietet sich das Einbiegen auf die Fahrbahn so oder so. Also hat man zwar gerade noch geradeaus eine grüne Ampel überquert, nur um an der anderen Straßenseite an einer Ampel zu stehen, die gar nicht für einen gelten sollte. Well played.

Irrwitzig daran ist vor allen Dingen, dass die Radfahrerin und der Radfahrer den Kobelweg vorher und die Reinöhlstraße nachher auf der Fahrbahn geführt werden. Erst 20 Meter vor der Kreuzung werden sie im Kobelweg überhaupt erst benutzungspflichtig auf das Hochboard gelenkt, wovon sie unmittelbar nach der Kreuzung durch die Deklaration als Fußweg wieder verjagt werden. Die Konsequenz daraus ist, dass die Geradeausfahrt völlig unnötig unterbrochen wird. Wieso, weshalb, warum? Warum denkt jemand bei der verlängerten Grünphase mit, wirft GeradeausfahrerInnen aber einen derartigen Stock zwischen die Beine?

Die Reinöhlstraße ist breit genug, um zumindest eine ordentliche Ableitung auf die Fahrbahn zu installieren, die ein unterbrechungsfreies Geradeausfahren ermöglichen würde. Man könnte auch die Radspur gleich “geradeauser” auf die Fahrbahn malen und das Hochboard auf der Gegenseite vollständig umgehen (auch wenn sich in diesem Fall die verlängerte Rad-Grünphase mit linksabbiegenden PKW in die Reinöhlstraße beißt – ein lösbarer Konflikt). Wenn man schon nicht über die Denksperre hinweg kommt, Radverkehr auch und gerade im Kreuzungsbereich auf der Fahrbahn zu führen und möglicherweise mit eigenen Grünphasen zu versehen.

Am Vogeltor

Das Vogeltor in Nord-Süd-Richtung hatte ich schon einmal hier und hier erwähnt. Aber auch in der Gegenrichtung ist es leider einen Beitrag wert. Direkt nach der Kreuzung mit der Jakoberwallstraße wird die Radspur benutzungspflichtig auf das Hochboard geleitet. Anstatt der im Bild subtil versteckten Baustellenschilder darf man sich zu vielen Zeiten gerne Fußgänger vorstellen, da der Strom von Passanten zwischen City Galerie (und dem zugehörigen Parkhaus) und der Alt-/Innenstadt zu einem großen Teil genau hier fließt und die Teilung in Rad- und Fußweg oft nur graue Theorie bleibt. Noch enger wird es nach dem Überqueren der Rechtsabbiegerspur in die Vogelmauer, da der Bereich mit abgesenktem Randstein begrenzt ist. Dass die Radwegmarkierungen im Boden widersprüchlich sind (Bild 2: halbe Spur, Bild 3: ganze Spur) passt ins vermurkste Bild. Die Sicht um das Vogeltor herum ist baulich bedingt schlecht, wegen des hohen Fußgängeraufkommens ist hier stets mit (Gegen-)Verkehr auf der Radspur zu rechnen. Kurz nach dem Tor beginnt zwar erneut ein Radstreifen auf der Fahrbahn (Oberer Graben, zufällig die Nummer 1 im Straßenranking von Things on Augsburgs Lanes), doch die Straßenquerung für Fußgänger von/zur Altstadt ist noch ein letztes Hindernis auf dem Weg.

Nun kann man gerne einwerfen, dass das Vogeltor, ähnlich wie das Jakobertor, eben ein unveränderliches bauliches Denkmal ist und man „sich doch mal arrangieren kann“. Kann man, ja, tut man auch, aber könnte man nicht auch nach besseren Lösungen suchen? Die liegen, wie ich finde, gerade hier einigermaßen offensichtlich auf der Hand.

Die vermeintlich einfachste Lösung wäre, den Radverkehr einfach gemeinsam mit den PKW auf der Fahrbahn durch das Vogeltor zu leiten. Da auch der Autoverkehr direkt nach dem Vogeltor auf die querenden Fußgänger achten muss, wäre Tempo 30 an dieser Stelle sowieso nicht verkehrt. Da das Tor zudem direkt hinter einer Kreuzung liegt, in vielen Fällen der Verkehr also gerade erst anrollt, wäre dies nicht einmal eine besondere Einschränkung. Da der Radverkehr sowohl vor als auch nach dem Vogeltor bereits auf der Fahrbahn geführt wird, wäre die Durchquerung auf der Fahrbahn nur eine konsequente Fortführung und auch für die Fußgänger auf dem Hochboard wohl angenehmer. Man könnte den Fußweg auch als „Fahrrad frei“ deklarieren, um weniger sicheren RadfahrerInnen eine Alternative zum Weg auf der Fahrbahn zu bieten.

Wenn diese Variante nicht gewollt oder aus welchen rechtlichen Gründen auch immer mal wieder vermeintlich unmöglich ist, so bliebe noch die Möglichkeit, dem Rad- und Fußverkehr um das Tor herum sehr viel mehr Platz zu geben. Wie man auf Bild 2 sieht, wurde dem kurzen Stück am Vogeltor entlang schon ein kleines bisschen (nutzloser, weil nicht mit abgesenktem Randstein versehener) Weg angestückelt. Warum nur ein bisschen? Warum nicht viel mehr? Man kann an dieser Stelle nur in die Vogelmauer einfahren, aber nicht aus ihr heraus – in diese Richtung ist es eine Sackgasse. Kann man da nicht noch weitere 5 Meter abzwacken? Das Gelände rechts des kombinierten Rad-/Fußwegs ist (imho) ein Stadtwerke-Gelände, also in städtischem Besitz. Warum Rad- und Fußweg (Bild 1) hier nicht deutlich verbreitern? Oder warum direkt an der Straße (immer noch Bild 1) den Gehweg nicht komplett streichen und zu einem reinen Radweg umdeklarieren – wenige Meter weiter parallel hierzu ist ein weiterer Fußweg (über eine Brücke) vorhanden, der sowieso schon von der Mehrheit genutzt wird.

Obwohl hier ausnahmsweise also sogar Platz im Überfluss vorhanden ist, werden FußgängerInnen und RadfahrerInnen auf weniger Raum um das Vogeltor herum geführt, als für den PKW-Verkehr im Tor zur Verfügung steht. Es ist – unnötigerweise! – die alte Leier der ungerechten Platzverteilung zugunsten des MIV.

Das Rad als zweite Geige

Es mag ein subjektiver Eindruck sein, aber manchen Straßenzügen merkt man mehr als anderen an, dass dabei an das Rad entweder gar nicht oder erst viel später gedacht wurde. Die Neusäßer Straße ist so ein Fall. Stadtauswärts beginnt sie (mittlerweile) mit einem Radstreifen auf der Fahrbahn, für PKW bleibt eine Fahrspur je Richtung. Nach der Kreuzung mit der Stenglinstraße ist diese Radspur jedoch passé und der PKW-Verkehr rollt bis zum folgenden Kreisverkehr vierspurig. Ob das irgendeinen tieferen Sinn hat, wenn sämtliche umliegenden Straßen nur zweispurig sind – ich weiß es nicht.

Im Hier und Jetzt heißt es für RadlerInnen nach der Kreuzung auf alle Fälle, dass man auf vier Spuren auf sich alleine gestellt ist. Wenn ich mich recht entsinne, war das Hochboard auf diesem Abschnitt einmal ein kombinierter Rad-/Fußweg. Heute prangt dort zur allgemeinen Verwirrung ein Radweg-Schild – welches sich aber wohl auf die nach der Kreuzung noch angedeutete Radspur auf der Fahrbahn bezieht und nicht auf den Gehweg. Sinnvoller wäre hier das Anbringen eines Fußweg-Schildes, um unnötige Missverständnisse zu vermeiden.

Ob es das unsinnige Radweg-Schild ist oder die Wegführung auf der vierspurigen Straße, die sicher nicht jedermanns Sache ist – auf alle Fälle kann man eine Menge RadlerInnen auf dem Gehweg sehen, was spätestens auf Höhe der nächsten Bushaltestelle eine wirklich dumme Idee ist, selbst wenn dort gerade keine Fahrgäste warten (selbst Geisterradler habe ich auf diesem engen Weg schon gesehen). Für einige RadfahrerInnen mag es wie die Wahl zwischen Pest und Cholera erscheinen. Und wenn das Falschparken das Kavaliersdelikt des PKW-Fahrers ist, so gilt selbiges sicher auch für den Radfahrer und die Gehwegnutzung.

Doch wer sich mit der Nutzung der Fahrbahn arrangiert, sich dort den ihm oder ihr zustehenden Platz nimmt und sich nicht durch zu knapp überholende, wenig begeisterte PKW irritieren lässt, wird kurz vor Erreichen des anschließenden Kreisverkehrs doch wieder auf das Hochboard gejagt – in spitzem Winkel über einen abgeflachten Randstein, was noch nie eine gute Idee war. Der Platz für eine ordentliche Auffahrt auf das Hochboard wäre auf alle Fälle da (Grünstreifen).

Dass ich ein Fan davon bin, Radfahrer auf der Fahrbahn durch Kreisverkehre zu leiten, sollte bekannt sein. Und selbst wenn dieser Kreisverkehr durch die zusätzliche „Rechts-Dran-Vorbei-Abbiegespur“ (ich bin mir ziemlich sicher, dass dies der korrekte Fachbegriff dafür ist) ein wenig komplizierter sein mag, so ist er das vor allem, weil er mit PKW-Verkehr im Sinn konzipiert wurde. Rechtsabbieger fahren unter Umgehung des Kreisverkehrs direkt auf der rechten Fahrspur weiter, alle anderen ordnen sich links ein und fahren durch den Kreisverkehr. Bequem und schnell für alle, die rechts wollen (das wird dann schon die Mehrheit sein), ok für PKW, die in andere Richtungen wollen – und ein Hindernis für Radfahrer, deren Weg mit Vorfahrt-Achten-Schildern gepflastert mehrfach die PKW-Fahrspur kreuzt und zu allem Überfluss auch noch legal „falschherum“ führen kann (nach links, Gegenverkehr beim Kreisverkehrüberqueren, hooray).

Ob die Welt unterginge, wenn auch das Stück zwischen Stenglinstraße und Kreisverkehr auf zwei Fahrspuren mit Radspur verengt würde? Die Rechtsumfahrung des Kreisverkehrs könnte bleiben, Radfahrer, die in den Kreisverkehr wollen, würden zwischen dieser und der verbleibenden Fahrspur geleitet (Platz ist ja genügend vorhanden) und müssten zu keinem Zeitpunkt Spuren wechseln. Radfahrer, die rechts wollen, würde man auf der Rechtsumfahrung leiten (oder, wenn es sein soll, auch auf dem Hochboard, je nachdem, wie sich die Wegführung im Kobelweg anschließt). Natürlich ist dieser Kreisverkehr zu Spitzenzeiten stark belastet. Aber zu Spitzenzeiten fahren sicher auch viele RadfahrerInnen. Dass die jetzige Form nicht einmal für PKW die ideale Lösung ist, dürfte jeder bejahen, der hier schon im Stau stand. Dass es keine andere Form gibt, die gleichzeitig RadfahrerInnen weniger stark behindert als jetzt, wage ich einfach einmal zu bezweifeln. „Fahrradstadt“ würde für mich bedeuten, dass man sich eine solche Frage zumindest einmal stellt.

Wieviel Unsinn kann man für 100.000 Euro kaufen?

Wie schon einmal erwähnt wird die Augsburger Innenstadt demnächst unheimlich attraktiv respektive sie ist es schon – und das möchte man dem Augsburger Umland, welches die Innenstadt schmäht, einmal mitteilen. Eine der Maßnahmen habe ich heute auf dem Weg zur Arbeit entdeckt: neue Wegweiser ins Stadtzentrum. Nur für den Fall, dass die Menschen aus dem Augsburger Umland vergessen haben, wo das Rathaus steht.

Der erste große Wegweiser nach einer Ausfahrt von der Stadtautobahn verspricht einen „bequemen“ Weg ins Zentrum. Und ich frage mich kurz, ob sie einen wohl zu einem P+R leiten und muss dann selbst lachen. Nein, tun sie nicht. Die Wegweiser leiten einen in diesem Fall geradewegs durch die Pferseer Unterführung zum Bahnhof, wo ein Schild besagt „Da bist du ja“ – und man weiß nicht recht, ob die Macher überrascht sind, dass die Menschen tatsächlich den Weg gefunden haben oder ob es ein Echo der Autofahrer sein soll, die unter all den Baustellen die Innenstadt wiedererkannt haben.

Auf der offiziellen Webseite heißt es:

Lebensgefühl transportieren
Je mehr Geld fließt, um so mehr Wirkung kann das Konzept entwickeln. Geplant sind in diesem Jahr drei aufeinander aufbauende Werbewellen, die vor allem das neue Augsburger Lebensgefühl transportieren: Nach einem ersten Auftakt in Region und Stadt wird in der zweiten Welle das Innenstadt-Eröffnungsfest am Sonntag, 3. Mai, beworben.

Also handelt es sich bei den Schildern wohl mitunter um die „erste Werbewelle“. Jaja, da steckt schon eine Menge Lebensgefühl drin, und sicherlich werden die Schilder noch besser, wenn noch mehr Geld fließt. Dann sehen sie bestimmt nicht mehr aus wie Baustellenschilder. Tatsächlich sehen sie ganz exakt genau so aus wie all die Schilder, welche über Jahre hinweg während des Innenstadtumbaus Umleitungen anzeigten. Riesenidee. Auch dass das „Endschild“ mitten in einer Baustelle steht entbehrt nicht einer gewissen Komik. Und dass es einen dann dem Parkleitsystem überlässt – genau jenem Parkleitsystem, welches Wirtschaftsvertreter zur Aussage verleitet: „Gegenwärtig gebe es überhaupt kein Parkleitsystem“  – wird sicher zur guten Laune der herbeigelockten Umländer beitragen.

Aber all das ist ja nur Stümperei um des Pudels Kern herum: „Bequem“ ins Zentrum heißt also auch heute noch, mit dem Blecheimer direkt vor’s Loch zu fahren. Dass die Menschen genau diese Vorstellung mittlerweile in einer überwältigenden Mehrheit ablehnen – geschenkt. Dass man selbst mit „schön gestalteten Plätzen“ und „Genießen und Verweilen“ wirbt, was wahrscheinlich nicht im Auto stattfinden soll, sondern gerade ohne dieses – vergessen. Dass es Anstrengungen gibt, Augsburg zur Fahrradstadt zu machen – irrelevant, denn es geht ja nur um Menschen aus dem Umland. Dass Buslinien zugunsten der Tram an deren Endhaltestellen gekappt werden, um die Auslastung und damit letztendlich das Angebot des ÖPNV zu verbessern – nein, keine Ahnung, wie man das mit Anreisenden aus dem Umland verbinden könnte. Was, eine Wegweisung zu Park&Ride-Plätzen? Um Gottes Willen, wie unbequem, dieses Umsteigen. Umland = Auto = Parken in der Umkleidekabine.

Welches Jahr schreiben wir gleich nochmal?

Und nochmal: Straßenquerung

Nicht dass eine/r meint, der Neubau einer Deppeninsel Überquerungshilfe am Ortsausgang Inningen sei eine Eintagsfliege. Auch am Ortsende Göggingen Richtung Inningen greift man dem Radfahrer und der Radfahrerin neuerdings mit einer solchen baulichen Maßnahme (samt Benutzungspflicht der anschließenden Radwege) unter die Arme, um vermeintlich sicher die linke Straßenseite zu erreichen. Gleiches Schema, gleicher Mist.

Ist viel Verkehr, muss der/die RadfahrerIn erst den Autoverkehr abwarten, um wenig später vermutlich an der Ampel (Kreuzung Lindauer/Allgäuer) nochmals zu warten. Doch was finden wir, wenn wir die Überquerungshilfe ignorieren und auf der Fahrbahn weiter bis zur Kreuzung fahren? Eine Abbiegespur. Eine ungenutzte Abbiegespur, da das Linksabbiegen hier schon lange nicht mehr gestattet ist. Sogar auf der anderen Seite der Kreuzung setzt sich in der Flucht der Abbiegespur weiterer ungenutzter Straßenplatz fort. Wäre es nicht denkbar gewesen, hier eine Möglichkeit – eine überaus komfortable und sichere Möglichkeit – für RadfahrerInnen zur Straßenquerung zu schaffen? Eine Abbiegeinsel mitten in der Fahrbahn ist Augsburg nicht fremd, hier stünde ungleich viel mehr Platz zur Verfügung. Sowohl LinksabbiegerInnen (in die Allgäuer) als auch GeradeausfahrerInnen (auf den linksseitigen Radweg nach Inningen) könnte man hier einen gleichberechtigten Weg mit wesentlich weniger Wartezeiten bieten. Ja, im Detail müsste man da sicher noch einiges überlegen und der im Bild markierte Weg muss nicht der beste sein. Vielleicht erforderte die Ideallösung gar einen Kreuzungsumbau – ja und? Steht irgendwo geschrieben, dass Umbauten nur zugunsten des Autoverkehrs zulässig sind? Darf man für RadfahrerInnen nur Überquerungshilfen in Form Vorfahrt und Schwung nehmender Verkehrsinseln bauen?

Ob der markierte Weg so oder so ähnlich zu verwirklichen wäre oder nicht – ich weiß es nicht. Ob es wenigstens angedacht wurde? Weiß ich auch nicht. Was ich weiß ist was ich sehe. Und ich sehe eine Standardlösung im althergebrachten Denkschema. Und darin sehe ich keinen Willen zur Veränderung.

Winter vs. Milchberg 3:0

Nach jedem Winter ist es dasselbe: überall blühen neue Schlaglöcher, vornehmlich um Kanaldeckel oder Stellen herum, die bereits geflickt wurden. Eine Reparatur aller Stellen ist wahrscheinlich weder zeitlich noch finanziell zu bewerkstelligen und ich mag mir gar nicht vorstellen, wie deprimierend das für die zuständigen Ämter sein muss. Nichtsdestotrotz nimmt der Fahrbahnzustand an einigen wenigen Stellen derart groteske Züge an, dass ich mich schon frage, ob nicht irgendwann die Grenze zur fahrlässigen Gefährdung überschritten wird. Hallo Milchberg.

Der Milchberg ist schon seit Ewigkeiten in einem miserablen Zustand. Gut, dass Fotos einem auf die Sprünge helfen, dass miserabel auch immer noch steigerbar ist. Hier das Bild vom 2. Dezember letzten Jahres:

20 cm müssen auch mal reichen

20 cm müssen auch mal reichen

 

Bergab blieb dort ein asphaltierter Bereich von etwa 20 cm, um nassem Kopfsteinpflaser zu entgehen. Das Problem ist, dass der gesamte Milchberg gepflastert ist/war und anscheinend nur eine minimale Asphaltschicht darüber liegt. Und die verabschiedete sich nun nach dem Winter – ob durch Räumfahrzeuge oder Frostaufsprengung. Ergebnis ist noch mehr offen liegendes Pflaster, mit Quer- und Längsschwellen zum restlichen Asphalt. Starker böiger Wind wie heute ist dann eine echte Herausforderung.

Wer auch immer hier zuständig ist – die Stadwerke (wegen der Gleise vielleicht?) oder die Stadt oder beide oder meinetwegen auch der Weihnachtsmann: Könnten wir das hier bitte einmal von Grund auf erneuert bekommen? Und nein, ich will nicht zu hören bekommen, man müsse abwarten, ob die Gleise noch gebraucht werden könnten, weil vielleicht irgendwann mal irgendwer aus irgendwelchen Gründen eine reguläre Straßenbahnlinie hier entlang führen möchte. Das ist nicht gegen das unterste Minimum an Verkehrssicherheit aufzuwiegen.

Lieber Geisterradler züchten als Wege optimieren

Die Neuburger Straße ist ja für so manchen Beitrag gut, aber dieses Teilstück hier verdient einen Ehrenplatz in der Kategorie „Wo kommen nur all die Geisterradler her“. Für ein kurzes Stück ist der Radweg an der Neuburger Straße stadtauswärts auch in der Gegenrichtung freigegeben – ohne dass das dem „Richtig“radler freilich angezeigt würde, sieht man von einer Straßenmalerei ab, die für sich genommen schon eine Frechheit ist, da die Furt hier einfach breiter gemalt wurde als der anschließende Radweg tatsächlich ist. Als wäre zumindest dem Straßenmaler das klitzekleine Manko aufgefallen, dass der Radweg für eine beiderseitige Befahrung viel zu schmal ist.

Warum also wird der Radverkehr dann trotz offensichtlicher Gefährdung, Rechtswidrigkeit und dem Vorhandensein eines Radwegs auf der rechten Straßenseite so geführt? Wahrscheinlich, weil man doch nur das Beste für die RadlerInnen wollte, selbstverständlich! Denn wer aus der Neuburger (stadtauswärts) wieder die Hans-Böckler stadteinwärts fahren möchte, muss auf der rechten Seite einen sehr ausladenden Bogen fahren, samt Durchquerung einer dunklen Unterführung, was durch die Geisterfahrt auf der linken Seite erspart bleibt. Gut, dass man dann auch damit rechnen muss, dass die Linksfahrer einfach gleich links bleiben und auch die Hans-Böckler-Str. auf der falschen Seite hinunter fahren, wo es nicht mehr erlaubt ist (und der Radweg auch nicht besser und breiter wird) … Da müsste man ja doch für zwei Cent nachgedacht haben.

Zwar bin ich nicht per se gegen Zweirichtungsradwege, aber sie sollten nicht nur die absolute Ausnahme bleiben sondern auch baulich entsprechend hohen Anforderungen genügen. Dieses Stück hier erfüllt gar nichts, gehört besser heute als morgen abgeschafft und auf der rechten Seite mit einem ordentlichen Angebot ersetzt werden.